Mit einem Urteil am Amtsgericht Bamberg ist für Svenja W. (Name geändert) aus Bamberg eine siebenjährige Leidenszeit zu Ende. So lange hatte sie ihr 36-jähriger Ex-Freund belästigt und bedroht. Nun bekam der Stalker wegen Nachstellung, versuchter Nötigung und Bedrohung eine Bewährungsstrafe von fünf Monaten. Doch dass er etwas falsch gemacht haben könnte, daran verschwendete er bis zuletzt keinen Gedanken.

Polizeischutz bei der Trauung

Es hätte der schönste Tag ihres Lebens werde sollen. Doch Feierlaune kommt bei der standesamtlichen Trauung Ende September 2019 keine auf. Wie auch, wenn acht uniformierte Polizeibeamte das junge Paar bewachen. Dabei sind Svenja W. und ihr Verlobter gar keine Prominenten. Aber sie sind in Gefahr. Denn Svenjas früherer Freund hat die Liebenden bedroht. Wenn man sich das Ja-Wort gebe, werde man das aufs Bitterste bereuen. Die knapp zwei Jahre dauernde Beziehung hat Svenja W. schon vor acht Jahren für beendet erklärt. Eine Entwicklung, mit der sich ihr Ex-Freund nicht abfinden will. "Schon sieben Jahre kann ich nicht leben, weil es mich so sehr belastet, dass die Frau, mit der ich den wichtigsten Moment meines Lebens hatte, bei einem anderen ist. Sieben Jahre schon vegetiere ich vor mich hin, vor Schmerzen gelähmt". Immer wieder belästigt er sie. "Er hat sogar intime Details aus unserer Beziehung an andere weitererzählt". Bis es vor fünf Jahren sogar seiner Mutter zu bunt wird. "Die war auch verzweifelt", so schilderte es Svenja W. im Gerichtssaal. Doch alles Gutzureden hilft nichts.

Selbst als die Polizei ihn im Oktober 2018 als Gefährder an- und ein Kontaktverbot jeglicher Art ausspricht und das Familiengericht Bamberg selbiges noch einmal beschließt, hält das den Stalker nicht ab. Er schreibt weiter munter ellenlange Briefe. "Sie hat nie gesagt, dass sie keine Mails mehr möchte", so seine Begründung. Eine Antwort bekommt er freilich nicht. Auch schickt er Svenja W. ein Paket. Nach seiner Aussage mit ihrer Kleidung. "Es musste Ihnen doch klar sein, dass sie das nicht wollte", so Staatsanwältin Lea Klautke. Schließlich versucht der Ex-Freund sogar, die Hochzeit Svenja Ws. "um jeden Preis" zu verhindern. Indem er ihrem Verlobten, aber auch dessen Eltern und Großeltern, einen unmissverständlichen Drohbrief zukommen lässt. Darin befinden sich nicht nur alte Fotos, die Svenja W und den Stalker als Liebespaar zeigen. Auch die Worte "Ich habe in meinem Leben noch keinem ein Haar gekrümmt, aber ich fühle mich nicht länger an die Gesetze dieser Gesellschaft gebunden". Später wird der Stalker noch deutlicher: "Ich schwöre bei meinem Herzen, ich bringe Dich um, wenn Du sie heiratest und mit ihr zusammenbleibst". Svenja Ws. Verlobter ist entsetzt, nimmt die Drohung ernst und bekommt schließlich den oben erwähnten Polizeischutz.

Noch am Tag der Hochzeit Svenja Ws. wird ihr Ex-Freund aufgegriffen und wegen Fremd- und Eigengefährdung in die Nervenklinik eingewiesen. Es ist nicht der erste Kontakt zu Psychologen und Psychotherapeuten für den Stalker. "Es gab Anzeichen, dass er sich umbringen wollte", so Svenja W. Das Paar, beide 33 Jahre alt, hat immer noch mit den psychischen Folgen der Nachstellungen und Drohungen zu kämpfen. "Irgendwann hat man Angstzustände. Man denkt ständig, man wird verfolgt, beobachtet und ausspioniert". Zumal der Stalker sich unberechtigt und heimlich Zugriff auf ihren E-Mail-Account und ihr Smartphone verschaffen konnte: "Die fachlichen Kenntnisse dafür hat er".

In seinem Urteil orientierte sich Strafrichter Fahr am Antrag der Staatsanwältin Klautke. "Der Angeklagte ist sehr beharrlich vorgegangen und hat Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt. Er ist zudem völlig uneinsichtig und fühlt sich moralisch im Recht", hatte sie argumentiert.

In den nächsten drei Jahren darf der Stalker nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Das gilt auch für das Kontaktverbot, das Strafrichter Fahr ausgesprochen hat. Keine persönlichen Treffen, keine Anrufe, keine Mails oder Chatnachrichten... "Wenn Sie sich zufällig auf der Straße begegnen, dann wechseln Sie die Seite". Und er darf sich auch nicht wieder mit kinderpornografischem Material erwischen lassen. Dafür hatte ihn nämlich das Amtsgericht Erlangen 2019 verurteilt. Sonst muss er die fünf Monate doch noch im Gefängnis absitzen. Zudem hat er eine Geldauflage von 1500 Euro an den Verein für Jugendhilfe Bamberg zu zahlen.