Das Mönchshof-Bräuhaus war wieder Schauplatz der Oberfränkischen Braugerstenschau. Bei insgesamt eingesandten 118 Mustern holte sich Maxi Küspert aus Wunsiedel mit der Höchstzahl von 25 erzielbaren Punkten für die Sorte Avalon den ersten Preis im Regierungsbezirk. Auf den zweiten Rang kam Roland Kolb aus Wonsees-Großenhül (Avalon, 24 Punkte) vor Tina Küspert aus Wunsiedel (Solist, 24 Punkte) ein. Die Preise überreichten die beiden Vorsitzenden des Braugerstenvereins, Hans Pezold und Martin Schöffel, zusammen mit dem 3. Kulmbacher Bürgermeister Frank Wilzok und Landwirtschaftsoberrat Friedrich Ernst vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth.

Friedrich Ernst vermeldete in seiner Schaukritik, dass die diesjährigen Niederschläge während der Vegetation oft sehr kleinräumig und unterschiedlich ausgefallen sind. Dennoch litten die Hauptanbaugebiete der Braugerste wie Mittelgebirgslagen und Jura meist weniger unter der Trockenheit als auf den fränkischen Platten im westlichen Oberfranken. Insgesamt fehlten im Durchschnitt der Monate Mai bis Juli mindestens 50 Prozent und je nach Standort auch über 70 Prozent der Niederschläge des langjährigen Durchschnitts.

Die Ernte erfolgte rasch von Mitte Juli bis Anfang August. Der Sommergerstenertrag betrug 51,8 Doppelzentner pro Hektar (zwei Prozent höher als 2017) bei einem durchschnittlichen Eiweißgehalt von 10,4 Prozent. Die oberfränkische Anbaufläche stieg um 8,8 Prozent (plus 2693 Hektar) auf 33 121 Hektar (Vorjahr 30 428 Hektar). Bei einem geschätzten Braugerstenanteil von 75 Prozent ergebe sich im Regierungsbezirk Oberfranken ein Braugerstenaufkommen von 128 500 Tonnen, das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den Braugerstenmustern nimmt die Sorte Solist mit 66 Prozent den ersten Platz ein, gefolgt von Catamaran und RGT Avalon. Bayernweit hat Solist die Sorte Grace überholt.

Der Vorsitzende des Oberfränkischen Braugerstenvereins, Hans Pezold, aus Marktleugast-Steinbach freute sich über ein volles Haus. Da das Wetter im Herbst 2017 weiterhin viel zu nass war, konnte davon ausgegangen werden, dass sich die Sommergerstenfläche im Frühjahr 2018 erheblich vergrößert. Es wurden angemessene Vorvertragspreise geboten und von der Landwirtschaft im nicht unwesentlichen Rahmen Verträge abgeschlossen. "Das Jahr 2018 war kein normales Jahr, es gab neue Hitzerekorde und auch einen neuen Rekord an Sommertagen." Der Niederschlag blieb aus, abgesehen von sehr vereinzelten, sehr regionalen und dafür umso heftigeren Unwettern. Die Grünlandflächen verbrannten regelrecht und die Getreidebestände brachen zusammen.

Zur Braugerstenernte zeigte sich dann das Bild für Oberfranken zweigeteilt. In den Landkreisen Hof, Wunsiedel und im Kulmbacher Oberland kamen die geringen Niederschläge scheinbar immer genau richtig, und es gab eine fast normale Ernte mit ausgezeichneten Qualitätseigenschaften. Dagegen sind auf den Böden des Kulmbacher Unterlandes im Jura sowie im südlichen und westlichen Oberfranken massive Ernteeinbußen eingetreten. Die Ernteergebnisse lagen teilweise unter denen von 1976, und erschwerend kam der sich höher einstellende Rohproteingehalt hinzu. Also doppelt schlecht!

Der stellvertretende Kulmbacher Landrat Jörg Kunstmann sah im Oberfränkischen Braugerstenverein eine wichtige Komponente und der Landkreis stehe an seiner Seite. Kunstmann betonte zudem, dass der Landkreis und die Stadt Kulmbach einen engen Zusammenhalt mit der Land- und Bierwirtschaft haben. Er richtete die Bitte an die Erzeuger, Weiterverarbeiter und Brauereien die großen Herausforderungen zusammen anzugehen und freute sich, dass die Veranstaltung wieder im Mönchshof-Bräuhaus stattfinden konnte.

Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Wilfried Löwinger, schaute auf ein sehr schwieriges sowie regional unterschiedliches Jahr. Teilweise waren 30 bis 50 Prozent weniger Erträge hinzunehmen. Als erfreulich sah er an, dass der Braugerstenpreis etwas gestiegen ist, aber noch nicht so weit, wie es sich die Bauern wünschten. Man sei bereit, mehr Braugerste anzubauen, wenn der Preis steigen würde. kpw