Der Landkreis Kulmbach war im vergangenen Jahr besonders gefragt bei Störchen, es gab so viele Brutpaare wie nie zuvor. Das führte sogar zu einer gewissen Wohnungsnot bei Meister Adebar. Umso mehr freut sich Storchenfachmann Erich Schiffelholz von der Kulmbacher Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), dass nun ein neues Quartier für den Weißstorch in der Region geschaffen wird - und zwar auf dem Dach der Rugendorfer St.-Jakob-und-St.-Erhard-Kirche. Nachdem sich im August vergangenen Jahres bereits der Gemeinderat dafür ausgesprochen hatte, für die Störche einen Nistplatz zu suchen, stimmte nun auch der Kirchenvorstand zu.

Entstanden war die Idee für eine Brutmöglichkeit in Rugendorf, nachdem am ersten August-Wochenende vergangenen Jahres sage und schreibe elf Störche auf der Kirche und dem Schloss gesehen worden waren - vermutlich mehrere Elternpaare mit ihrem Nachwuchs. Gemeinsam mit den Experten von LBV und Landratsamt ging man auf die Suche nach einem geeigneten Standort für das Nest. Möglichst weit entfernte Stromleitungen sind dafür ebenso Voraussetzung wie eine stabile Statik für das bis zu einer Tonne schwere Nest und die gute Erreichbarkeit mit einem Hubwagen für den Aufbau. Schloss und Feuerwehrturm schieden daraufhin aus. "Da blieb dann eigentlich nur noch das Kirchendach übrig", sagt Bürgermeister Gerhard Theuer (Pro Rugendorf). Auch wenn die politische Gemeinde das Projekt voll unterstützt, die endgültige Entscheidung lag beim Kirchenvorstand als Hausherren.

Einige hatten Bedenken

Dort stand man den Plänen grundsätzlich positiv gegenüber. Doch ganz ohne Diskussion wurde die Entscheidung nicht getroffen, da von Bürgern Bedenken an manche Gremiumsmitglieder herangetragen worden waren. So ging es unter anderem um die mögliche Verschmutzung durch Vogelkot und herabfallendes Nistmaterial, aber auch um die Frage, ob es im näheren Umfeld überhaupt ausreichend Feuchtgebiete und damit Nahrung gibt.

Pfarrerin Sigrun Wagner ist froh, dass viele Diskussionspunkte mit den zuständigen Experten geklärt werden konnten und letztendlich ein positives Votum gefallen ist. "Ich war von Anfang an total dafür. Das passt ja auch hervorragend in unser Umweltkonzept zur Bewahrung der Schöpfung. Letztlich ist es auch eine theologische Frage", sagt sie. Für die Pfarrerin ergänzt das Storchennest sehr gut die Umwelt-Bemühungen der Kirchengemeinde, die immerhin mit einem ökologischen Lehrfriedhof aufwarten kann und sich außerdem um die Umweltzertifizierung "Grüner Gockel" bemüht.

Ihr Himmelkroner Amtskollege Michael Krug ist in Sachen Störche schon einen Schritt weiter. Auf der Stiftskirche wurde im Zuge der Dachsanierung in den Jahren 2007/2008 in Zusammenarbeit mit dem LBV ein Nestunterbau installiert. In Himmelkron gab es dazu keine kritischen Stimmen, "alle haben sich gefreut", so Pfarrer Krug, der von einer Erfolgsgeschichte spricht. Nachdem der Horst in den ersten Jahren verwaist war, brüten dort seit circa sechs Jahren jeden Frühling aufs Neue Storchenpaare. "Die Anteilnahme daran aus dem Dorf ist riesig", erzählt Krug. Sogar von weiter her kämen Besucher, um das tierische Treiben auf dem Kirchendach zu beobachten. Aufgrund der großen Resonanz wurde sogar eine Webcam installiert, mit der alle Interessierten genau verfolgen können, wieviele Eier ausgebrütet werden, wann die Jungvögel schlüpfen oder ihre ersten Flugversuche unternehmen. Entwarnung kann der Himmelkroner Pfarrer genauso wie die Storchenexperten in Sachen Verschmutzung durch Vogelkot geben. "Das Dach wird durch Regen und Schnee sauber. Nach jedem Winter ist es wieder blitzblank", sagt Krug.

Für Erich Schiffelholz macht es absolut Sinn, Nestangebote wie jetzt in Rugendorf zu schaffen. Damit verhindere man, dass die großen Zugvögel sich womöglich an ungünstigen Orten niederlassen, wie es zum Beispiel in Mainleus der Fall war, als ein Storch von einem Kamin aufs Schuldach umgesiedelt werden musste. Der Bedarf an Nistplätzen sei aufgrund der erhöhten Storchenpopulation auf jeden Fall da. Im vergangenen Jahr zählte man 700 Brutpaare in Bayern - plus Jungvögel. Vielleicht findet ja einer sein neues Zuhause in der Region. "Ich sehe da schon Möglichkeiten für Rugendorf, zumal sie letztes Jahr ja schon mal zur Probe da waren", so Schiffelholz.

Fördermittel von der Regierung

Begleitet und unterstützt wird das Rugendorfer Storchennest-Projekt vom Landratsamt. Biologin Kristina Schröter von der Abteilung Naturschutz hat nach dem "Ja" des Kirchenvorstands entsprechende Fördermittel bei der Regierung von Oberfranken beantragt, damit Kosten und Aufwand für die politische und die Kirchengemeinde so gering wie möglich bleiben. Finanziert wird mit den Geldern, die jetzt bewilligt wurden, der komplette Aufbau des Nests samt Regenrinnen-Schutz und Dachverstärkung für die nötige Statik. Eine Zimmerei wird die Arbeiten so bald wie möglich vornehmen, so Schröter.

Allen ist klar, dass das jetzt schnell gehen muss, denn bereits ab Ende Februar machen sich manche Störche laut Erich Schiffelholz auf Wohnungssuche. Pfarrerin Sigrun Wagner freut sich jedenfalls schon auf potenziellen tierischen Nachwuchs für ihre Gemeinde. "Für mich bedeutet das Hoffnung plus. Ich habe ja immer die Hoffnung, dass die Kirche innen lebendig wird und jetzt vielleicht auch noch oben auf dem Dach", sagt sie. Die Chancen dafür stehen gar nicht mal so schlecht, wurden doch prompt in den vergangenen Tagen bereits Störche über Rugendorf kreisend gesichtet.