Sechs Diebstähle und ein Versuch bringen einem 42-jährigen Mann aus dem Landkreis Bamberg zweieinhalb Jahre Gefängnis ein. Das Schöffengericht am Amtsgericht Bamberg sah es als erwiesen an, dass er im Oktober und November 2019 mehrere E-Bikes und Pedelecs aus Kellern und Tiefgaragen in Erlangen, Baiersdorf und Bamberg entwendet hatte.

Es sind nur noch wenige Tage, bis Leopold K. (Name geändert) seine einjährige Haftstrafe antreten muss. Diebstahl und Betrug hat man ihm nachweisen können. Einige Wochen Aufschub hat man ihm aus familiären Gründen zugestanden. Die Zeit hat der Handwerker aber nicht genutzt, um einer geregelten Arbeit nachzugehen. Vielmehr ist er nach Ansicht des Vorsitzenden Richters Matthias Bachmann des Nachts unterwegs, um E-Bikes und Pedelecs zu stehlen. Aus dem Verkaufserlös kann Leopold hernach die monatlichen Raten für eine Geldauflage des Amtsgerichtes Hof bezahlen. Auf Grund einer Insolvenz und mehrerer Prozesse, aber auch wegen der Besuche einiger Spielsalons ist das Geld knapp.

In die Untergeschosse der Mehrfamilienhäuser gelangt Leopold durch die Zufahrten der Sammel-Tiefgaragen. Die Rolltore schließen mit einiger Verzögerung, nachdem die Mieter ihr Domizil verlassen haben. Diesen Moment nutzt er, um ohne Einbruchspuren hineinzugelangen. Einmal im Inneren bleibt Zeit, um sich mit Hilfe einer Flex der Schlösser an den Zweirädern oder den Riegeln an den Kellerabteilen zu widmen. Zumal die Türen im Treppenhaus aus Brandschutzgründen nicht versperrt sein dürfen.

So geschieht es in einem Wohngebiet in Baiersdorf, wo gleich zwei E-Bikes in einer Nacht wegkommen. So geschieht es aber auch in einer Tiefgarage im Erlanger Norden. Seinen kriminellen Schwerpunkt hat Leopold freilich in Bamberg. Hier sucht er gleich drei Mal die Anwesen am Werkkanal auf der Erba-Insel heim. Außerdem vier Gebäude im Birkengraben.

Drei Tage lang müht man sich, all den Indizien nachzugehen, die auf Leopold hindeuten. Der belächelt die Anstrengungen und streitet im Übrigen alles ab. Gibt es doch weder Zeugen, die ihn bei den Diebstählen beobachtet haben, noch Aufzeichnungen von Überwachungskameras. Dafür gibt es einige wenige DNA-Spuren, die auch Verteidiger Alexander Wessel aus Bamberg nicht so leicht wegargumentieren kann. Sie befinden sich an Stellen, die man berührt, wenn man das E-Bike in einen Kleintransporter einlädt.

Die Geschichte, Leopold habe sich das Gefährt nur geliehen, und so sei sein Erbgut an das Zweirad gekommen, will man ihm nicht glauben. Auch seine Erzählung, sein eigener Bruder könnte der Täter gewesen sein, leuchtete dem Schöffengericht nicht ein. Obwohl dieser demnächst auch auf der Anklagebank sitzen wird. Vier Beamte einer eigens eingerichteten Ermittlungskommission hatten mehr als 20 Diebstähle der hochwertigen Gefährte in der Region aufklären können.

Auf Leopolds Smartphone findet man kurz vor und nach den Taten Schnappschüsse baugleicher E-Bikes. Möglicherweise um Online-Kleinanzeigen vorzubereiten. "Das ist schon ein komischer Zufall", so Staatsanwalt Johannes Obenauf, "erst interessiert er sich für die Modelle, und dann verschwinden sie." Zudem weisen die GPS-Standort-Daten darauf hin, dass sich Leopolds Smartphone mehr als eine Stunde in einer Seitenstraße unweit des Tatortes in Baiersdorf befunden hat. Auch einige Chat-Nachrichten weiterer Beschuldigter gehören zu den Indizien. Und eines der gestohlenen E-Bikes, das beim Onkel Leopolds auftaucht. Ein GPS-Sender am Transporter von Leopolds Vater zeigt, dass der Wagen, den Leopold gefahren hat, in der Nähe des Tatortes Erlangen gestanden hat.

Mit der Justiz kam Leopold schon vor fünf Jahren in Berührung. Da hatte er ein florierendes Unternehmen mit einem Dutzend Mitarbeiter, kam aber mit dem Stress nicht zurecht. Er nahm Crystal Meth, um leistungsfähiger zu sein. Das aber war der Anfang vom Ende. Es folgten Versuche, sich mittels Betruges in mehr als 100 Fällen, Urkundenfälschung, Missbrauch von Ausweispapieren, vorsätzlichen Bankrotts und des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsengelt Geld zu beschaffen. Die Ehe ging in die Brüche, das Haus war weg, die Firma futsch. Da Leopold derzeit eine Therapie im Bezirksklinikum Hochstadt am Main durchläuft, wird es mit dem Haftantritt noch einige Monate dauern.