und Andreas Dorsch

Andreas Dittner, der für die Freien Wähler im Gemeinderat von Adelsdorf sitzt, wohnt unmittelbar neben der Schulbushaltestelle in Aisch. Da sieht er jeden Tag, wie der Betrieb abläuft. Am Mittwochmorgen ist er erschrocken, denn der "Ziehharmonika-Bus", der die Kinder aus Röttenbach, Hemhofen und Adelsdorf zur Realschule bringt, war schon proppenvoll, als er Aisch ansteuerte.
Dort aber warteten 49 Kinder auf ihren Schulbus zur Realschule. Also werden sie reingequetscht wie die sprichwörtlichen Heringe. "Ich verstehe das nicht. Im Auto muss jedes Kind angeschnallt werden, im Bus dürfen sie eingepfercht stehen", macht sich Dittner seine Gedanken.
Aus Adelsdorf werden derzeit 165 Kinder zu den Höchstadter Schulen gebracht, aus Hemhofen 81 und aus Röttenbach 77. Für sie alle waren nur drei Busse im Einsatz. Das führte mittags an der Realschule zu noch größeren Problemen, erfuhr Dittner aus seiner Nachbarschaft.
"20 Kinder sind in Höchstadt stehen geblieben und mussten von Eltern abgeholt werden", sagte er schon bei der abendlichen Bauausschusssitzung.
Auch bei Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) stand das Telefon nicht still. Die Anfragen der Eltern treiben ihn um. Denn, so Fischkal, Landrat Alexander Tritthart (CSU) habe zugesagt, dass sich mit Schuljahresbeginn das Bussystem massiv verbessert. "Dafür muss er geradestehen. Es muss morgen klappen."
Doch am gestrigen Donnerstag war die Lage nicht wesentlich verbessert. Es kam wieder derselbe große Bus. Doch diesmal nahm er nicht alle Kinder aus Aisch mit. Etwa 20 mussten stehen bleiben. Danach kommt noch ein Bus, aber der steuert nicht die Realschule an; seine Route endet schon an der Schwedenschanze.
Von dort aus kann man zur Realschule laufen. "Aber erstens ist der Weg weit und zweitens waren es gerade die Kleinen, die nicht mehr in den Bus kamen", sagte sich Dittner und verständigte den Bürgermeister. Der seinerseits rief in der Realschule an, warum die 20 Aischer Kinder zu spät kommen. Und natürlich bei den Sachbearbeitern im Landratsamt.
Schon kurz nach neun Uhr erreichte ihn von dort die Nachricht, man suche umgehend nach einer Lösung, und die Zusage, für die Rückfahrt von der Realschule am Mittag werde ein zweiter Bus eingesetzt.
Über 20 aufgebrachte Mütter waren gestern am frühen Nachmittag an die Bushaltestelle an der Aischer Kirche gekommen, um ihrem Ärger Luft zu machen: "Wenn in der Früh der Bus aus Hemhofen in Aisch ankommt, ist er schon voll. Hier stehen aber um 7.24 Uhr 60 Kinder". "Wir Eltern müssen zur Arbeit und können die Kinder nicht holen." "Die Kinder haben Angst, weil es im Bus zu eng ist." "Wir können nicht alle Tage nach Höchstadt fahren und unsere Kinder abholen." Die Liste der Klagen ließe sich beliebig verlängern, bis hin zur Art und Weise, wie mancher Busfahrer mit den Kindern umgeht.


Der Bürgermeister steht bereit

Bürgermeister Fischkal kündigte an, am heutigen Freitag mit zwei Fahrzeugen bereit zu stehen, um Kinder, die keinen Platz im Bus bekommen, nach Höchstadt zu fahren. Die Kosten werde er dem Landkreis in Rechnung stellen.
Während die Mütter noch über die Zustände schimpften, fuhren an der Aischer Haltestelle gestern Nachmittag zwei Gelenkbusse aus Höchstadt vor, beide voll besetzt mit Schülern.
Im Landratsamt hatte man schon reagiert. "Das neue ÖPNV-Konzept für die Buslinie 205 zwischen Erlangen und Höchstadt wird nachgebessert", teilt Pressesprecherin Hannah Reuter mit. "Wir bedauern diese Vorkommnisse aufrichtig. Es darf nicht sein, dass Schulkinder warten müssen, weil die Busse zu voll sind", sagt Manuel Hartel, Abteilungsleiter Kommunales und Jugend.
Um dem Schüleraufkommen gerecht zu werden, wurde noch am Donnerstagmittag ein zusätzlicher Bus für die Schülerfahrt von der Realschule Höchstadt zurück eingeplant und bereits eingesetzt. Für die Frühfahrten arbeite man mit Hochdruck an einer Lösung. So wird heute schon mal ab Röttenbach ein Verstärkerbus eingesetzt, der direkt nach Aisch fährt, teilt Manuel Hartel mit und entschuldigt sich bei den Kindern und deren Eltern.


Weiter beobachten

Zum 13. September sei das neue ÖPNV-Konzept, das vom Landratsamt unter Beteiligung der betroffenen Bürgermeister, dem Arbeitskreis Nahverkehr und zusammen mit einem externen Planungsbüro erarbeitet wurde, umgesetzt worden, teilt Pressesprecherin Reuter mit. Schon im Vorfeld habe das Landratsamt unter der Nummer 09131/803 -380228 eine ÖPNV-Hotline eingerichtet. Sie ist auch weiterhin von Montag bis Donnerstag von 8 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr, sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr zu erreichen.
In den nächsten Tagen werde das Landratsamt den Schülerverkehr genau beobachten und gegebenenfalls weitere Änderungen vornehmen, kündigt Hannah Reuter an.