"Wenn man durch Haßfurt geht oder fährt, kommt man unweigerlich auch am ehemaligen Bürgerspital vorbei. Daher sollte man schon etwas darüber wissen", sagt Volker Grumbach. Aus seinem historischen Interesse, aber auch aus seinem Faible für medizinische und soziale Themen hat der ehemalige Chefarzt der Inneren Abteilung des Krankenhauses in Haßfurt nun ein Buch mit dem Titel "Das Bürgerspital zum hl. Geist in Haßfurt - 400 Jahre Spitalordnung Julius Echters" geschrieben.
Viele Jahre hat sich Volker Grumbach mit der Materie befasst und im Stadtarchiv, in dem die Spitalrechnungen aufbewahrt werden, sowie im Diözesan- und Staatsarchiv gestöbert. Das erworbene Wissen hat er auf rund 240 Seiten mit 77 Fotos (fast alle in Farbe) für die Nachwelt festgehalten. Hauptsächlich beschreibt er das Wirken des Spitals, das Julius Echter, Fürstbischof von Würzburg und Herzog in Franken, 1597/98 errichten ließ und das bis zur Eröffnung des Caritas-Altenheims St. Bruno 1984 als Bleibe für alte, schwache, arbeitsunfähige und arme Bürger diente.
Daneben erwähnt der Autor die beiden Vorgängerbauten: ein einfaches Haus, das seit etwa 1434 als Spital diente, und das erste Spital, das in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts beziehungsweise Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet worden war. "Das Besondere ist, dass unter Julius Echter (1573-1617) eine Spitalordnung erlassen wurde, die das Leben im Spital und seine Finanzierung regelte", berichtet Volker Grumbach.


Julius Echter und die Haßfurter

Interessant sei, dass der Fürstbischof die Ratsherren in Haßfurt zu dem Neubau gedrängt, selbst aber keinen Gulden dazu beigetragen habe. "Er sagte: Ihr habt gute Einnahmen aus der Mainmühle, Ihr könnt das Spital bauen. Dahingegen erwiderten die Ratsherren: Wir sind so arm, wir können höchstens 200 Gulden aufwenden", schildert der Autor salopp den Disput.
Doch Julius Echter habe den Bau befohlen, und so hätten die Ratsherren das Korn der Stadt verkaufen müssen und mit den erzielten 1400 Gulden das Spital bauen können. Der Fürstbischof war aber dann doch nicht so: Er steuerte 500 Gulden für die Bildung des Kapitalstocks bei, daneben auch Wein und Holz für den Unterhalt. Die Stadt spendete nochmals 1500 Gulden für den Kapitalstock, und ein Bürger stiftete 500 Gulden. So konnte das Spital Geld an Bürger verleihen und mit den Zinsen, die auf fünf Prozent festgelegt wurden, den Unterhalt bestreiten. Außerdem sorgte ein landwirtschaftlicher Hof, der Spitalhof, für die Pfründner.


Eine soziale Besserung

Volker Grumbach interessierte vor allem, wie die Pfründner, also die Bewohner des Spitals, lebten. "Vor Julius Echter war das Leben im Spital bescheiden, erst danach ging es den Bewohnern erheblich besser."
Eine schlimme Zeit begann mit dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1848), in dem der Spitalhof abbrannte und das Spital selbst unbewohnbar wurde. Nach dem Krieg waren außerdem die Bürger, die Geld vom Spital geliehen hatten, verstorben oder verarmt, und das Kapital verloren.
Nach einem mühsamen Aufbau trat 1787 ein Wendepunkt ein. Damals verbesserte Franz Ludwig von Erthal, Bischof von Würzburg und Bamberg, der in Bamberg das erste moderne Krankenhaus errichtete und eine erste öffentliche Sozialversicherung einführte, die Versorgung der Haßfurter Pfründner. "Sie wurden wieder im Spital bekocht, bekamen gutes Essen, Kleidung, Schuhe, wurden von Arzt oder Bader mit Medizin aus der Apotheke versorgt und erhielten auch ein Begräbnis", berichtet Volker Grumbach. "Das Spital übernahm auch caritative Aufgaben, pflegte Kranke ohne Heimat und gab Almosen an Fremde."
Als Otto von Bismarck 1883 die Krankenversicherung und 1891 die gesetzliche Rentenversicherung einführte, wurde das Spital entlastet. "Allerdings gab es immer wieder Streit darüber, wie viel die Pfründner von ihrer Rente an das Spital abtreten mussten", weiß Grumbach zu berichten. Der Hauptgrund, sich in das Spital zu begeben, war die gesicherte Versorgung. Der Aufenthalt war aber kein Zuckerschlecken, da die Spitalordnung streng war.
Zum Spital, das in den 1980er Jahren vom Bischöflichen Ordinariat Würzburg zum Caritashaus "Julius Echter" umgebaut wurde und einen Anbau erhielt, gehört bis heute die Heilig-Geist-Kapelle. Sie dürfte um 1457 entstanden sein; das genaue Baujahr kann nicht belegt werden.


Eine Kostbarkeit

Der heutige Flügelaltar aus dem Jahr 1480 stammt aus der Stadtpfarrkirche. Er zeigt die Aussendung der Apostel, wohl auch deshalb, weil der Grundstein für die Pfarrkirche am 15. Juli 1390, am sogenannten "Zwölfbotentag", gelegt wurde.
An dem Tag sollen die zwölf Apostel von Jesus ausgesandt worden sein, um die christliche Lehre in die Welt zu tragen. Die Altarflügel sind mit vier Heiligenfiguren bemalt. Aufgeklappt zeigt der Altar, der 1651 in die Heilig-Geist-Kapelle gebracht wurde, ein plastisch dargestelltes "Pfingstwunder" mit zwölf Aposteln und Mutter Gottes in der Mitte. Dies korrespondiert mit dem Namen der Kapelle. Einzigartig ist, dass der Heilige Geist, der als Taube dargestellt ist, das Haßfurter Wappen auf der Brust trägt. Die aufgeklappten Flügel sind vier Kirchenvätern gewidmet.
"Mir hat die Arbeit an dem Buch Spaß gemacht", erzählte Grumbach, dem vor allem die Schlitzohrigkeit von Julius Echter gefällt, mit der er die Haßfurter Ratsherren zum Bau des Spitals "überredet" hat. Übrigens, sagt Grumbach, jährt sich 2017 der Todestag von Echter zum 400. Mal. "Seine Bautätigkeit hat in Haßfurt und anderorts vielen Handwerkern Arbeit und Brot gegeben - Echter sei's gedankt!" Das Buch von Grumbach erscheint in der Schriftenreihe des Historischen Vereins Landkreis Haßberge und wird am Donnerstag, 7. April, um 19 Uhr im kleinen Saal der Stadthalle in Haßfurt präsentiert. Es kann an diesem Abend für 20 Euro (Mitglieder) beziehungsweise für 25 Euro (Nichtmitglieder) erworben werden. Der Eintritt ist frei, für die Umrahmung sorgt das Vokalensemble "Cantabile".