Im zurückliegenden Sommer wurde es – bedingt durch die weltweiten Corona-Reiseeinschränkungen – immer deutlicher, wie viele Besucher aus der Region im Gebiet der Marktgemeinde Wiesenttal parken. „Wild und ungeordnet“, wie Bürgermeister Marco Trautner (FWW/ CSU ) schon Anfang August im Mitteilungsblatt schrieb.

Eine erste Notmaßnahme wegen der zum Teil überlasteten Parkplätze war ein QR-Code-System an größeren Parkflächen, mit dem man zu weniger offensichtlichen Parkplätzen gelotst werden kann. Die Verwaltung diskutierte Möglichkeiten, den Parkraum zu bewirtschaften.

989 Parkplätze gibt es im Gemeindegebiet, davon sind 620 im Eigentum der Kommune. Denn nicht nur die Herstellung von Parkplätzen, auch ihre Pflege kostet die Gemeinde ständig Geld. So ist im Sommer ein Bauhofmitarbeiter einen ganzen Tag im Einsatz, um alle Parkplätze anzufahren, die Papierkörbe zu leeren und nach dem Rechten zu sehen. „Wir bezahlen die Parkplätze und deren Unterhalt mit unserer Grundsteuer“, sagte dazu Konrad Rosenzweig ( CSU ).

Parkautomaten aufstellen? Ohne Kontrolle ist das allein nicht zielführend, weiß der Bürgermeister aus seiner früheren Tätigkeit bei der Polizei in Erlangen. Zudem koste ein Automat samt Aufstellung um die 10 000 Euro.

Katja Schönhöfer-Huhn von der Touristinfo recherierte in seinem Auftrag. Sie fand die Firma Packster, die ein Parksystem via App anbietet und in mehreren bayerischen Städten im Einsatz hat. Es laufe gut, bestätigten ihr zum Beispiel die Baunacher.

Trautner hält das System für eine „smarte Lösung“. Deshalb war Alban Ismajli als Vertreter der schwedischen Firma im Rat, um deren System vorzustellen: Einzige Voraussetzung ist Handyempfang auf den jeweiligen Parkplätzen. Via App gibt der Parkende sein Kennzeichen an und wählt eine Parkdauer, die auch von unterwegs verlängerbar ist. Der Parkende braucht also keine Sorge zu haben, dass die „Parkuhr“ endlos weiterläuft, falls er das Abmelden vergessen haben sollte. Am Ende eines Monats erhält er von Packster eine Rechnung über alle seine Parkvorgänge über deren System. „Man kann im Prinzip fast nichts falsch machen“, sagte Ismajli. Eine gute Beschilderung erklärt das Vorgehen mit Anmelden und Einloggen.

Die betreibende Kommune erhält von der Firma die Summe, die sich aus den Einlog-Vorgängen errechnet, abzüglich fünf Prozent für Packsters Aufwand. Denn die Firma übernimmt den Bezahlvorgang und auch das Risiko , dass jemand nicht zahlt.

Ein Jahr Testphase

Besonders in der Testphase des ersten Jahres bietet die Firma viel Flexibilität, beispielsweise welche Parkflächen einbezogen werden sollen. Selbst Wohnmobilstellplätze können so abgerechnet werden. Ein Kontrolleur im Auftrag der Kommune gibt seinerseits die Kennzeichen der parkenden Fahrzeuge via Handy ein. So erhalten auch die eine Rechnung, die sich unangemeldet hinstellen.

Trautners Lösung der wachsenden Parkprobleme stieß auf überaus positive Resonanz im Rat. „An den Wochenenden werden wir richtig überrannt“, sagte Helmut Hofmann (Gruppierung Zu-Ju) mit Blick auf den Parkplatz am Familienbad Streitberg. „Wenig Aufwand für die Gemeinde, kein Risiko und eine Einnahme“, urteilte Susanne Braun-Hofmann ( CSU ).

Brötchentaste in Muggendorf?

An eine Art Brötchentaste dachte Rosenzweig für den Ortskern in Muggendorf. Er selbst habe schon beobachtet, wie ein Dauerparker den Parkplatz vor einer Metzgerei Monate lang belegte. Von Anfang an eine weitreichende Ausweisung schien Hans Heißenstein (WU) klug, um Ausweichen zu vermeiden.

Trautner denkt noch weiter: Wenn sich die Methode in Wiesenttal bewährt, will er die touristischen Nachbargemeinden dafür gewinnen. Er sieht Wiesenttal in einer Vorreiterrolle für weite Teile des Landkreises Forchheim. Er kann sich sogar vorstellen, dass so Parkflächen zu WLAN-Hotspots werden – als zusätzlicher Service für Einheimische und Touristen .

Der Marktgemeinderat beauftragte die Verwaltung bis zur nächsten Sitzung, die gemeindlichen Parkflächen auf Handyempfang und Eignung für das System zu überprüfen und ein Gebührenmodell auszuarbeiten.