Stephan Herbert Fuchs

Die oberfränkischen Landwirte fordern beim Bau der geplanten HGÜ-Erdverkabelung eine Entschädigung für die Zerstörung und notwendige Wiederherstellung ihrer Ackerflächen und zusätzlich eine Pacht auf Dauer. Diese wiederkehrende Leistung soll den Nachteil ausgleichen, dass der Bauer die Erdverkabelung auf seinem Acker mit allen damit verbundenen Einschränkungen dulden muss, sagte der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif bei einem Gespräch mit den CSU-Bundestagsabgeordneten aus Oberfranken.


Belastung für Jahrzehnte

Die geplante Stromtrasse stand im Mittelpunkt des Meinungsaustausches, schließlich seien die Landwirte in ihrem Eigentum stark betroffen, so Greif. Die HGÜ-Leitung (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung) werde landwirtschaftliche Flächen auf Jahrzehnte hinaus belasten. Durch die Erdverkabelung sei jede Bautätigkeit in dem betroffenen Korridor unmöglich, daneben gebe es aber auch viele offene Fragen, beispielsweise ob es überhaupt noch möglich ist, auf den betroffenen Flächen zu pflügen. Greif rechnet mit 30 bis 50 Meter breiten Korridoren, die Leitungen sollen rund zwei Meter tief in die Erde eingegraben werden.
Absolutes Unverständnis besteht bei den Landwirten darüber, dass für die Erdverkabelung auch noch Ausgleichsflächen notwendig werden. "Die Leitung soll doch Öko-Strom vom Norden Deutschlands in den Süden bringen, warum sind dann auch noch Ausgleichsflächen notwendig", so Greif.


"Ausgleichsflächen unsinnig"

Niemand könne verstehen, warum man gutem Land noch einmal gutes Land hinterherträgt, um es zu extensivieren. "Wir fordern deshalb den kompletten Verzicht auf Ausgleichsflächen", sagte der stellvertretende Bayreuther Kreisobmann Harald Galster. Für ein ökologisches Projekt wie die HGÜ-Leitung seien Ausgleichsflächen komplett unsinnig.
Nach den Worten des Hofer Kreisobmanns Hermann Klug wäre der Trassenverlauf entlang der Bundesautobahn A93 ideal, doch die Planer gingen lieber querfeldein durch landwirtschaftliche Flächen, weil hier der geringste Widerstand zu erwarten sei.
Auch Klug sprach sich für wiederkehrende Leistungen als Entschädigung aus. Die Investoren hätten Renditen von sechs Prozent, da könne man die Bauern nicht mit einer einmaligen Zahlung abspeisen. Jeder Frosch habe mehr Rechte als ein Grundbesitzer, schimpfte Harald Peetz, stellvertretender Kreisobmann von Kulmbach aus Himmelkron. Jedes Natura-Gebiet werde bevorzugt, aber bei landwirtschaftlich genutzten Flächen soll jeder Eingriff möglich sein.


Kein Sonderopfer für Landwirte

Für den Bauernverbandsvorschlag einer Art Pacht auf Dauer sprach sich auch der Bayreuther Abgeordnete Hartmut Koschyk aus. Sowohl bei der CSU-Landesgruppe als auch bei der Bayerischen Staatsregierung genieße der Vorschlag große Sympathie, sagte Koschyk. Im Hinblick auf die gesamte Investitionssumme dürften die wiederkehrenden Leistungen ohnehin wenig ins Gewicht fallen. Er forderte außerdem andere Ausgleichsflächenregelungen, als sie beim Straßenbau praktiziert werden, weil ja keine Flächenversiegelung stattfinde.
Es dürfe kein Sonderopfer für die Landwirtschaft geben, forderte der Hofer Abgeordnete Hans Peter Friedrich. Wer ein Windrad auf seinem Grundstück hat, bekomme ja auch eine Entschädigung, also müssten auch die Bauern, die von der Erdverkabelung betroffen sind, entschädigt werden. An dem Gespräch in den Räumen der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth nahmen außerdem die beiden Abgeordneten Silke Launert (Hof/Bayreuth) und Emmi Zeulner (Lichtenfels) teil.