17 Vereine hätten am 3. Oktober in die Ringer-Bundesliga starten sollen. Der Traditionsklub KSV Witten zog sein Team aufgrund einer Corona-Infektion zwei Tage vor Rundenbeginn zurück, neun Vereine, darunter der AC Lichtenfels, verzichteten Ende Juli bereits auf eine Bundesliga-Teilnahme.

Es folgten vor zehn Tagen die Abmeldungen der Wrestling Tigers Rhein/Nahe, des KV 03 Riegelsberg und des ASV 08 Hüttigweiler. Vor einer Woche entschieden sich die Verantwortlichen des AV Germania Markneukirchen doch, die Saison nicht fortzusetzen. Der SV Nackenheim folgte am vergangenen Donnerstag. Damit blieben noch elf Mannschaften in den drei Staffeln übrig. Der Deutsche Ringer-Bund (DRB) bat am Wochenende zu einer Abstimmung über die Saisonfortsetzung. Die Klubverantwortlichen stimmten mit 6:5 für einen kompletten Abbruch. "Nach der Auswertung war klar, dass die Mindestanzahl von acht Vereinen, die man für die Durchführung einer attraktiven Endrunde benötigt, nicht erreicht worden ist", teilte der DRB mit. "Daher wird die Bundesligasaison 2020 nicht fortgesetzt."

"Außerdem haben wir die Problematik diskutiert, welche gesellschaftliche Verantwortung wir haben und welches Bild wir nach außen abgeben", fügte der für die Bundesliga zuständige DRB-Vizepräsident Florian Geiger in der FAZ hinzu.

Durch den Beschluss von Bund und Ländern, im November keine Zuschauer bei Sportveranstaltungen zuzulassen, hätten die Ringervereine bei jedem Kampfabend ein Minus gemacht.

Stäbler "wirklich deprimiert"

Für die Vereine ist dies ein herber Rückschlag. Zu den Leidtragenden gehören neben den Fans sicher auch die Athleten. Der dreimalige Ringer-Weltmeister Frank Stäbler ist "wirklich deprimiert und traurig. Mit Blick auf meine Vorbereitung auf die WM und Olympia ist das eine Katastrophe", sagte der 31-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. "Wer weiß, was das alles für unseren Sport noch für Folgen hat."

Stäbler will Mitte Dezember in Serbien bei der Weltmeisterschaft und im Sommer bei den Olympischen Spielen in Tokio antreten und damit seine Karriere beenden. Nun fehlt im die nötige Wettkampfpraxis. "Positiv an dem Bundesliga-Abbruch ist vielleicht, dass ich meine lädierte Schulter etwas schonen kann", sagte der Schwabe, der in dieser Runde für den ASV Schorndorf nur im Saisonauftaktkampf gegen Nürnberg (3:1-Sieg) auf die Matte ging. "Mehr aber nicht."

Zwei Einsätze für Hannes Wagner

Für die Schorndorfer rang auch der Lichtenfelser Hannes Wagner. Der EM-Bronzemedaillengewinner aus diesem Jahr wurde vom AC Lichtenfels verliehen. Der 25-jährige im Polizeidienst stehende Ringerprofi wollte sich mit den Einsätzen in Schorndorf ebenfalls für die internationalen Aufgaben in Form bringen. Zweimal durfte Wagner in der 86-Kilo-Klasse griechisch-römisch auf die Matte. Beide Male gewann er (7:1 gegen Nürnberg, 5:0 in Hösbach).

Für den Saisonabbruch hat er jedoch Verständnis. "Das war sinnvoll. Es war ja von vornherein schwierig, dass man die Saison durchzieht. Und jetzt im November ohne Zuschauer und ohne Einnahmen für die Vereine nicht mehr machbar", sieht Wagner die Zwänge der Klubs. Sein Heimatverein, der AC Lichtenfels, habe im Nachhinein betrachtet alles richtig gemacht. "Die Befürchtungen haben sich ja bestätigt, als die ersten Mannschaften zurückzogen." Wagners Entschluss, auf Leihbasis für den ASV Schorndorf auf die Matte zu gehen, bezeichnet der Lichtenfelser als positiv. "Ich hätte gerne mehr Kämpfe gemacht. Letztlich konnte ich nur zwei von vier bestreiten. Bei einem war ich angeschlagen und beim anderen war es aus taktischer Sicht mit dem 28-Punkte-System für mich nicht möglich, zu starten", sagt der Profi, der sich nun - wie Stäbler - ohne Wettkampfpraxis auf die WM in Belgrad vorbereitet. Wagners Chancen, für die 82-Kilo-Klasse nominiert zu werden, sind wohl gut.

Wenn er in Belgrad dabei ist, geht es für ihn am 14. und 15. Dezember um die Wurst - sprich Medaillen. Die sechs Wochen bis dahin stehen für den Lichtenfelser zahlreiche Nationalmannschaftslehrgänge bevor. "Wir sind jede Woche unterwegs. Die Vorbereitung wird holprig, aber ich bin guter Dinge, dass ich dabei sein werde."

ACL-Chefin sieht sich bestätigt

Die erste Reaktion von Britta Beier auf den Saisonabbruch lautete: "Gott sei Dank. Das war höchste Eisenbahn, dass die Vereine für den Abbruch stimmten." Die Vorsitzende des AC Lichtenfels begründet dies mit den gestiegenen Infektionszahlen. "Es gab kein Wochenende, an dem nicht mindestens ein Kampf abgesagt werden musste, weil sich ein Ringer, Funktionär oder Betreuer infiziert hatte. Natürlich haben die Vereine mit guten Hygienekonzepten alles versucht. Wir dachten, dass das einige Kampftage gut gehe und schon kurz darüber gehadert, hätten wir doch teilgenommen. Schließlich sind wir froh, dass wir uns frühzeitig für den Bundesligaverzicht entschieden haben, wenn man sich die Quarantäne-Maßnahmen in vielen Mannschaften ansieht."

Der AC Lichtenfels hatte wie zahlreiche andere Klubs Ende Juli entschieden, in diesem Jahr zu verzichten. "Zu diesem Zeitpunkt bestand ja noch ein Wettkampfverbot für Kontaktsportarten. Wir konnten nicht spekulieren, wie es in den nächsten Monaten aussehen könnte, sondern haben die Entscheidung zu dem Zeitpunkt getroffen, wie die Situation war. Alles andere wäre zu risikobehaftet", sagt die Geschäftsfrau Beier, die den Lockdown light für die Vereine als finanziell nicht tragbar bezeichnet. Eine Bundesligateilnahme sei für die Klubs nur mit Zuschauern stemmbar. "Das wäre bei uns genauso gewesen. Deshalb war der Abbruch für alle Beteiligten doch besser so."

Beier blickt jedoch zuversichtlich in die Zukunft. "Ich glaube, dass es im Frühjahr normal weitergeht und die Ringer im Mai, Juni deutsche Meisterschaften ringen können und der AC Lichtenfels im September in die Bundesliga starten kann."

Sorge um den Nachwuchs

Derzeit setze der Verein alles daran, in seinem Jubiläumsjahr eine gute Mannschaft auf die Beine zu stellen. Die einzige Sorge mache ihr derzeit aber die Jugendarbeit. "Seit August, September haben wir mit viel Aufwand in kleinen Gruppen mit der Jugend trainiert. Das ist gut angenommen worden. Jetzt können wir den ganzen November wieder nicht trainieren", hofft die Vorsitzende, dass der Nachwuchs trotzdem bei der Stange bleibt.