Hochwasserschutz, Aufenthaltsqualität und Schulgelände: Gleich um mehrere Großprojekte ging es in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Kemmern.

Was die Verbesserung des Hochwasserschutzes angeht, könnten die Arbeiten bereits im kommenden Jahr beginnen. Im November 2016 waren im Gemeinderat erstmals entsprechende Pläne vorgestellt worden. Bernhard Vogt vom Ingenieurbüro Dr. Blasy/Dr. Øverland ging nun noch einmal die verschiedenen Abschnitte durch. In vielen Bereichen erfolgt die Deicherhöhung durch den Einbau einer Beton- oder tief gründenden Spundwand. Die Betonwand soll anschließend sandgestrahlt werden, damit sie optisch ansprechend wirkt. "Der Deich selbst wird an den betreffenden Stellen nicht höher, dennoch ergibt sich eine wesentliche Verbesserung, die Gefahr der Überspülung wird stark reduziert", erklärte Vogt.

Zukunftsziel Radweg

Zu beschließen hatte das Gremium über zwei Einzelprojekte. Einstimmig sprach es sich für eine Erneuerung des Wellstahldurchlasses unter der Hallstadter Straße aus, langfristig soll hier auch ein Radweg geschaffen werden. Kosten für die Gemeinde: rund 60 000 Euro. Keine Einwände gab es ferner gegen die Weiterführung der Asphaltierung des Auwegs bis zum Hochwasserdamm. Für die 13 Meter fallen Mehrkosten von 19 000 Euro an.

Auf Nachfrage von Helmut Wild (Zukunft für Kemmern) bezifferte Johanna Klocke vom Wasserwirtschaftsamt Kronach die Gesamtkosten der Hochwassermaßnahme auf rund 8,6 Millionen Euro. Der Unterhalt der Dämme durch die Gemeinde werde gegengerechnet.

Architekt Karl-Heinz Rösch präsentierte die Entwurfsplanung für die weitere Ortskernsanierung in der Verlängerung der Straße Am Bächlein. Hier soll ein Aussichtspunkt erstellt werden, der Dammweg weitet sich dazu zu einer Plattform auf. "Wichtig ist, dass hier nicht nur eine technische Lösung für den Hochwasserschutz vorgenommen, sondern gleichzeitig die Aufenthaltsqualität verbessert wird", meinte Rösch. Er ging auf die verschiedenen geplanten Elemente ein. Dazu gehört eine gebogene Wand, die den Aussichtspunkt zur darunter liegenden Festwiese abgrenzt. Bäume, Sitzgelegenheiten, Beleuchtung und eventuell auch ein Kunstwerk könnten das Bild abrunden. Über den Dammweg werde die Plattform zudem barrierefrei erreichbar sein. Zur Festwiese führe eine Rampe, neu errichtet werde eine Treppenanlage mit teilweise breiten Sitzstufen. Bei den Kosten gab Rösch 94 000 Euro an. Auch diese Planung wurde einstimmig beschlossen.

Kontrovers ging es dagegen bei der Frage der Neugestaltung des Schulsportgeländes und der Pausenhofflächen der Grundschule zu. Rösch erklärte, dass in diesem Bereich sieben Projekte eingebunden seien: die Planstraße A zur Erschließung, die Planstraße B zwischen den Gebäuden, die Schulsportanlage, die Pausenhöfe, der Neubau der Kindertagesstätte, der Neubau eines Seniorenzentrums und die energetische Sanierung der Schulturnhalle. Zudem müsse der für den Schulsport genutzte Allwetterplatz, auf dem das Seniorenheim entstehen soll, verlagert werden. Im Pausenhof soll der zentrale Punkt eine runde Sitzfläche unter einem Baum werden. Axel Bubholz von der Planungsgruppe Strunz ergänzte die Informationen mit ersten Ideen zu Bepflanzung und Materialwahl.

Für die neue Schulsportanlage rechnete Rösch mit Kosten von 323 000 Euro, für den Pausenhof kämen weitere 391 000 Euro hinzu.

Oliver Dorsch (Grüne) fragte nach, ob die Gemeinde hier nicht den zweiten Schritt vor dem ersten mache. Noch sei nicht klar, ob die Senioreneinrichtung überhaupt gebaut werde - von der Arbeiterwohlfahrt gäbe es hierzu keine neuen Informationen. Helmut Wild sah das ähnlich: "Was würde es kosten, wenn wir die Schulsportflächen an Ort und Stelle sanieren und nicht verlagern müssten?" Bürgermeister Rüdiger Gerst wies darauf hin, dass die Projekte allesamt aufeinander abgestimmt seien. Die Planstraße A werde demnächst errichtet und diene auch als Anbindung für die Container, in denen die Kinder aus der zu sanierenden Kindertagesstätte St. Maria untergebracht werden sollen. Die Kubatur des Gebäudes für ein Seniorenzentrum sei zudem durch einen Bebauungsplan festgelegt. "Auch wenn die Senioreneinrichtung nicht sofort umgesetzt werden kann, benötigen wir eine solche langfristig. Wir sollten daher keinen Schritt rückwärts machen." Wenn man die Schulsportanlage nun doch nicht im geplanten Bereich errichten würde, "wäre der Bebauungsplan nichtig und für die Tonne".

Harald Dorsch (CSU) stellte daraufhin einen Antrag auf Ende der Debatte, der mit acht zu fünf Stimmen angenommen wurde. Ein Gegenantrag von Helmut Wild auf Vertagung wurde mit vier zu neun Stimmen abgelehnt. Die Entwurfsplanung selbst fand dann mit zwölf zu einer Stimme eine deutliche Mehrheit. Nun wird die Gemeindeverwaltung bei der Regierung von Oberfranken einen Fördermittelantrag stellen - für die Schulsportanlage sei eine Förderung absehbar, für den Pausenhof sehe es eher schlecht aus, so Rösch.

Infos zur Online-Petition

Abschließend ging Gerst auf eine Online-Petition für einen Bürgerantrag "Wirtschaftswege-Überführungsbrücke Kemmern" ein. Die Brücke befinde sich noch in der Baulast der Bahn, eine Abnahme erfolge nur bei einwandfreiem Zustand. Geeignet sei die Brücke für landwirtschaftliche Fahrzeuge und für Laster. Kosten für Instandhaltung oder Sanierungen seien bisher nicht angefallen. Auch würden für spätere Sanierungen keine Rücklagen gebildet.