Zum Artikel "Die unterschätzte Gefahr" vom 12.10.: Die unterschätzte Gefahr kommt also wieder mal von links. Offenbar hat der Herr Junginger im Geschichtsunterricht gefehlt. Sonst wüsste er, dass geheimbündlerische rechtsradikale Zusammenrottungen gegen die Republik bereits 1916 von der Quasi-Militärdiktatur Ludendorff-Hindenburg geplant wurden. Rosa, Karl und Leo (Luxemburg, Liebknecht, Jogiches) wurden von rechtsradikalen Freikorps-Angehörigen in enger Abstimmung mit dem Reichwehrminister Noske (SPD) ermordet (Quelle: Günter Nollau, Aufzeichnung eines Gespräches mit Waldemar Papst). Die rechtsradikale "Organisation Consul" hat die Morde an Eisner, Erzberger und Rathenau zu verantworten. Die Rechten haben die erste deutsche Demokratie zerstört und den Zweiten Weltkrieg vom Zaune gebrochen. Dort liegt bis heute die "unterschätzte Gefahr". Ja, man hat in den 50er Jahren (auch) eine rechtsradikale Partei, die SRP, verboten. Die hasserfüllte Vorgehensweise gegen die KPD, das heute zweifelsfrei als ganz erheblich rechtsfehlerhaft beurteilte KPD-Verbot von 1956, das ist aber eine völlige andere Qualität als das halbherzige Vorgehen gegen rechte Extremisten gewesen. Als einziges Land Mitteleuropas konnte sich die BRD keine KP leisten. Sowas ist schon bemerkenswert.

Ja, es gab den "linken" Terror der RAF und des 2. Juni. Geschossen haben aber auch hier zuerst die Polizei (Mord an Benno Ohnesorg) und ein von der "Nationalzeitung" aufgehetzter Rechtsradikaler Bachmann, der Rudi Dutschke ermordet hat (ja, ja, der Tod ließ sich ein paar Jahre noch Zeit nach dem Attentat). Gegen links stand der Staat schon immer Gewehr bei Fuß, und dies ist bis heute unverändert. Auf der anderen Seite der Ermittlungsskandal zum Oktoberfest-Attentat und zum NSU. Es besteht keine Frage, auf welchem Auge Justiz, Verfassungsschutz und Polizei offenbar ein wenig mehr blind sind. Trotzdem schreibt Herr Junginger: "Während es im Kampf gegen rechte Gewalt einen sehr breiten gesellschaftlichen Konsens gibt, fehlt diese Entschlossenheit gegen den Linksextremismus." Das ist dummdreiste Verfälschung der Tatsachen.

Friedrich Hotz

Höchstadt