Die Bahn insgesamt steht Ende des Jahre 2018 heftig in der Kritik: Zu viele Verspätungen, zu viele Mängel in den Zügen, die Infrastruktur dringend sanierungsbedürftig. Dass es nicht eben rund läuft bei der Bahn, war das ganze Jahr in Coburg zu sehen: Drei Fahrstühle zu den Bahnsteigen sollten eingebaut werden, einer eigentlich schon längst in Betrieb sein - doch es dauerte. Der Grund, laut Bahn: Bevor die Aufzüge Fahrgäste befördern dürfen, müssen sie technisch abgenommen sein. Es gibt aber nicht viele Spezialisten für die technische Abnahme, und die haben viel zu tun. Immerhin: Am 17. September war der Aufzug zum Bahnsteig 2/3 endlich in Betrieb, bis Jahresende auch die beiden anderen.

Zuvor hatte sich Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) namens der Stadt an allen möglichen Stellen beschwert. Es ging ja nicht allein um die Aufzüge: Die Stadt richtet auf ihre Kosten einen Parkplatz für die Bahnkunden zwischen den Gleisen und der B4 (Adamistraße) ein. Der kürzeste Weg vom Parkplatz zum Zug führt durch den alten Aufgang zum nicht mehr vorhandenen Gleis 6. Doch die Arbeiten verzögerten sich durch allerlei Anforderungen der Bahn - es sollte sogar ein Oberleitungsmast versetzt werden. Dass die Stadt sich entschieden hatte, den Platz zu befestigen anstatt ihn nur zu schottern, fiel da kaum mehr ins Gewicht - im Frühjahr stand die Baustelle wochenlang still, weil die Bahn erst die Planung für die Treppe genehmigen musste.

Auch, dass die Bahn zusätzliche Züge für das Jahr 2019 in Aussicht stellte, machte sie in Coburg nicht beliebter. Denn mit dem Fahrplanwechsel im Dezember wurde der Nachmittags-ICE nach München gestrichen. In Coburg hält nun der neu eingerichtete ICE Berlin-Wien, und zwar schon um 12.29 Uhr. Dieser Zug fährt ohne Zwischenhalt bis Nürnberg, wo die Fahrgäste in den ICE nach München wechseln können - er steht am selben Bahngleis gegenüber. Laut Fahrplan erreicht man München von Coburg aus so in zwei Stunden und 14 Minuten.

Doch die Umsteigeverbindung stellt auch ein Risiko dar: Was, wenn ein Zug den anderen verpasst? Deshalb wetterten OB Tessmer und IHK-Präsident Friedrich Herdan gemeinsam gegen die Fahrplanänderung.

Immerhin gedenkt die Bahn, Coburg besser zu behandeln, als es der Entwurf für einen integrierten Deutschlandtakt darstellt. Da bliebe Coburg nur ein Halt einer zweistündlichen Schnellzugverbindung zwischen Erfurt und Nürnberg. Für Ende 2019 hat die Bahn schon ein viertes ICE-Paar mit Halt in Coburg angekündigt. sb