Verunsicherung auf ganzer Linie. Der Inzidenzwert in Coburg Stadt und Land hat die 200-Marke längst geknackt. Es gilt der Katastrophenfall und damit eine Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr. Doch was bedeutet das konkret? Muss die befreundete Familie, die am Wochenende zum Essen eingeladen ist, um 21 Uhr wieder daheim in den eigenen vier Wänden sein? Mit einem einfachen Ja ist das zu beantworten, wenn die Familie auch aus Coburg oder dem Landkreis kommt. Was aber, wenn die Familie aus Bamberg kommt oder aus einem Landkreis, der den Grenzwert noch nicht überschritten hat? Ein Anruf bei der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken hilft da nicht weiter. Pressesprecherin Anne Höfer verweist "bei solchen Feinheiten" auf die Internetseite des bayerischen Innenministeriums "Corona Katastrophenschutz". Dort würden viele häufig gestellte Fragen beantwortet. Es sei im Moment alles nicht so ganz klar.

Eine konkrete Antwort auf die Frage findet sich dort auch nicht. Es gibt zwar einen Link zur zehnten bayerischen Infektionsschutzverordnung (siehe Info-Box), doch bei der Erläuterung der Hotspot-Strategie im Katastrophenfall an anderer Stelle ist von der Ausgangssperre gar nicht die Rede. Von Ausgangsbeschränkungen wird erst bei der Überschreitung des Inzidenzwertes von 300 geschrieben.

Keine geplanten Kontrollen

Was sagt der für die öffentliche Sicherheit zuständige Mann im Landratsamt Coburg, Timo Sommerluksch zu dem Fall? Auch er beruft sich auf den ersten Satz in Paragraph 25. Seiner Interpretation nach bezieht sich die Ausgangssperre tatsächlich auf das betroffene Gebiet, das man betritt.

Pressesprecherin Corina Rösler erläutert in verständlichen Worten: "Jeder musst sich daran halten, was in dem Landkreis gilt, in dem man sich aufhält". Konkret bedeutet das: Auch die Freunde dürfen sich nach 21 Uhr nicht mehr außerhalb des Hauses aufhalten. Entweder sie passieren die Landkreisgrenze bis 21 Uhr oder übernachten bei den Freunden. Gezielte Polizeikontrollen wegen der Ausgangssperre wird es nach Auskunft von Anne Höfer nicht geben. "Wir überprüfen im Rahmen des ganz normalen Streifendienstes", sagt die Polizeipressesprecherin. Und es gebe immer noch die Prioritäten. Ein Verkehrsunfall sei wichtiger als der Verdacht auf Verstoß der Maskenpflicht. Außerdem hätte man ein besonderes Augenmerk auf die Plätze und Gassen, wo sich häufig mehrere Menschen gerne treffen.