Die evangelische Kirche braucht einen Reformprozess. Das betonte am Samstagnachmittag bei der Dekanatssynode Kronach-Ludwigsstadt Referent Norbert Roth.
Der Münchner Pfarrer stellte im Gemeindehaus den neuen Reformprozess "Profil und Konzentration" (PuK) der Landeskirche vor, den die Landessynode der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern bei der Frühjahrstagung in Coburg mit großer Mehrheit angestoßen hatte. Er gestand, dass er die Reaktion und Anregungen für PuK von der Kronacher Dekanatssynode mit nach München nehmen wolle.
Im Gegensatz zu den bisherigen Konzepten will man mit sogenannten "Räumen" arbeiten. Damit sind verschiedene Handlungsspielräume gemeint, die auf bestehende Strukturen aufsetzen. Die Gemeinden sollen die Menschen im Blick haben, die bei ihnen leben. Deren Nöte und Bedürfnisse wahrnehmen, öffentlich machen, für sie da sein. Es soll näher zu den Menschen gehen, aber in Räumen, viel größer gedacht als die bisherigen Gemeinden. Es soll Raum für Experimente und Umgestaltung geschaffen werden. Den Worten Roths zufolge sollen künftig in Gemeinden "Teams" die Arbeit zusammen planen und verantworten. Nicht jede Gemeinde soll parallel alles anbieten, sondern im Verbund strategisch planen, wer für welche Aufgaben am besten geeignet ist. "Ihr kriegt so und soviel Geld und ihr überlegt, wo ihr es einsetzt." Und: "Die Kirche muss sich auch mit der Digitalisierung befassen." Es gehe aber nicht darum, "neue Grenzen" zu ziehen.


Zweigleisig fahren

Der Weißenbrunner Pfarrer Christoph Teille merkte an, dass viele seiner Kirchenmitglieder nicht mit dem Internet umgehen können. Darauf antwortete Roth, dass man in nächster Zeit parallel, also mit Printprodukten und digitalen Medien, fahren müsse, um alle zu erreichen. Der Trend gehe aber hin zu der Nutzung von digitalen Medien.
Roth wies auf die Notwendigkeit von Reformen hin. In diesem Zusammenhang sprach er von der demografischen Entwicklung und schwindenden Kirchenmitgliedern. Als Beispiel nannte er die Landeshauptstadt München. In einer Gemeinde mit 4900 Kirchenmitgliedern gab es vor sechs Jahren 25 Beerdigungen, in diesem Jahr waren es nur drei. Immer weniger wird von den Angehörigen bei Bestattungen die Anwesenheit eines Pfarrers gewünscht. Und: Lediglich 28 Prozent der Neugeborenen werden in München getauft (Anmerkung: Dieser Prozentsatz beinhaltet evangelisch, katholisch, orthodox und Freikirche). Die Kirche müsse sich künftig noch mehr am Menschen orientieren.
Eingangs verlas Dekanin Dorothea Richter einen Bericht über die Arbeit im Dekanatsbezirk Kronach-Ludwigsstadt seit Oktober 2016. So ist unter anderem der Haushalt 2017 im Februar mit 496 028 Euro beschlossen worden. Sie erinnerte an den Fischbacher Pfarrer Reinhard Kube, der im April verstorben ist. "Er war ein geschätzter Seelsorger." Weiterhin erwähnte sie die Pfarrer Friedrich Seegenschmiedt und Albrecht Bischoff, die in den Ruhestand verabschiedet worden sind. Zudem sei der Tettauer Pfarrer Jörg Zech nach Lauscha/Thüringen gewechselt.
In Küps werde Pfarrer Ralph Utz aus Hemhofen die Stellen antreten, sobald das Pfarrhaus renoviert ist, so die Dekanin. In Ludwigsstadt habe Hans-Peter Göll mit einer halben Stelle die Vertretung übernommen. Für Tettau nimmt diese Kristine Wachter wahr. Sie sei auch in Nachfolge von Pfarrer Bischoff die neue stellvertretende Dekanin.
Bezüglich des bevorstehenden Reformationsfestes am 31. Oktober gebe es mehrere Gottesdienste im Dekanatsbezirk. In der Christuskirche in Kronach wird um 10 Uhr mit dem Kronacher Posaunenchor ein zentraler Gottesdienst angeboten. Die Kirchenglocken werden am 31. Oktober um 15.17 Uhr für fünf Minuten läuten - für jedes Jahrhundert eine Minute.


Zwei Busse fahren

Mit zwei Bussen fährt man auch zum Kirchenkreis-Kirchentag "Evangelium feiern" nach Coburg. Abfahrt ist um 11.30 Uhr am Kaulanger in Kronach. Die Rückfahrt ist für 17 und 19.30 Uhr vorgesehen. Um Anmeldung im Dekanat wird gebeten. Sie wies darauf an, dass es bei dieser Veranstaltung im Coburger Kongresshaus von 11.30 bis 17.30 Uhr Stände aller Dekanatsbezirke gibt. Der Stand des Dekanats Kronach-Ludwigsstadt wird Lucas Cranach als Maler der Reformation vorstellen. Sie bat um Meldungen, wer den Stand jeweils für zwei Stunden betreuen möchte.
Es gab auch eine Neuwahl. So ist Kristine Wachter für Pfarrer Albrecht Bischoff in den Dekanatsausschuss nachgerückt. Für Pfarrer Seegenschmiedt wurde ein Nachfolger aus dem ehemaligen Dekanatsbezirk Kronach gebraucht. Hier hat sich der Seibelsdorfer Pfarrer Matthias Rückert bereiterklärt. vs