Matthias Einwag

"Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu", sagte der Schriftsteller Ödön von Horváth einmal über sich. In der Fastenzeit haben wir alle die Möglichkeit, unsere Gewohnheiten und Rituale ein wenig zu verändern, die kleinen Alltagslaster wegzulassen und anderes auszuprobieren.
Fastenzeit ist Experimentierzeit. Es geht nicht um Verzicht und Regeln, es geht ums Ändern und Ausprobieren.
Was liegt näher, als beim Fasten ans Essen zu denken? Zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag ist Gelegenheit, Körper und Geist zu entschlacken. Für den Körper gilt: Weniger ist mehr.
Wir besuchten Rico Pfitzner, den Küchenchef des Hotel-Restaurants Rödiger, und ließen uns von ihm exklusiv ein Rezept schreiben: "Forelle blau zur Fastenzeit".
Fasten heißt nicht, auf den Genuss verzichten, sondern in erster Linie auf nährstoffreiche Zutaten. "Somit verzichte ich bei diesem Rezept auf Milch und Butter, diese werden mit gutem Pflanzenöl und Mandelmilch ersetzt. Das schmeckt auch nach der Fastenzeit", verspricht der 37-Jährige.


Blaufärbung der Haut

Er empfiehlt, die Zutaten vor dem eigentlichen Kochen bereitzustellen, denn das erleichtere die Arbeit. Wichtig sei, die Forellen an Kopf und Schwanz mit einer Schnur zusammenzubinden, damit man sie anfassen kann, ohne die empfindliche Schleimschicht auf ihrer Haut zu zerstören. Diese Schicht sei es nämlich, die beim Sieden (nicht Kochen!) zur Blaufärbung füh re.
Eine Viertelstunde, höchstens 20 Minuten müssen die Forellen im Fond garen. Ein sicheres Zeichen, dass sie fertig sind, sei es, wenn sich die Rückenflosse leicht herausziehen lasse, sagt Rico Pfitzner. Um Kalorien zu sparen, bereitet der Küchenchef den Kartoffelstampf mit Mandelmilch und Rapsöl zu: "Fasten heißt ja auch, bewusst auf Butter und Milch zu verzichten."
Beim Anrichten der köstlichen Fastenspeise sollte man vorsichtig sein, denn das zarte Gewebe der Forelle zerfällt sehr leicht - nicht erst im Mund, schon auf der Gabel.
"Da macht das Fasten Spaß", sagt Rico Pfitzner beim Kredenzen der Forelle mit Stampf und Gemüse. Muskatnuss, Pfeffer und gebratene Knoblauchscheiben geben dem Gericht eine aromatische Note. Mit einem solchen Mahl ist es leicht zu fasten und - frei nach Ödön von Horváth - einmal Zeit zu finden, eine andere Seite an sich zu entdecken.