Julia Klöckner (CDU) hat die Probleme der Waldbauern verstanden. Das machte die Bundeslandwirtschaftsministerin bei ihrem Besuch im Coburger Land deutlich. Sie erkennt regionale Unterschiede an und ist bereit, die Möglichkeiten ihres Amtes einzusetzen, um etwas für den Wald zu tun und für alle, die von ihm leben. Das versicherte sie.

Letztendlich leben wir alle vom Wald, profitieren von seinem Einfluss auf das Klima, seiner Wirkung als CO2 -Senke und als Sauerstoffproduzent, wir nutzen ihn zur Erholung und Freizeitgestaltung. Doch für Waldbesitzer, Forstarbeiter, Transporteure und Holzverwerter, Möbelhersteller, Papierproduzenten und das Baugewerbe wirkt der Wald direkt auf ihren Broterwerb ein. In einer waldreichen Region wie seinem Wahlkreis Coburg/Kronach sind das besonders viele Menschen, weiß CSU-Bundestagsabgeordneter Hans Michelbach. Daher hatte er die Ministerin eingeladen, vor Ort mit den Waldbauern zu sprechen. Sie solle "die Menschen hören und die Stimmung aufnehmen", so sein Wunsch.

Wald betrifft viele

Es sind nicht wenige Menschen, die mit der Waldwirtschaft zu tun haben. Etwa zwei Millionen Waldbesitzer gibt es bundesweit. Rund 22 000 von ihnen vertritt die Forstwirtschaftliche Vereinigung Oberfranken im Regierungsbezirk. Dabei ist die Struktur sehr unterschiedlich. Es gibt gut 700 Betriebe, deren Waldfläche über 20 Hektar umfasst. Mehr als 11 000 nennen weniger als fünf Hektar Wald ihr Eigen. Sie verdienen besonderes Augenmerk.

"Wir müssen Acht geben, dass der Wald in der Kleinteiligkeit nicht liegen bleibt", betonte Julia Klöckner. Während große Forstbetriebe sich intensiv um ihre Lebensgrundlage bemühen, bestehe die Gefahr, dass vor allem die kleinen Flächen sich selbst überlassen werden. Schadholz wird nicht entfernt, weil der Aufwand nicht annähernd durch den Ertrag gedeckt werden kann. Wo zumindest noch die kranken Bäume gefällt werden, unterbleibt oft die Wiederaufforstung. Pflanzen und Zäune sind teuer. Verbuschung droht.

Forderungen, den Wald auf immer mehr Fläche tatsächlich liegen zu lassen, die Bewirtschaftung einzustellen, erteilt Julia Klöckner eine klare Absage: "Waldstilllegungen zu prämieren, halte ich für völlig falsch." Der Grund liegt auch im Klimaschutz. Wirtschaftswald, der große Bäume hervorbringt, die verarbeitet werden und so auf viele Jahre CO2 binden, gilt als deutlich effizientere CO2 -Senke als ein Naturwald, in dem vor allem Bäume zweiter Ordnung wachsen und Stämme, die fallen, verrotten, um so das gebundene CO2 wieder freizugeben.

Zudem müssten Waldbesitzer Einnahmen generieren, um ihren Wald bewirtschaften zu können. Holz zu produzieren, bedeute auch, nachhaltige Rohstoffe zu erzeugen. Daher möchte Julia Klöckner das Bauen mit Holz fördern. In Gebäuden mit Holzheizung bewähre sich Holz als nachwachsender Energieträger. Nicht zuletzt, so Hans Michelbach, leben rund 1,1 Millionen Beschäftigte von Arbeitsfeldern rund um die Waldwirtschaft.

All das sieht die Ministerin gerade in Gefahr. Dürrejahre haben die Bäume geschwächt und es dem Borkenkäfer leicht gemacht, sich massenhaft zu vermehren und über sie herzufallen. Wolfgang Schultheiß, Vorsitzender der Forstwirtschaftlichen Vereinigung in Oberfranken, nennt die Fichte als Baumart, die es besonders hart getroffen hat. Im Coburger Land macht sie nur noch gut 20 Prozent der Waldbäume aus. Die Kiefer dominiert mit gut 40 Prozent - und hat ebenfalls mit der Dürre und der Hitze ihre Probleme. In den vergangenen beiden Jahren zeigte sich, dass diese Wetterextreme auch der Eiche stark zusetzen und selbst die lange als Baumart der Zukunft gehandelte Buche Probleme bekommt.

Neue Arten erproben

Daher steht für Julia Klöckner fest, dass auch Baumarten eine Chance bekommen sollten, in unsere Wälder einzuziehen, die bisher kaum in unserer Gegend vorkommen. Entsprechende Versuche laufen bereits, etwa mit Baumhasel, der eigentlich in südlicheren Ländern zu Hause ist. Doch einfach ist die Entscheidung nicht, welche Baumart gepflanzt werden soll, wo jetzt große Flächen Waldes geräumt wurden. "Rund 285 000 Hektar Wald müssen in Deutschland wieder aufgeforstet werden", nennt die Ministerin eine Zahl.

Aufforsten nicht einfach

Leichter gesagt als getan, wissen die Waldbauern, die ihre Probleme sogar in einem eigenen kleinen Film zusammengefasst haben. Die Frühjahrspflanzung scheiterte in den letzten beiden Jahren an den folgenden Monaten der Dürre. Im Herbst mögen die Aussichten besser sein - doch für so viele Hektar muss auch das Pflanzgut beschafft werden. Und es sind fleißige Hände nötig, die die Pflanzen in die Erde bringen. Gerade daran fehlt es besonders. Wolfgang Schultheiß fordert daher, Arbeiter aus weniger betroffenen Regionen, wie dem bayerischen Süden, nach Franken zu schicken, damit die Arbeit getan werden kann.

Doch die Beschäftigen müssen auch bezahlt werden. Genau da möchte Julia Klöckner helfen. Insgesamt 1,5 Milliarden Euro sollen in die Rettung der Wälder fließen. Allein aus dem Konjunkturpaket des Bundes sind für Wald und Holz 700 Millionen Euro vorgesehen. "Uns stehen außerdem rund 800 Millionen Euro im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes von Bund und Ländern zur Verfügung", berichtet sie. Etwa acht Millionen Euro darf Oberfranken erwarten, das Coburger Land rund 1,3 Millionen.

Noch im Oktober will Julia Klöckner eine Gesetzesnovelle zum Bundesjagdgesetz ins Kabinett einbringen. Sie ist überzeugt: "Ein erfolgreicher Waldumbau und die Wiederbewaldung der Schadflächen ist nur mit einem angepassten Wildbestand möglich."