Die 16 Jahre alte Mutterkuh hatte schon viele Kälber auf die Welt gebracht. Immer auf der Weide, inmitten der Herde. Auch diesmal kündigte sich der Nachwuchs draußen auf den Wiesen von Callenberg an. In der Nacht zum Heiligen Abend.

Als Tristan Wolf am nächsten Morgen nach seinen Dexter-Rindern schaute, sah er den kleinen Bullen auf der Erde liegen. "Er hatte höchsten 15 Kilogramm", sagt der erfahrene Züchter. Normalerweise sind die Neugeborenen um die 25 Kilogramm schwer. Es regnete und war kalt. Da entschloss sich der Farmer , die Kuh und ihr Kalb in den Stall zu bringen. Und so verbrachten die beiden den Heiligen Abend unter der Rotlichtlampe - umgeben von den Eseln und Schafen des Gärtnerhofes. Auch ein paar Hühner sprangen noch dazwischen.

Schöne Bescherung

"Bescherung" war um 17 Uhr. Tristan Wolf wünschte zusammen mit seiner Frau Laura und den beiden Kindern Mio und Aurelia allen Tieren schöne Weihnachten und verteilte Leckerli.

Dem Bullenkalb geht es mittlerweile richtig gut. Es steht zwar noch etwas wackelig auf den Beinen, aber es trinkt kräftig vom Euter seiner Mutter.

Zweieinhalb bis drei Jahre wird er mit den 16 anderen Tieren in der Herde stehen - im Winter auf Callenberg, im Sommer auf den Wiesen des Coburger Landes. Dexter-Rinder werden nämlich zur Landschaftspflege genutzt.

"Irgendwann aber wird der Bulle beim Metzger landen. Bis dahin kann er seine Freiheit genießen", sagt Tristan, der die Tiere seit 2016 züchtet. Als Nachfolger von Dietrich Pax auf dem Gärtnerhof von Callenberg möchte Wolf seine Herde noch vergrößern und irgendwann im eigenen Hofladen auch eigene Rindersteaks verkaufen. "Doch das ist Zukunftsmusik."

Im Gegensatz zu dem kleinen Bullen haben es neugeborene Kühe besser. Sie werden ausschließlich zur Herdenerweiterung und zur Landschaftspflege eingesetzt und dürfen bis an ihr Lebensende in der Herde bleiben.