Über den Bericht „Wandern ist des Krämers Lust“ im FT vom Donnerstag letzter Woche hat sich Raimund Müller aus Veilbronn sehr geärgert. Darin wurden der frühere Bürgermeister Helmut Krämer und Julia Dorsch als zertifizierte Wanderführer der Marktgemeinde vorgestellt – er selbst aber wurde nicht erwähnt, obwohl er schon seit 2004 zertifizierter Wanderführer im Mark Heiligenstadt ist und seit 2001 unzählige geführte Wanderungen , Radtouren und Busausflüge begleitet hat.

Müller hat sich nun bei der Zeitung gemeldet: „Wandern ist nicht nur des Krämers Lust“, sagt er, und: „Sie haben das Rad nicht neu erfunden, weil es alte Kamellen sind.“ Über den Fränkische-Schweiz-Verein ließ sich Müller mit dem Rahmenplan der Deutschen Gebirgs- und Wandervereine schon 2004 zum geprüften und zertifizierten Wanderführer ausbilden. Den Wanderführerlehrgang schloss er am 17. Juli 2004 erfolgreich ab und ist seitdem geprüfter und zertifizierter Wanderführer in der Gemeinde Heiligenstadt.

Auf eigene Kosten habe er die Wanderungen inseriert und von den Gästen nichts verlangt. „Denn es geht mir um Heiligenstadt und die wunderschöne Region. Ich habe aber auch im Auftrag viele Gruppen aus ganz Deutschland begleitet, die hier bei den örtlichen Hotels zu Gast waren, oder wurde von Forchheimer Gruppen gebucht. Das Ganze ohne Unterstützung der Gemeinde“, betont der heute 76-jährige gebürtige Berliner, der noch immer als Wanderführer und Reiseleiter aktiv und schon seit Jahrzehnten Wanderwart der örtlichen FSV-Ortsgruppe ist. „Es hat keiner in der Gemeinde so viel für den Tourismus gemacht wie ich, und darauf bin ich stolz“, sagt Müller.

Bis ins Fichtelgebirge oder in die Weingegend in Unterfranken war er mit Wandergruppen unterwegs, bot geführte Wanderungen für die Grundschulkinder an, war Reiseleiter für Bustouren durch die Fränkische, begleitete die Osterbrunnenfahrten und führte und veranstaltete sogar Radtouren rund um Heiligenstadt und darüber hinaus. In einem Zeitraum von zehn Jahren waren es mindestens 80 geführte Wanderungen , die Müller leitete und die er in einem dicken Ordner auch dokumentiert hat.

Nichts von der Gemeinde bekommen

Von der Gemeinde habe er dafür auch nie etwas bekommen und auch nichts verlangt. „Zumindest hätte ich erwartet, dass bei dem Termin bekannt gegeben wird, dass es schon seit über 20 Jahren in der FSV-Ortsgruppe einen zertifizierten Wanderführer gibt“, ärgert sich Müller. 2009 habe er zum Beispiel auch den Heimattag in Heiligenstadt mitorganisiert, Wanderungen mit der Schwester von Erzbischof Ludwig Schick und deren Frauengruppe geführt, mit dem ehemaligen Forchheimer Landrat Reinhardt Glauber als Wanderführer auf zwei Etappen den Frankenweg eröffnet oder den Rundweg um Veilbronn bei einer Bürgerversammlung angeregt.

Oder als er noch Kellner beim Landgasthof Lahner – den sein Sohn Marcus Müller 2010 gekauft hat – war, hatte er die Felsfreilegungen angeregt, als der Bayerische Rundfunk vom Marktplatz in Heiligenstadt berichtete. Auf seine Anregung hin sei auch die Wanderkarte für das Wandern ohne Gepäck geändert worden.

„Es gibt vieles, was auf meine Anregung hin dann auch passiert ist“, so Müller, der 1965 erstmals als Urlauber in die Fränkische Schweiz kam und von der Gegend sofort begeistert war. 1988 zog der gelernte Kaufmann dann ganz nach Veilbronn , schulte zum Restaurantfachmann um und leitete dann auch mehrere Jahre die Restaurants im Erlebnispark Schloss Thurn. Bekannt ist Müller auch als Drehorgelmann mit seiner original Berliner Drehorgel mit der er in Altenheimen, bei Festen, Geburtstagen und sogar schon bei Weihnachtsfeiern der Gemeinde aufgetreten ist.

Die nun vorgestellten Wanderführer seien von der Gemeinde angestellt und versichert, behauptet Müller. Als er beim damaligen Bürgermeister Krämer anfragte, ob man ihn über die Gemeinde versichern könne, hielt dieser dies nicht für nötig. Krämer selbst weist dies entschieden zurück. „Wer für die Gemeinde ehrenamtlich tätig ist, ist durch die gemeindliche Unfallversicherung (GUV) automatisch unfallversichert“, betont er. Müller habe seine Wanderungen jedoch für den FSV und privat und nicht für die Gemeinde angeboten.

Bürgermeister Stefan Reichold ( SPD ) betont, dass die Wanderführer nicht bei der Gemeinde angestellt sind. Die Gebühren für die geführten Wanderungen , die vom Markt organisiert werden, hebt die Gemeinde ein. „Daraus erhalten die Wanderführer eine kleine Ehrenamtspauschale, damit sie sich ein Mittagessen kaufen können“, so Reichold. „Haftpflichtmäßig versichern wir uns über den Deutschen Wanderverband außerdem selbst. Das kostet mich 25 Euro im Jahr“, so Krämer.

Bürgermeister sucht das Gespräch

Wie Reichold betont, habe er nicht gewusst, dass man noch einen dritten zertifizierten Wanderführer in der Gemeinde habe. „Wir haben das öffentlich im Gemeindeblatt ausgeschrieben und da hätte sich Herr Müller ja bei der Gemeinde melden können“, so Reichold, der jeden einlädt, mitzumachen, und für jeden dankbar ist, der dies auch tut. „Ich bin gesprächsbereit und werde mit Herrn Müller das Gespräch suchen“, sagt Reichold. Gerne biete die Gemeinde auch für ihn geführte Wanderungen zu den gleichen Konditionen an.

Wichtig sei, dass es gemacht wird, man müsse aber erst mal sehen, dass man die Leute wieder ’rankriegt, gibt sich Müller versöhnlich, der den Zusammenhalt der FSV-Ortsgruppen und der einzelnen Gemeinden vermisst. „Mir geht es darum, dass man es richtigstellt“, so Müller.