W enn der Diskussionsabend am Dienstag in Kirchlauter etwas gezeigt hat, dann dies: Es braucht keine Experten von irgendwo her, um den Problemfall auf dem Tonberg zu beschreiben. Nicht das europäische Stromnetz und nicht die Bundesgesetzgebung werden von den Haßbergen aus beeinflusst. Es geht schlicht um gut nachbarschaftliche Beziehungen. Es geht um den in Bayern bislang einzigartigen Fall, dass ein "Leuchtturm-Projekt" vor die Nase des Nachbarn gesetzt wird, ohne dass der darauf entscheidend Einfluss nehmen kann.
Freilich liegt es in der Natur der Sache, Unangenehmes weit von sich zu schieben. Der Misthaufen steht fast in jedem Garten in der hintersten Ecke (näher beim Nachbarn) und auch die Schweinfurter mochten kein Atomkraftwerk, schauten danach aber neidisch nach Grafenrheinfeld, wo die Gewerbesteuer-Einnahmen Jahrzehnte lang goldene Wasserhähne möglich gemacht haben.
Doch vier Windräder haben weder die Leistung noch die Bedeutung, so einen Nachbarschaftskonflikt heraufzubeschwören, der letztlich vor dem Kadi landen müsste, um diesen bislang einzigartigen Streitfall zu entscheiden. Das lässt sich vermeiden. Die Gemeinden Ebern, wie auch Untermerzbach und Pfarrweisach, können sehr wohl ihre Anträge auf Herausnahme der ausgeguckten Standorte aus dem Naturpark zurückziehen. Ein Mehrheitsbeschluss und ein Brief, die Sache ist erledigt. Oder der Kreistag lehnt diese Herausnahme mit Mehrheit ab. 31 Gegenstimmen reichen.
Der Rentweinsdorfer Kurt Weißheimer (Überparteiliche Wählergemeinschaft) brachte es auf den Punkt: Man kann nicht auf der einen Seite Gemeinde-Allianzen schmieden und propagieren und auf der anderen Seite die Mehrheit der Bevölkerung eines Partners gegen sich aufbringen. Und genauso wenig vertragen sich Burgenwinkel-Aktivitäten mit Monster-Windmühlen, wie es der frühere Pfarrweisacher Bürgermeister Hermann Martin (ULB) als einziger im Pfarrweisacher Gemeinderat gleich erkannt hatte und konsequenterweise die Lichtensteiner Räder ablehnte. Die Gastwirte der Region zogen nun mit ungewohnt einheitlichem Schulterschluss nach.
Die heimlich, still und leise zu Beginn des Jahres aus den Schubladen geholten Pläne sollten nicht nur wieder darin verschwinden, sondern im Shredder landen. Gegen die Menschen vor Ort dürfen solche Projekte nicht verwirklicht werden. Das dürfte auch Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) klar geworden sein, zumal sich auch in den nähest gelegenen Stadtteilen Eichelberg und Reutersbrunn großer Widerstand breitmacht.
Hennemann selbst lieferte ein Stichwort: An die Windräder auf dem Bretzenstein haben sich die Eberner längst gewöhnt. Vor 18 Jahren wurde das erste - damals auch im Naturpark - gebaut, es wirft üppige Renditen ab. Warum also stellt man dort nicht weitere Windräder auf? Die Infrastruktur ist vorhanden, Wind augenscheinlich auch. Ob sie gleich 230 Meter hoch sein müssen?
Zurück zu Kurt Weißheimer. Er nahm Hennemann dessen Überzeugung und Aussage ab, dass er Windräder auch auf dem Stein- oder Losberg bauen würde, der Tonberg aber besser geeignet sei. Der Kompromiss liegt auf dem Bretzenstein.
Und Landrat Wilhelm Schneider (CSU)? Natürlich hätte bei einer Versammlung der Eberner Bürgerwald-Körperschaft, die auf 80 000 Euro Pachteinnahmen im Jahr hofft, eine andere Stimmung geherrscht als am Dienstag in Kirchlauter, wo sich ausschließlich Kritiker versammelt hatten. Aber Schneider hat genug politisches Fingerspitzengefühl, um Strömungen zu erkennen und einzuschätzen. Beim EBN-Kennzeichen hat sich das gezeigt. Eine Politikerin aus der CSU-Kreistagsfraktion, Birgit Finzel, die im Untermerzbacher Gemeinderat noch für die Windräder gestimmt hat, ist umgeschwenkt. Weitere werden folgen.
Und Wilhelm Schneiders Partner und CSU-Kreisvorsitzender Steffen Vogel hat nicht nur die Männerfreundschaft einer Belastungsprobe unterzogen, sondern seine Ablehnung unmissverständlich formuliert. Dieser Stresstest lässt nur ein Ergebnis zu: Beendet die Planungen auf dem Tonberg und dem Zeilbergrücken. Überlegt neu - und transparent!