Die letzten Monate des vergangenen Jahres stellten einen neuen Wärmerekord auf. Manche Tiere sahen mangels Winter keine Notwendigkeit, das Coburger Land zu verlassen. Jetzt soll der Winter doch noch kommen. Doch das dürfte für die Natur kaum ein Problem werden, sagt der Biologe Frank Reißenweber, der am Landratsamt für Arten- und Biotopschutz zuständig ist.
"Es ist schon sehr ungewöhnlich, dass jetzt im Itzgrund Störche zu beobachten sind", sagt Frank Reißenweber. Aber das Verhalten ist ihm nicht neu. "Wenn das Wetter es zulässt, bringt es natürlich einen großen Vorteil, hier zu bleiben", erklärt er. Die Tiere sparen sich die Gefahren und körperlichen Strapazen einer weiten Reise. Wenn ihre Artgenossen dann im Frühjahr erschöpft hier eintreffen, haben sich die Hiergebliebenen längst die besten Revierplätze gesichert.
Während der Biologe mit dem Fernglas über den Froschgrundsee blickt, zählt er die Arten auf, die er entdeckt, Stockenten sind die häufigsten. Aber darunter sichtet er auch Reiher- und Tafelenten, Zwerg- und Haubentaucher, Grau- und Silberreiher. Ein Kormoran-Paar schwebt auf den See herunter. Der Vogel ist im Landkreis keine Seltenheit, obwohl er hier nicht brütet, wie Frank Reißenweber feststellt.
Auch den Eisvogel haben Ornithologen noch vor wenigen Tagen gesehen. "Für ihn ist es natürlich toll, dass es keine Eisschicht gibt", sagt Reißenweber. Der Eisvogel ist sehr standorttreu. Selbst wenn der Winter hart wird, sucht er nur nach offenen Fließgewässern in der Gegend. Nach Süden ausweichen würde er nicht. Das ist für die meisten anderen Vögel kein Problem. Wird es bei uns zu hart, können Enten, Reiher oder Störche in wenigen Tagen am Rhein sein, wo das Klima in aller Regel milder ist. Eine kleine Sensation für die Ornithologen war die Beobachtung von 13 Singschwänen, die am Froschgrundsee Station gemacht haben.
Eulen suchen zurzeit schon nach einem Partner, etwas früher als sonst. "Es wäre schön, wenn Scheunen ein wenig offen gelassen würden, für die Eulen", sagt Reißenweber. Das extreme Mäusejahr, das Landwirten schon auf ihren Wiesen und Feldern Sorgen bereitet hat, ließ den Nachwuchs bei den Eulen heuer reichlich ausfallen. "Es wäre schön, wenn möglichst viele von den Jungvögeln über den Winter kämen", sagt Reißenweber. Daher der Wunsch nach offenen Scheunen und alten Gemäuern, wo sie Unterschlupf finden können.


Biber haben kein Problem

Abgenagte Bäume zeigen, dass auch der Biber längst am Froschgrundsee wohnt. Auch er profitiert eher vom milden Wetter. Aber kommt Eis, ist er vorbereitet. "Er findet hier immer noch genug Bäume und Büsche, von denen er die Rinde abnagt, und seinen Bau legt er so an, dass er auch bei Eis rein kann", sagt Reißenweber.
Eichhörnchen müssen jetzt keine Winterruhe halten, weil sie noch Nahrung finden. Dafür ist immer noch Zeit, wenn der Winter hart werden sollte. Auch der Dachs muss noch nicht ruhen, kann das aber jederzeit, wenn es sein muss.
Unter dem Strich also kaum Probleme, durch den zweiten milden Winter in Folge. Eine dauerhafte Erwärmung des Klimas will Frank Reißenweber daraus aber noch nicht ableiten. Es könnten auch wieder harte Winter kommen. Was die globale Erwärmung bringen wird, können Meteorologen ohnehin noch schwer einschätzen. Für die Natur wäre ein Wetterchaos das negativste Szenario. "Starke Schwankungen beim Klima wären schlimmer als eine kontinuierliche Erwärmung", meint Reißenweber. Denn an häufige Wechsel können sich die Pflanzen und Tiere schlechter anpassen.