95 Jahre alt zu werden, das ist auch heute noch keine Selbstverständlichkeit. Und wenn man dann noch so rüstig ist wie der "August Schorsch", dann ist das einfach einzigartig. Gemeint ist Weilersbachs Dorfältester Georg Dötzer, der nun seinen Geburtstag feierte. Er hat weder ein Hörgerät noch einen Rollator. Sein Aussehen ist blendend.
Der "Schorsch" ist ein Phänomen. Keine Anzeichen von Vergesslichkeit, wenn er aus seinem Leben erzählt. 95 Jahre Jahre liegen zwischen seiner Geburt im Jahr 1921 und 2016. Er erinnert sich an seine Kinder- und Jugendzeit im Elternhaus am "Weißenboch" mit seinen vier Geschwistern, die bereits alle tot sind, an seine Kriegszeit in Stalingrad und Rhodos, an seine glücklichen Heimkehr und natürlich an seine Ehefrau Maria, die er 1952 heiratete. Nach 37 gemeinsamen Jahren starb sie 1989. Noch dem schlimmsten Schicksalsschlag begegnete er mit viel Zuversicht und seinem unerschütterlichen Optimismus.
Doch wie um Himmels willen schaffte er es, so vital und fit zu bleiben? "Ich habe viel gearbeitet, habe den Umgang mit Menschen gesucht und wollte eigentlich nie allein sein", sagt der kontaktfreudige Jubilar, der ein Weilersbacher mit Leib und Seele ist und beruflich beim Wasser-wirtschaftsamt in Bamberg tätig war. "Wenn ich zurückschaue, kann ich es gar nicht begreifen, dass ich in meinem Leben alles so gemeistert habe."
Und das war in der Tat sehr viel. Dötzer war nach dem Krieg maßgeblich beteiligt am Wiederaufbau des politischen und gesellschaftlichen Lebens seines Heimatorts: als Gemeinderat, als Gründer des SV Gloria Weilersbach oder auch als Wegebaumeister im Flurbereinigungsverfahren. 1946 hob er auch die Gruppe "Fränkische Schweiz" mit aus der Taufe. Für all dies dankte ihm jetzt Bürgermeister Gerhard Amon (CSU).
Es kamen erwartungsgemäß nicht wenige zu seinem Geburtstag. Es schien beinahe so, als ob ganz Weilersbach auf den Beinen wäre. "Lasst uns anstoßen, die Feier kann beginnen. Prost!" - so begrüßte Dötzer seine Gäste in der vollen Gaststätte Nagen-gast. Er freute sich darüber, dass so viele gekommen waren. Da waren seine Kinder Irene und Jürgen, Schwiegertochter Sabine sowie drei Enkel und drei Urenkel, Verwandte und Bekannte, fast sämtliche Ortsvereine und manch andere Weggefährten. Musikalisch gratulierte der örtliche Gesangverein.


Rundum zufrieden

Was gefällt dem 95-Jährigen, der im Haus von Sohn Jürgen und Schwiegertochter Sabine liebevoll unterstützt wird, heute noch? Man kann es fast nicht glauben: Zwei- bis dreimal in der Woche geht er zum Stammtisch.
Sonntags geht es vormittags in die Kirche und nachmittags zum Fußball seiner SV. Dort ist er auch Ehrenvorsitzender. Als Bayern-Fan verpasst er außerdem kein Fußballspiel im TV. "Ich brauche einfach eine Betätigung. Wenn auch nicht mehr so große wie früher noch." Das sagt ein rundum zufriedener 95-Jähriger. Für die Zukunft wünscht er sich, "dass es noch so bleiben möge".