Mirjam Elsel ist seit gut einem Jahr Pfarrerin in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Hirschaid-Buttenheim. Mit Pfarrer Eckhard Mattke ist sie für die 2700 evangelischen Christen zuständig. Pfarrerin Elsel betreut die Gemeinden Altendorf und Buttenheim und ist verantwortlich für die Konfirmandenarbeit. Für die verheiratete Mutter von zwei Kindern ist es die erste Pfarrstelle.

Frau Elsel, sind sie mittlerweile in "ihrer Gemeinde" angekommen?
Ja. Ich habe viele engagierte Gemeindemitglieder kennengelernt und viel Zuspruch und Unterstützung erfahren. So langsam lerne ich auch die Eigenarten der einzelnen Orte kennen.

Was schätzen Sie an der Arbeit in der Gemeinde?
Es gibt wohl kaum einen vielfältigeren Beruf. Morgens Erstklässler in der Schule unterrichten, nachmittags Menschen beim Abschiednehmen von einem lieben Menschen begleiten, abends mit einem engagierten Team den nächsten Feierabendgottesdienst vorbereiten. Auf der einen Seite habe ich viel mit Menschen zu tun, auf der anderen Seite nehme ich mir auch die Zeit am Schreibtisch, um an einer Predigt zu feilen. Ich erfahre es als ein großes Geschenk Menschen begleiten zu dürfen - bei besonders freudigen Anlässen wie der Geburt eines Kindes, aber gerade auch in sehr schwierigen Zeiten. Besonders viel Freude bereitet mir die Arbeit mit Jugendlichen. Es ist schön zu sehen, wie junge Menschen sich im Laufe der Zeit entwickeln, wie sie ihr Christsein ernst nehmen und sich einbringen. Ich erfahre immer wieder, mit welcher Begeisterung Konfirmandinnen und Konfirmanden bei Gottesdiensten dabei sind, wenn sie sie selber mitgestalten durften.

2017 steht ganz im Zeichen des Reformationsjubiläums. Auf welche Veranstaltungen dürfen wir uns freuen?
Die Vorbereitungen im Dekanat Bamberg laufen auf Hochtouren. Es sind über 100 Veranstaltungen geplant. Höhepunkt wird die Station des Worttransportes am 21. Juli auf dem Maxplatz in Bamberg sein und am Tag darauf ein Dekanatsempfang im Stephanshof. Ab dem Reformationstag am 31. Oktober wird auch in unseren Kirchen das Programmheft ausliegen.
In Buttenheim wird es am 19. März ein Theaterstück mit dem Titel: "Halt's Maul Dokterle" mit Martin Neubauer als Martin Luther geben, auf das ich mich schon sehr freue. Mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden werden wir reformatorische Thesen für unsere Zeit an die Kirchentüren "nageln".

Wie beurteilen sie das ökumenische Miteinander der beiden christlichen Kirchen vor Ort?
Auf unserem Gemeindegebiet liegen fünf katholische Gemeinden. In Hirschaid gibt es seit dem Bestehen des ökumenischen Arbeitskreises eine lange ökumenische Tradition, die vor allem von engagierten Gemeindemitgliedern getragen wird. Fest im Jahreskreis verankert ist der ökumenische Neujahrsgottesdienst, der Gottesdienst am Rathausfest und jetzt seit zwei Jahren der Ökumenische Jugendkreuzweg. Mein Kollege Pfarrer Mattke plant für 2017 schon ein neues Projekt, einen Open-Air-Gottesdienst auf der Friesener Warte.
In Buttenheim gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Gemeindereferenten Hans Zenk. Das ergibt sich schon daraus, dass wir unsere Büros beide in der Hager Villa haben. Die Segnung der Erstklässler und den Kinderbibeltag gestalten wir ökumenisch. Öffentliche Segnungen finden selbstverständlich ökumenisch statt. Mir ist es wichtig, Ökumene nicht immer nur an den jeweiligen Pfarrern festzumachen. Da gibt es in unseren Gemeinden einen großen Austausch unter den Gemeindemitgliedern. Als ehemaliger Katholikin liegt mir die Ökumene natürlich besonders am Herzen. Ich glaube, als Kirchen müssen und dürfen wir in Zukunft noch enger zusammenarbeiten.

Was ärgert den Menschen Mirjam Elsel?
Mich ärgert, wie im Moment über die Flüchtlings- und Asylthematik gesprochen wird. Wie manche glauben, mit Stammtischparolen komplexe Probleme zu lösen. Für viele Krisenherde tragen auch wir Verantwortung. Das Asylrecht ist ein hohes Gut und gilt erst einmal für jeden Menschen. Es gibt viele Menschen bei uns, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren. Ich erlebe aber auch, wie diese oft allein gelassen und angefeindet werden und ihre wichtige Arbeit durch politische Entscheidungen erschwert wird.

Die Fragen stellte
Andrea Spörlein