Karl-Heinz Hofmann Cosimo Sasso kam als Gastarbeiter vor über 50 Jahren aus Italien nach Deutschland. Der Wirtschaftsboom lockte viele Gastarbeiter aus Ländern wie Italien, Spanien, Portugal oder Griechenland nach Deutschland. Ihre Arbeitskraft war gefragt bei deutschen Firmen. So kam auch Cosimo Sasso im jugendlichen Alter von 17 Jahren als Gastarbeiter. Heute schaut der gelernte Schuster auf über 40 Jahre erfolgreiche Selbstständigkeit als Gastronom und Inhaber der Pizzeria "Zur Krone" in Pressig zurück. Darüber hinaus engagiert er sich seit Jahrzehnten in mehreren Vereinen ehrenamtlich. Er ist ein positives Beispiel dafür, wie man sich als junger Mensch in einem fremden Land gut integrieren kann.

Im vergangenen Jahr erlangte er die deutsche Staatsangehörigkeit. Der 68-jährige Gastronom wurde in Deutschland zum erfolgreichen Autodidakt-Pizzabäcker. Schon als Jugendlicher musste er auf eigenen Füßen stehen. Es war ein steiniger Weg, bis er sich eine eigene Existenz aufbauen konnte. Er erlebte nicht nur Höhen, sondern muste auch Tiefen meistern. So wie aktuell in der Corona-Krise.

In diesen Tagen zuckt er mit den Schultern und zweifelt, ob er bei den derzeitigen Auflagen sein Lokal überhaupt öffnen wird. An der Eingangstür hängen Hinweise und Auflagen für die Gäste, die aber auch den Betriebsablauf und die ordentliche Bedienung der Gäste einschränken, sagt er. "Ich denke, da muss man gründlich überlegen, bevor ich dafür Personal und andere Kosten bezahlen muss und mir Verluste einhandele."

Im Jahr 1979 übernahm er den damals leer stehenden Gasthof "Zur Krone" im Zentrum von Pressig. Inzwischen ist der in Canosa di Puglia in der Region Apulien an der Ostküste Süditaliens geborene Cosi im Frankenwald ein Original und auch dank seines vielfältigen ehrenamtlichen Engagements in mehreren Vereinen nicht mehr aus Pressig und dem Frankenwald wegzudenken.

Die Mutter als Lehrmeisterin

Über München und Nürnberg, wo er als 17-Jähriger auf dem Bau, hauptsächlich im Kanalbau, hart anpacken musste, kam er 1970 nach Schney und arbeitete einige Zeit in der Korbwarenindustrie. Den Sprung in die Selbstständigkeit wagte der gelernte Schuhmacher am 9. Mai 1979 mit der Eröffnung der Pizzeria in Pressig. "Das Pizzabacken hatte ich schon bei meiner Mutter gelernt", sagt er schmunzelnd. Weitere Feinheiten, hauptsächlich für in Deutschland beliebte Pizzen, habe er sich in den fast zehn Jahren zuvor an verschiedenen Orten in Deutschland selbst angeeignet. Im Laufe der vergangenen Jahre hat Sasso drei Kochbücher herausgebracht, die aber nicht nur Pizzakreationen enthalten. Und ein viertes Kochbuch sei in der Entwicklung.

Seine Hilfsbereitschaft und sein idealistisches ehrenamtliches Engagement in mehreren Vereinen ließen ihn in Pressig zu einer Institution werden. Obwohl er nie Deutsch in einer Schule gelernt hat, waren Sprachprobleme für ihn keine Barriere. Auch die deutsche Sprache hat er sich ohne fremde Hilfe angeeignet. Was auch dazu führte, dass er verschiedene Akzente spricht und auch viele Pressiger und fränkische Redewendungen in Mundart in seinem Wortschatz enthalten sind. "Ich habe aufgeschnappt, was so geplaudert wurde, und setze dies so um, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Mich verstehen alle", sagt er lachend. Verstanden habe er sowieso alles und so konnte er sich auch immer verständlich machen und ist damit durchgekommen. Am Anfang ging viel mit Bauchgefühl, Gestik und Mimik.

Besonders lagen ihm die Vereine am Herzen. Neben seinen aktiven Zeiten als Fußballer und Basketballer beim FC Pressig engagierte er sich als erfolgreicher Damen- und Jugendtrainer und aktiver Tennisspieler sowie in weiteren Funktionen über 35 Jahre lang beim TC Rothenkirchen. Bis heute ist er jahrzehntelanges treues Mitglied in der CSU Welitsch, bei den Motorradfreunden, bei der Volkstanzgruppe, bei 1860- und Bayern- Fans in Welitsch sowie in Hirschfeld beim Fußballclub und beim FC Bayern-Fanclub.

Neue Projekte

In der für Gastronomen stillen Corona-Zeit widmet sich Cosi einem Gebäude an der Hauptstraße in Pressig, in dem er Wohnungen einrichten will - und vielleicht noch etwas anderes, hält er sich schmunzelnd bedeckt. Er sagt nur: "Lass dich überraschen, schaun mä amoll." Weiter arbeitet er an pikanten Neukreationen verschiedener Pasta- und Pizzavariationen, wofür er sich schließlich einen guten Namen erarbeitete.

Cosi wird Pressig treu bleiben, bekundet er und er will auch weiter in der Aktionsgemeinschaft Markt Pressig an einer attraktiven Marktgemeinde mitarbeiten. Seit Jahren ist er Zweiter Vorsitzender der AGMP und steht, wie auch bei anderen Vereinen, gerne hilfsbereit zu Festen und Feierlichkeiten mal für einige Stunden am Grill. Ob Bratwürste oder Sau am Spieß, er ist stets bewährter Fachmann auch für fränkische Grillspezialitäten und er hilft, wo er gebraucht wird.