Mehrere Jahre lang stand dem SV Zapfendorf nur der eigentliche Trainingsplatz zur Verfügung. Das Hauptspielfeld war der ICE-Baustelle beziehungsweise dem Bau der Bahnüberführung Zapfendorf-Nord zum Opfer gefallen. Nun war es endlich so weit: Das neue Kunstrasenspielfeld wurde seiner Bestimmung übergeben. Sportvereinsvorstand Helmut Hohmann bezeichnete die Anlage als eine der schönsten im Landkreis. Das hatte aber seinen Preis ...

600 000 Euro. In einer Sitzung des Zapfendorfer Marktgemeinderats im Dezember 2016 wurde ein erstes Angebot für den Bau eines Kunstrasenplatzes verlesen, ein vergleichbares klassisches Rasenfeld wurde mit 350 000 Euro angegeben. Klar wurde schon damals: Ein Kunstrasen hat aber zahlreiche Vorteile - sowohl bezüglich der Pflege als auch der Bespielbarkeit. Denn eine Nutzung ist rund ums Jahr möglich, Rasen braucht auch mal eine Pause. Im darauffolgenden Januar fiel dann die endgültige Entscheidung für den Bau des Platzes - eingebettet werden sollte er in einen Sportpark. Der Wunsch, dass sich am Sportplatz etwas tun muss, ist aber schon älter. Bereits 2011 stellte der Sportverein einen Antrag auf Umgestaltung, die beauftragten Landschaftsarchitekten wurden 2014 ins Boot geholt.

Fast drei Jahre nach dem Gemeinderatsbeschluss und zehn Monate nach dem Spatenstich fand nun die Einweihung statt. Die Pfarrer Kurian Chackupurackal und Kornelius Holmer gaben dem Platz auch den kirchlichen Segen. Letzterer hatte auch einen besonderen Wunsch: Noch nie habe er eine Gemeinde betreut, aus der ein Nationalspieler kam. Das wäre doch mal was für Zapfendorf ...

Helmut Hohmann, Erster Vorsitzender des Sportvereins Zapfendorf, freute sich über den Abschluss des Baus, der den Fußballern, insbesondere den Kindern und Jugendlichen, endlich wieder ausreichend Spielmöglichkeiten gewähre. Denn bisher mussten die Nachwuchsmannschaften in Umlandgemeinden trainieren. Die Grüße des Landkreises überbrachte der stellvertretende Landrat Bruno Kellner.

SV Zapfendorf wurde 100

Bürgermeister Michael Senger ließ in seinem Grußwort die letzten Jahre noch einmal Revue passieren - von den ersten Anregungen für den Bau eines neuen Platzes über die Beschlüsse im Gemeinderat bis hin zur Ausführung. Gekostet habe der Platz mit Umgriff am Ende rund 1,2 Millionen Euro. Für das Umfeld habe man sich schlussendlich auf eine kleinere Lösung geeinigt, um die Kosten zu deckeln. Eine Förderung bekommt der Markt Zapfendorf dadurch, dass der Platz auch als Schulsportanlage dient. Und von der Bahn wird noch eine Entschädigung für den Verlust des alten Spielfeldes erwartet. Wann allerdings, ist unbekannt.

Ein kleiner Wermutstropfen: Der SV Zapfendorf wurde dieses Jahr 100 Jahre alt. Feierlichkeiten, auch der eigentlich auf den Herbst verschobene Festkommers, konnten beziehungsweise können nicht stattfinden, wie Hohmann verriet. Das erste Spiel auf dem Platz gehörte dann einer Auswahl der "Alten Herren" des SV Zapfendorf, die gegen das Team "Markt Zapfendorf" antrat, bestehend aus Gemeindemitarbeitern sowie (ehemaligen) Gemeinderatsmitgliedern. Mit neun zu eins setze sich die SV-Auswahl deutlich durch, für den Ehrentreffer der Gemeindemannschaft war Geschäftsleiter Markus Müller-Hoehne verantwortlich.

Übrigens: Nachdem in jüngster Zeit Diskussionen über die Einspülung von Mikroplastik aus Kunstrasenplätzen ins Abwassernetz aufkamen - auf den meisten Plätzen kommt ein Plastikgranulat als Füllmaterial zum Einsatz - hatte sich der Gemeinderat rechtzeitig für eine Alternative entschieden. In Zapfendorf wird daher Korkgranulat verwendet. Johannes Michel