Astrid Lindgrens Bücher stehen in Millionen von Kinderzimmern auf der ganzen Welt in den Regalen, und jeder hat wohl einen ihrer Protagonisten zu seinem persönlichen Helden erklärt – Michel, Madita, Karlsson, Pippi Langstrumpf oder eben Ronja, die Räubertochter. Das Kinder- und Jugendtheater Chapeau Claque verwandelt diesen Sommer die Bamberger Altenburg in die Mattis-Festung und bringt die Geschichte des wilden Räubermädchens auf die Freilichtbühne im Burggraben. „Nachdem wir 2020 eine Pandemie-Zwangspause einlegen mussten, freut es uns um so mehr, dass es dieses Jahr klappt mit unserer Sommerproduktion“, berichtet Heidi Lehnert, die Künstlerische Leiterin des Kindertheaters. Auch die Proben sind bereits in der heißen Phase.

Wer zur Zeit einen Ausflug auf die Altenburg macht, darf sich also nicht wundern, wenn ihm Ausrufe wie „Scher dich zum Donnerdrummel!“ und „Das hättest Du wohl gern, Du Hosenschisser!“ engegenschallen. Der Regisseur der Ronja-Produktion, Andreas Ulich, und das Schauspiel-Ensemble haben viel Spaß beim „Herumräubern“ auf der Naturbühne. Ausstatterin Kathrin Younes hat sich beim Bühnenbild von diversen Spaziergängen durch die fränkischen Wälder inspirieren lassen. Als Schauplatz der Waldszenen bieten nun mehrere massive Baumstämme eine traumhafte naturverbundene Kulisse. Perfekt für Frühlingsschrei und Wolfsgeheul. Ein Stückchen kindliche Unbefangenheit in einer komplizierten Erwachsenenwelt.

Schauspielerin Astrid Haas, die die Titelrolle übernimmt, gefällt die Wildheit der Ronja natürlich, aber sie schätzt auch die Durchsetzungskraft der Figur. Räubertochter und Räubersohn entscheiden sich beide gegen das gewalttätige und schmarotzerhafte Räuberleben ihrer Eltern. Sie hinterfragen althergebrachte Traditionen und brechen überholte Spielregeln. „Wir können die Welt nicht retten, indem wir uns an die Spielregeln halten. Die Regeln müssen sich ändern, alles muss sich ändern, und zwar heute“, sagte die Umweltaktivistin Greta Thunberg . Eine Aussage wohl durchaus ganz im Sinne von Lindgrens Ronja. Die Autorin selbst war nicht nur eine der ersten Frauen im Journalistenberuf in den 1920er Jahren und obendrein alleinerziehende junge Mutter . In ihren Werken wollte sie vor allem eines: das uneingeschränkte Engagement für die freie Entfaltung und die eigene Welt der Kinder .

„Die Kinder haben so viele Einschränkungen mittragen müssen im letzten Jahr – da ist so ein Theatererlebnis endlich wieder bitter nötig“, findet Regisseur Ulich in der Pressemitteilung. Und Birk, der Räubersohn im Theaterstück stimmt ihm zu: „Jetzt ist Sommer - und nichts soll uns den verderben!“ red