Im Sommer 2019 soll ein Russlanddeutscher in Hallstadt unter Alkohol-Einfluss zahlreiche Straftaten wie Trunkenheit im Verkehr, Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung begangen haben. Nun musste sich der 44-jährige Mann vor dem Landgericht Bamberg verantworten. Zum Auftakt konnte sich der Angeklagte nur an wenig erinnern, den Rest aber gab er zu.

Die Sonne scheint. Bier und Wodka fließen in Strömen. Im Garten wird gegrillt. Schließlich gibt es gleich zwei Geburtstage nachzufeiern. Grigorij Z. (Name geändert) und seine damalige Verlobte sowie ein 59-jähriger Bekannter sitzen zusammen. Irgendwann am späten Nachmittag muss es dann passiert sein. Grigorij Z. und seine bessere Hälfte geraten in Streit. Sie will ihn verlassen, er droht, sie umzubringen. Das jedenfalls nimmt Staatsanwalt Johannes Bartsch an. Es sei zu einigen Fausthieben und einem kurzen Würgen gekommen. Dann habe Grigorij Z. die sieben Jahre jüngere Frau gegen einen Stuhl geschleudert.

Schon daran hat Grigorij Z. vor Gericht keine Erinnerung mehr. Er sei am Tisch eingeschlafen und erst von der Polizeistreife geweckt worden. Daran mögen über drei Promille Blutalkohol ihren Anteil gehabt haben. Die anderen Beteiligten hatten kaum weniger intus.

Griff zum Küchenmesser

Dabei soll Grigorij Z. auch noch zum zwölf Zentimeter langen Küchenmesser gegriffen und seiner Verlobten und dem Bekannten gedroht haben, beide abzustechen. Weil der Bekannte sich in den vorehelichen Disput eingemischt hatte. Möglicherweise vermutete Grigorij Z. sogar ein Verhältnis des arbeitslosen Alkoholikers mit der ebenfalls den Spirituosen nicht abgeneigten Frau. Immerhin hatten beide sich einige Zeit im Gartenhäuschen aufgehalten, offiziell um ein schattiges Nickerchen zu machen.

Immer wieder geschlagen

Die Verlobte hatte vor dem Vorsitzenden Richter Manfred Schmidt kein Interesse daran, Grigorij Z. im Gefängnis zu sehen. "Ich will nicht, dass er bestraft wird." Im gleichen Atemzug erzählte sie freilich auch, wie Grigorij Z. sie immer wieder geschlagen habe. Das habe den Bekannten einmal so in Rage versetzt, dass er Grigorij Z. mit dem Messer mehrfach in den Rücken gestochen habe. "Die Wunden habe ich dann in der Dusche selbst zugenäht." Mit der Polizei habe man nichts zu tun haben wollen. Als die Polizisten im Garten erscheinen, bleibt Grigorij Z. auffällig ruhig. Er lässt sich widerstandslos mitnehmen. Erst als er von der Ausnüchterungszelle ins Klinikum Am Michelsberg gebracht werden soll, wird er laut. Zu seinem Pech versteht einer der fünf Beamten die russischsprachigen Beleidigungen und Drohungen gegen die Uniformierten. Später legt Grigorij Z. mit anschaulichen Drohungen nach. Der Satz "Wenn ich dich wiedersehe, stirbst du" richtet sich gegen die Polizisten vor Ort. Dann aber erreicht die Eskalation mit der Ankündigung, er werde die Frauen, Töchter, Eltern und Großeltern der Polizeibeamten umbringen, eine höhere Stufe. "Wir erleben ja viel, aber so etwas hörst du nicht alle Tage", so einer der Polizisten. Zumal man im selben Ort wohne und sich über den Weg laufen könne.

Sanitäterin angegangen

Selbst die Sanitäterin im Rettungswagen ging Grigorij Z. an. Er werde sie erst umbringen und sie hernach vergewaltigen. Auch deren Eltern und ihre Tochter werde er töten. "Ich bin ein schlimmer Mensch, aber so etwas habe ich nicht gesagt", wehrte sich Grigorij Z. auf der Anklagebank. "Ich bin doch kein krankes Arschloch."

Wie ein Blick ins Vorstrafenregister zeigte, hat Grigorij Z. seit Jahren Probleme mit dem Alkohol. Erstmals fiel er 2011 in Siegburg auf, als er ohne Führerschein, aber mit ordentlich Promille hinter dem Steuer erwischt wurde.

Danach beschäftigte er fünf Jahre lang die Amtsgerichte in Bamberg und Haßfurt mit Beleidigungen, Bedrohungen, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Trunkenheit im Verkehr, Unfallflucht, Gefährdung des Straßenverkehrs, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Sachbeschädigung. Dabei betonte Grigorij Z., dass er erst seit seinem Aufenthalt in Deutschland zur Flasche gegriffen habe.

Der Alkohol-Missbrauch wird bei der Fortsetzung des Prozesses auch noch den psychiatrischen Sachverständigen Dr. Christoph Mattern aus Bayreuth beschäftigen.