In zwei Prozessen vor dem Amtsgericht Bamberg mussten sich insgesamt sechs Jugendliche aus dem Landkreis Bamberg für einen gemeinsamen Ausraster auf der letztjährigen Erlanger Bergkirchweih verantworten. Einige aus der Gruppe hatten einen rumänischen Saisonarbeiter angegriffen und leicht verletzt. Bis auf zwei kamen alle mit Auflagen und Weisungen davon.

"Wir hatten einen Kasten Bier und noch was anderes dabei." Bereits auf dem Weg hin zur Bergkirchweih wird ordentlich vorgeglüht. Kein Wunder, dass zwei der jungen Männer schon beim Aufstieg um 16.30 Uhr ein dringendes Bedürfnis verspüren. Kurzerhand verlässt man die Hauptroute und nimmt einen verlassenen Seitenweg. Als das Duo einen Bauzaun beiseite schiebt, um sich dahinter zwischen den Mülltonnen zu erleichtern, werden sie von zwei Mitarbeitern der dort ansässigen Schaustellerfirma angesprochen. Das sei Privatgrund und damit Hausfriedensbruch. Es kommt zum Wortwechsel, bis die Wildpinkler schließlich gehen.

Hier könnte die Geschichte ziemlich unspektakulär zu Ende sein. Ist sie aber nicht. Denn wenige Minuten später kommen die beiden mit ihren Kumpels zurück. Alle sind mit bis zu 1,8 Promille betrunken. Man trifft wieder auf die Mitarbeiterin und ihren rumänischen Kollegen, die eigentlich gerade Fischbrötchen und Bratwürste vorbereiten wollen. Anfangs versucht einer aus der Gruppe noch, die Eskalation zu verhindern. Es gelingt ihm nicht. Erst wird der Saisonarbeiter geschubst, dann seine Kollegin bespuckt, eine tätliche Beleidigung. Ein Faustschlag lässt die Lippe des Rumänen bluten. Weitere Attacken mehrerer Jugendlicher kann das Opfer gemeinschaftlicher Körperverletzung noch abwehren. Bis ihn ein rechter Haken und eine Faust an der Schläfe treffen und er ins Taumeln gerät.

Doch bleibt es nicht bei reiner "Handarbeit". Einer der jungen Männer tritt mehrfach gegen den Oberkörper des Saisonarbeiters. Ein anderer nimmt ordentlich Anlauf und springt "matrixmäßig", die Füße voran, auf die Schausteller. Dabei verletzt er beide an den Oberschenkeln.

Kamera wird zum Verhängnis

Zum Verhängnis wird den Jugendlichen, dass der Vermieter des Geländes eine Überwachungskamera angebracht hat, die das Geschehen am helllichten Tag aufzeichnet. "Es gab wenig Zeugen", erklärte eine Streifenpolizistin. Zudem werden bei einem der Wildpinkler noch am selben Tag und vier Monate später insgesamt drei Ecstasy-Tablette gefunden. "Es ist echt mies gelaufen", so einer der Angeklagten.

Dass es sich um jugendtypisches Fehlverhalten handelt, zeigt ein weiterer Vorfall vom Januar dieses Jahres. Nach einer feuchtfröhlichen Geburtstagsfeier in Hirschaid klauen zwei der Jugendlichen aus der Garderobe der Jahnhalle zuerst einige hochwertige Marken-Jacken im Wert von rund 1800 Euro. Denn draußen ist es kalt. Danach fassen sie den Plan, vom Parkplatz eines nahe gelegenen Supermarktes einen Einkaufswagen zu entwenden. Das Gefährt nutzen sie, um darin einen gestohlenen Pappmachee-Hirsch herumzukutschieren. Der steht normalerweise als Dekoration vor einem Brauerei-Gasthaus. Nun aber landet er, mitsamt dem fahrbaren Untersatz im Main-Donau-Kanal. Das zeigen Filmaufnahmen, die das Duo mit dem Smartphone selbst gemacht hat. Der Sachschaden hält sich mit knapp 220 Euro in Grenzen.

Das Jugendschöffengericht wandte in beiden Verfahren aus erzieherischen Gründen Jugendstrafrecht an. Einen den tretenden Täter verurteilte man zu 13 Monaten Jugendstrafe zur Bewährung. Allerdings inklusive eines früheren Urteils. Ein zweiter Schläger muss ein ganzes Wochenende im Freizeitarrest absitzen. Der dritte Angreifer erhielt eine Geldauflage von 900 Euro und 20 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Die beiden Wildpinkler kamen mit einer Geldauflage von jeweils 300 Euro und 20 Stunden gemeinnütziger Arbeit davon. Ein weiterer Angeklagter begab sich vorab in eine sechsmonatige Drogentherapie und kann bei erfolgreichem Abschluss einen Prozess vermeiden. Allen Jugendlichen mit Ausbildungs- oder Arbeitsplatz wurde verboten, diesen selbstverschuldet zu verlieren. Wer sich nicht daran hält, dem drohen bis zu vier Wochen Ungehorsamsarrest.