Marco Meissner Die Bürgermeister-Wahl in Marktrodach zieht Kreise. Auf unser Porträt des amtierenden Bürgermeisters Norbert Gräbner ("Noch viel Arbeit in der Erntezeit", Fränkischer Tag vom 4. Februar) reagierte Siegfried Haderlein. Der Marktrodacher Altbürgermeister kritisiert nun mehrere Aussagen seines Nachfolgers. Dieser wiederum stellt Haderleins Einwände infrage.

"Es ist sicherlich wünschenswert, dass ein Bürgermeister sich Gedanken für zukünftige Projekte macht. Noch wichtiger ist allerdings, vorhandene Einrichtungen der Infrastruktur zu erhalten", schreibt Haderlein. Im Falle des nicht mehr begeh- und befahrbaren Hirtenstegs sowie der verfallenen Treppenanlage im Grabenweg (Konsumgasse) mahnt er beispielhaft versäumte Unterhaltsmaßnahmen an.

Zum Hirtensteg weist Gräbner darauf hin, dass lange über die Ausführung der Baumaßnahme diskutiert worden sei. Soll der Steg befahrbar sein oder doch nur begehbar? Zudem hätten die Fragen nach einer Sanierung oder einem Neubau beziehungsweise nach der Förderung das Vorhaben ausgebremst. Inzwischen sei jedoch die Entscheidung im Ratsgremium getroffen worden. Der Steg werde möglichst bald als Fuß- und Radweg neu erstellt.

Die Treppenanlage im Grabenweg sei ohne Unterbau errichtet worden, weshalb eine Instandsetzung in dieser Form für Gräbner keinen Sinn macht. "Das war keine stabile Lösung", stellt er fest. Um die Treppe herzurichten, müsste sie komplett neu aufgebaut werden.

Sehr kritisch beurteilte Haderlein Gräbners Äußerung, viel Herzblut in die Umgehung von Zeyern gesteckt zu haben. Das meiste Herzblut sei doch von den Zeyerner Bürgern und dem damaligen Dritten Bürgermeister Werner Hempfling eingebracht worden. "Meines Wissens hat sich die Gemeinde, gerade was die Grundstücksverhandlungen betrifft, nicht gerade mit Ruhm bekleckert", führt Haderlein in seinem Schreiben an unsere Redaktion aus. Und nachdem die Baumaßnahme in erster Linie eine Angelegenheit des Bundes und des Landes sei, könne er nicht nachvollziehen, warum der Bürgermeister kandidieren möchte, um unbedingt noch das Band für die Straße mitdurchzuschneiden.

Gräbner weist allerdings darauf hin, dass er diese Maßnahme über Jahre begleitet habe. Er betont jedoch, dass "ich das Engagement der Zeyerner durch diese Aussage in keiner Weise schmälern möchte". Gräbner selbst habe beispielsweise im Zusammenwirken mit der damaligen Landtagsabgeordneten Christa Steiger beim früheren Ministerpräsidenten Horst Seehofer vorgesprochen, als Zeyern nicht im Investitionsrahmenplan vorgesehen war. Und er habe sehr erfolgreich Grundstücksverhandlungen geführt. So habe er für 15 000 Quadratmeter Fläche Bauerlaubnisse für einen Ersatzplatz für den Sportverein eingeholt.

Rückgang um 500 Einwohner

In einem dritten Kritikpunkt geht Haderlein auf den "Kaufkraftschwund von mehreren Millionen Euro durch den Einwohnerrückgang" in Marktrodach ein. Seit Gräbners Amtsantritt habe die Gemeinde rund 500 Einwohner verloren, von 1996 rund 4200 auf aktuell etwa 3700. Haderlein fordert deshalb vom künftigen Bürgermeister Engagement mit Mut und Elan für eine Stabilisierung dieser Zahl und einen Kampf gegen Leerstände. Zum Wohl der Bürger müssten diese Themen angepackt werden.

Gräbner meint, genau dies zu tun. Der Hauptauslöser für den Einwohnerschwund zu Beginn seiner Amtszeit sei schlicht der Niedergang der Firma Dreefs gewesen. "Dadurch hatten wir drei, vier Jahre hintereinander starke Einwohnerverluste." Mit einem Acht-Punkte-Programm habe er darauf geantwortet. Dadurch habe er unter anderem die Firma Rauschert ins Industriegebiet gelotst. Für diese Möglichkeit sei er seinem Vorgänger Haderlein übrigens sehr dankbar, der die Straße im Gries realisiert habe.