Andreas Scheuerer Lange war es ruhig im Haus von Manfred Riegler im Höchstadter Kieferndorfer Weg. Seit 1980 wohnt der 63-jährige Bankangestellte in dem orangenfarbenen Haus am östlichen Stadtrand. Straßenlärm drang selten auf sein Grundstück vor. Auf der Rückseite des Gebäudes wachsen Goldzypressen und Thujen im Garten, ein Brunnen plätschert leise vor sich hin. "Am lautesten", sagt Riegler, "war hier mal das Vogelzwitschern im Frühling."

Doch damit ist es nun vorbei. Denn seit einem halben Jahr bestimmt das starke Verkehrsaufkommen im Kieferndorfer Weg die Ruheoase des Bankangestellten. "Es ist unerträglich geworden", sagt Riegler. PKW, Busse, Lieferverkehr und Lastfahrzeuge befahren die sich ohnehin im schlechten Zustand befindende Straße. Morgens und abends sei "besonders viel Action."

Grund für das gestiegene Verkehrsaufkommen ist laut Riegler das vor zwei Jahren gebaute Aischpark-Center. Neben Eisstadion und Schwimmbad habe der Bau des Einkaufszentrums erheblich zum Durchgangsverkehr beigetragen. Angeliefert werde meist in den Morgenstunden, eingekauft ebenso. Wenn dann noch der Arbeiterverkehr hinzukommt, sei der Lärm besonders belastend, sagt Riegler.

Wohngebiet nicht geeignet

Dass der Verkehr durch den Kieferndorfer Weg geschleust wird, könne Riegler nicht verstehen. Schließlich handle es sich um ein dicht besiedeltes Wohngebiet, das nicht für eine solche Verkehrslast ausgelegt ist. Die Große Bauerngasse dagegen, die größtenteils durch das Gewerbegebiet führt und parallel zum Kieferndorfer Weg verläuft, ist laut Riegler wesentlich besser geeignet. Da der Zugang zum Aischparkcenter über die Große Bauerngasse für Lastwagen über 7,5 Tonnen nicht zugelassen ist, stehe das für die Lieferunternehmen aber nicht zur Debatte. Nicht ortskundige Autofahrer würden zudem durch ein Schild in der Ortsmitte über den Kieferndorfer Weg zum Aischparkcenter geleitet, kritisiert Riegler.

Im Verkehrsgutachten, das die Stadt beim Bau des Einkaufszentrums in einer langen Planungsphase anfertigen ließ, sei das Problem nicht erwähnt worden, sagt der Zweite Bürgermeister Günter Schulz (SPD). In den Verkehrszählungen sei der errechnete Durchgangsverkehr "im Rahmen gewesen". Das gestiegenen Verkehrsaufkommen überrascht Schulz nicht, schließlich sei die Stadt daran interessiert, dass das Aischpark-Center viele Besucher hat. Gegner des Einkaufszentrums habe es immer gegeben, die meisten Bürger hätte das Vorhaben dennoch befürwortet, sagt Schulz. "Wenn ein Stadt wächst, wächst auch das Gewerbe." Das bedeute automatische auch ein höheres Verkehrsaufkommen. Über die Beschwerde sei Schulz überrascht. Für Gespräche stehe die Stadt dennoch zur Verfügung.

Flüsterasphalt als Alternative

Vor kurzem hat sich Manfred Riegler eine Stunde Zeit genommen, um seine eigene Verkehrszählung anzustellen. Innerhalb einer Stunde seien 301 Autos durch den Kieferdorfer Weg gefahren. Über den Tag verteilt ergäbe das ein Aufkommen von gut 3500 Autos. "Das ist einfach nicht mehr zu ertragen."

Riegler möchte das Gespräch mit der Stadt suchen. Eine Verkehrsberuhigung ist für den Bankangestellten nur teilweise eine Lösung, schließlich halte sich schon jetzt kaum jemand an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Stundenkilometer. Ein Flüsterasphalt wäre sinnvoll. Dann, hofft Riegler, werde es wieder ruhiger in seinem Haus am Kieferndorfer Weg.