Auch mehr als zwei Jahre nach dem verlorenen Weltkrieg stellte das Jahr 1921 große Anforderungen an die Stadt Herzogenaurach. So galt es, den von Architekt Jakob Schmeißner aus Nürnberg vorgelegten Generalbaulinienplan vom Ende des Jahres 1920 umzusetzen. Aufgrund unterschiedlicher Aspekte zog sich das Inkrafttreten allerdings bis 1930 hin.

Schneller ging es dagegen mit einer Anfrage der Baywa. Nach dem Beschluss im Bauausschuss vom 28. November 1921 wurde für das Lagerhaus der Baywa keine öffentliche Straße und lediglich eine Privatstraße zugestanden. Der Steg an der Schuhfabrik wurde verlegt und die Aurach gereinigt.

3000 Ster Brennholz für die Bürger bezog man aus dem Steigerwald (Forstamt Ebrach).

Da die nächtlichen Sicherheitszustände Anlass zur Besorgnis gaben, veranlassten die Verantwortlichen in der Stadt eine Verstärkung des Sicherheitspersonals, es wurden zwei Hilfswachtmeister eingestellt.

Im Jahr 1921 sah sich der Stadtrat gezwungen, "das ehemalige, vollständig unbrauchbar gewordene Kommunbrauhaus in eine rentierliche Gemeindeanstalt aus finanziellen und vermögensrechtlichen Gründen umzuwandeln". In diesem Jahr waren nur noch acht "Braurechtler" übrig geblieben, die erklärten, dass sie "gegen die Errichtung eines (Wannen-)Bades nichts hätten, aber dennoch ihr Braurecht gewahrt haben möchten". Der Einbau des Wannen- und Brausebades im ehemaligen Kommunbrauhaus sah acht Wannen und sechs Brausebäder vor. Das Wasser für das Bad wurde aus dem vorhandenen Brauhausbrunnen mittels einer Motorpumpe gefördert.

Gaswerk wird aufgegeben

Für die Straßenbeleuchtung hatten sich die Stadtväter von Herzogenaurach im Jahr 1904 für die Versorgung mit Gas entschieden. Die Firma Keller & Knappich in Augsburg hatte daraufhin ein Acetylengaswerk am Burgstaller Weg errichtet. Jedoch konnte 1921 das benötigte Karbid für das Gaswerk nicht mehr angekauft werden. Dadurch ergaben sich nur noch wenige Brennstunden abends. Aus diesem Grund wurde das Gaswerk aufgegeben und das Haus mit dem Kessel an die Obst- und Gartenbaugenossenschaft zum Preis von 56 900 Mark käuflich überlassen. Das Haus gehörte dadurch 31 Anteilseignern, deren Anzahl immer gleich blieb. Nur wenn ein Eigner ausschied, konnte jemand nachrücken, dieser Nachrücker stammte meist aus der eigenen Familie. Die Genossenschaftsmitglieder richteten für 16 000 Mark eine Brennerei ein. Das "Brennheisla" konnte auch zur Produktion von Saft genutzt werden. Hier wurden die Äpfel zuerst zerkleinert und dann gepresst. Allerdings musste alles von Hand gemacht werden.

Bedingt durch den Wegfall der Gasversorgung ging man in Herzogenaurach an die Einrichtung des elektrischen Ortsnetzes. Der Stromlieferungsvertrag mit dem Überlandwerk Oberfranken wurde durch den Stadtrat am 14. Juni 1921 überprüft. Die Stromlieferung durch das Überlandwerk Oberfranken startete am 24. September 1921. Eine Aufklärungsversammlung für die Bürger über die Elektrizitätsversorgung wurde am 2. November abgehalten.

Das Hirtenhaus in der Bamberger Straße brannte am 10. September 1921 ab, damals noch mit der alten Hausnummer 130. Es stand dort, wo sich später die Anwesen Bamberger Straße 15 (Eger) und 17 (Welker) erhoben. Im Hirtenhaus war ganz früher auch die Wasenmeisterei. Als Ersatz wurde ein neues Armenhaus mit der späteren Adresse Hirtenbuckstraße 9 errichtet.

Hohe Arbeitslosigkeit

In Herzogenaurach herrschte bedingt durch die Monostruktur der Schuhindustrie hohe Arbeitslosigkeit. Aus diesem Grund genehmigte der Stadtrat zunächst 50 000 Mark für Notstandsarbeiten, die endgültige Höhe sollte bei 1 000 000 Mark liegen. Für den privaten Wohnungsbau stellte die Kommune 114 714 Mark gemeindliche Darlehen, außerdem noch zusätzliche Mittel zur Verfügung.

Es gab auch große Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln, so stieg der Preis für einen Liter Milch auf 2,85 Mark. Aus diesem Grund ersuchte der Stadtrat die Staatsregierung um "sofortige u. rückhaltslose Gegenmaßnahmen" gegen die erhebliche Verteuerung der Lebensmittel. Diese Preissteigerung stellte aber nur den Anfang dar, bis zum Jahr 1923 sollten die Preise in Deutschland, bedingt durch die Inflation, astronomische Höhen erreichen.