Die verlorenen Kriege bestimmten auch im Landkreis Lichtenfels die Nachkriegsjahre und vor allem auf dem Gebiet des Währungs- und Postwesens sind diese Entwicklungen auch heute noch nachzulesen. Denn schon während des 1. Weltkrieges begann in Deutschland, dessen vorhandene Zahlungsmittel zur damaligen Zeit rund sechs Milliarden betrugen, die Geldentwertung einzusetzen. Bereits 1918 war aus einer positiven Zahlungsbilanz ein Defizit von 15 Milliarden geworden und der Wert der Mark gegen Kriegsende auf etwa 55 Prozent ihres ursprünglichen Wertes gesunken.

Der Ausbruch des 1. Weltkrieges, im August 1914, führte im damaligen Deutschen Reich, einer der stärksten Industrienationen auf dem europäischen Kontinent, zu einer Verknappung des Geldes. Nachdem das Gold- und Silbergeld zu verschwinden begann, kam es nicht von ungefähr, dass auch die Banken angewiesen wurden, ihre Geldstücke aus Metall, aufgrund des Rohstoffmangels, einzuziehen. Eine Folge dessen war eine Verknappung des Kleingeldes, sodass bald Kleingeldersatzmarken (Notmünzen) die Runde machten, und Städte, Gemeinden, aber auch die Geschäftswelt, sich zur Ausgabe von Notgeld in Form von Scheinen und Münzen entschieden, um den lokalen Zahlungsverkehr einigermaßen aufrechtzuerhalten.

Es wurde sowohl in inländischer wie auch in ausländischer Währung (Goldmark, US-Dollar, usw.) ausgegeben. Neben den üblichen Geldscheinen und Münzen fanden bald Ersatzmaterialien für das übliche "Papiergeld" Verwendung. Leder, Seide, Pappe, bedruckte Alufolie, gleichermaßen wie Spielkarten, Schecks und dergleichen wurden ganz einfach zum "Notgeld" umfunktioniert. Interessant dabei die in diesen Krisenzeiten gewählten Geldscheinmotive. Sie trugen Städteansichten, Wappen, Tore und Porträts von prägenden Persönlichkeiten ihrer Heimatorte.

Selbst die Schuhindustrie, was insbesondere für die Region am Obermain wichtig war, hatte ihren besonderen Stellenwert und es war nicht nur die Handwerkstradition der Schuster, Lederhändler und Gerber abgebildet, sondern die Lederlieferanten wählten eine einfache Art und Weise, um den Zahlungsverkehr sicherzustellen, denn sie druckten das Notgeld häufig auf hellem Leder oder dem etwas dickeren Ziegenleder. Dabei wurden als Geldscheinmotive zudem Schaufenster von Schuhfachgeschäften ebenso abgebildet wie Damen- und Herrenschuhe, Gerber- und Schusterwerkstätten. Diese Notgeldperiode dauerte etwa von 1916 bis 1919, wobei sich in dieser Zeit beispielsweise auch die Stadt Lichtenfels, etwa von 1917 bis 1923, genötigt gesehen hatte, Münzen und Notgeldscheine auszugeben. Mit den Notgeld-Entwürfen wurde dabei auch Heinz Schiestl beauftragt, der einer gleichnamigen Bildschnitzerfamile im Zillertal entstammte und später als bedeutender Bildhauer und Grafiker in Würzburg tätig war und viele fränkische Kirchen mit seinen Altären, Statuen und Kreuzwegstationen bereicherte und auch Kriegerdenkmäler schuf.

Als der 1. Weltkrieg verloren war und das Deutsche Reich für Reparationszahlungen in Anspruch genommen wurde, hatte sich ein Schuldenberg von 150 Milliarden Mark angehäuft, der bei weitem das Volkseinkommen überstieg. Es begann sich deshalb immer deutlicher die Inflation abzuzeichnen. Sie brachte viel Elend, Not und Armut über die Bevölkerung. Dieser häufig auch als "Kriegsnotgeld" bezeichneten Phase folgte 1920 bis 1923 die zweite Krisenzeit.

Notgeldscheine, Schuldverschreibungen, Auszahlungsanweisungen und Gutscheine die in den Millionen- und Milliardenbereich gingen waren keine Seltenheit mehr. Eine Möglichkeit, die Inflationssteigerungen der damaligen Zeit in Mark und Pfennigen nachzuvollziehen bot das Briefporto. So kostete am 31. Januar 1918 ein einfacher Brief 15 Pfennige, wenige Jahre später (1922) bereits 2 Mark, am 31. Januar 1923 schlug das Briefporto für die gleiche Beförderungsart schon mit 50 Mark zu Buche und am 9. November 1923 kostet die Beförderung dieses Briefes bereits 100 Milliarden Mark.

Überdruck

Nicht selten kam es in dieser Zeit vor, dass Geldscheine überdruckt wurden, oder auf Briefmarken nicht mehr das normale Porto abzulesen war, sondern das Inlandsbriefporto ebenfalls in die Millionen ging. Auch der Goldpreis kletterte zur damaligen Zeit in ungeahnte Höhen.

Schon bei einer Sitzung des Reichstages 1915 wurde deshalb die schwere auf das deutsche Volk zukommenden Bürde in den Aussagen gesehen: "Die endgültige Regelung der Kriegskosten muss in die Zukunft verschoben werden", so dass es möglich war, das Volk wieder von der Last zu befreien, die der Krieg anwachsen ließ.

Durch die Ablösung der Papiermark und Einführung der Rentenmark, die allerdings nur langsam in Umlauf gesetzt wurde, fand die Inflation ihr Ende; damit verloren nach und nach die alten Notgeld-Scheine und die Notmünzen ihre Gültigkeit und die Währung begann sich zu stabilisieren. Der Wert früherer Banknoten war dann so gering, dass sie teilweise zum Tapezieren verwendet wurden, denn dies war günstiger als eine Tapetenrolle.