Während der Arbeit ist die Mund-Nasen-Maske für Swen Klapperstück eine ständige Begleiterin. Auch andere persönliche Schutzausrüstung - Handschuhe, Kittel und Kopfhaube - sind für den 43-Jährigen seit vielen Jahren gewohnte Dinge. Swen Klapperstück ist der Leiter der Covid-19-Normalstation des Klinikums Coburg. Schon vor der Pandemie durch das Corona-Virus war die Station 52 die Isolierstation des Krankenhauses an der Ketschendorfer Straße. "Die infektiösen Patienten aller Fachrichtungen werden bei uns betreut." Das sind unter anderem Menschen mit TBC, Noro- und Rotaviren sowie anderem mehr.

Verändert hat sich mit Corona für die Ärzte und Pflegepersonal, "dass wir nun auch auf dem Flur vor den Patientenzimmern Mund-Nasen-Schutz tragen". Der richtige Umgang und die ständige Anwendung mit der umfangreichen Schutzausrüstung sind für die Mitarbeiter auf der "52" durch die langjährige Routine in Fleisch und Blut übergegangen.

Doppeltürsystem im Einsatz

Die Corona-Pandemie mit dem hochansteckenden Virus erfordert nach den Worten von Swen Klapperstück "jedoch ein noch konsequenteres Vorgehen beim Betreten und Verlassen der Patientenzimmer, wie und wo man sich die Schutzkleidung an- und auszieht".

Denn eine Verschleppung der Krankheit hätte gravierende Folgen. Auf der Isolierstation des Klinikums Coburg gibt es Schleusen beziehungsweise einen Vorraum vor jedem Patientenzimmer. Ein Doppeltürsystem verhindert, dass eine Ansteckung nach draußen getragen wird, schützt aber auch die Patienten in den Zimmern.

In Patientenzimmern des Klinikums Coburg mit erhöhter Aerosolbildung - wo Viren, Keime oder Flüssigkeiten als kleinste Schwebeteilchen in der Raumluft möglich sind, arbeiten tragbare Luftreinigungssysteme. Das senkt einerseits massiv die Virenlast in der Luft des Zimmers, zum anderen verringert es das Risiko für das Personal, sich anzustecken oder Viren aus dem Zimmer zu verschleppen.

In der Schleuse sind alle nötigen Ausrüstungsgegenstände und Materialien vorhanden. Nach der Pflege und Behandlung im Patientenzimmer bleibt die kontaminierte Schutzbekleidung im Zimmer und wird dort nahe der Tür in verschließbare Behälter gesteckt. Ein Vorrat an Desinfektionsmitteln und Hygieneartikeln selbst ist auch im Zimmer vorhanden. Desinfektion vor dem Betreten der Schleuse aus dem Patientenzimmer, Wechsel der Maske und wiederum Desinfektion in der Schleuse, bevor der Flur betreten wird, bieten Schutz. "Wir haben in den zurückliegenden Jahren noch nie eine Verschleppung von Krankheitserregern gehabt, und bislang konnte das auch verhindert werden", stellt der Stationsleiter fest.

Neben der körperlichen Belastung ist in den vergangenen Wochen und Monaten die Psyche über die Maßen gefordert. "Jeder Mensch verarbeitet das anders", sagt Swen Klapperstück. Man achte mehr aufeinander, dürfe sich aber nicht selbst blockieren. Das fällt nicht immer leicht.

"Wir hatten Patienten, die über drei und vier Wochen beatmet werden mussten, junge Menschen und auch Kleinkinder." Patienten, die über einen längeren Zeitraum beatmet werden müssen, werden auf die Intensivstation verlegt. Manche Kranke zeigten kaum oder keine Symptome, andere wiederum kämpften buchstäblich um ihr Leben. Vorerkrankungen machten die Situation für die betreuten Menschen nicht leichter. Zumal diese Lungenkrankheit etwas Neues sei.

Stolz auf die ganze Mannschaft

"Meine ‚Mädels und Jungs‘, die ganze Mannschaft, von den Ärzten bis hin zur Verwaltung, leisten hier einen sehr guten Job", zeigt sich der Stationsleiter dankbar. Andere Stationen helfen bei Engpässen mit Personal aus. Die höhere Arbeitsbelastung durch das Coronavirus werde so auf viele Schultern verteilt. Kurz vor dem Gespräch mit dem "Coburger Tageblatt" muss Swen Klapperstück schnell telefonisch noch eine personelle Lücke stopfen.

Corona ist auch das bestimmende Thema im Privatleben. Kolleginnen berichten davon, dass sich Menschen aus der Umgebung noch mehr zurückgezogen hätten, "weil man ja an der Quelle der Infektion arbeitet". Swen Klapperstück ist überzeugt davon, dass die Gesellschaft den Beruf, das Leistungsspektrum und die Wichtigkeit der Gesundheits- und Krankenpflege wie auch der Altenpflege neu bewerten wird. Denn Fehler, die in der Pflege gemacht werden, "können einen Menschen im schlimmsten Fall das Leben kosten".

Das Virus sei mit seiner hohen Ansteckungskraft nicht zu verachten und Covid werde die Menschen lange beschäftigen. "Der Respekt vor der Krankheit darf nicht verloren gehen, aber die Angst davor muss weichen. Wenn wir hier angekommen sind als Gesellschaft, sind wir einen großen Schritt nach vorne gekommen."