Waldarbeit ist nicht selten gefährlich. Jahr für Jahr gibt es schwere Unfälle bei der Holzernte. Immer wieder enden solche Unfälle tödlich. Um die Risiken so gering wie möglich zu halten, sind regelmäßige Sicherheitsunterweisungen für Profis Pflicht. Doch auch Hobby-Holzfäller tun gut daran, die Unfallverhütungsvorschriften (UVV) genau einzuhalten.
Noch ehe die Motorsäge angeworfen wird, gibt es einiges zu beachten. "Bei gefährlichen Arbeiten ist grundsätzlich niemand allein im Einsatz", betont Peter Tretter. Er ist Fachkraft für Arbeitssicherheit an der Forstschule in Lohr am Main und unterweist Waldarbeiter in ganz Bayern in Sachen Sicherheit. In Neustadt sind dazu erstmals Mitarbeiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und des städtischen Bauhofes gemeinsam in den Wald gegangen, wie Förster Frank Wystrach erklärt, der beim AELF für die Betreuung des Privat- und Körperschaftswaldes zuständig ist.


Vorher an vieles denken

Bevor es an die Arbeit geht, klären die Profis einiges ab - für den Fall der Fälle. Ist eine Verkehrssicherung nötig? Gibt es besondere Gefährdungen im Bestand, wie sehr viel Totholz, Dickicht, das die Bewegung behindert oder dergleichen? Besteht Empfang für das Mobiltelefon? Den gibt es übrigens laut Peter Tretter auf 40 Prozent der Staatswaldfläche nicht.Und ist die Anfahrt für Rettungsfahrzeuge möglich? Solche Fragen sollten vorab geklärt sein. Selbstverständlich ist eine Erste-Hilfe-Ausrüstung mit dabei. Punkte, die auch jeder Laie beachten sollte.


Ausrüstung muss passen

Geht es dann an die Arbeit mit der Kettensäge, gibt es wieder eine Reihe von wichtigen Punkten, die unbedingt beachtet werden sollten. Die Schutzausrüstung vom Helm über die Schnittschutzhose und die Sicherheitsstiefel bis zu den Handschuhen muss passen. Passen muss aber auch jeder Schnitt mit der Säge, wenn Unfälle bestmöglich vermieden werden sollen. Ob die dafür geltenden Vorschriften eingehalten wurden, sehen Fachleute wie Peter Tretter auch noch, wenn der Baum längst gefallen ist. Der verbliebene Stumpf spricht für ihn Bände. Diese Begutachtung erfolgt auch, wenn doch einmal ein Unfall geschehen ist.
Wurde der Wurzelanlauf beigeschnitten, der Fällkerb tief genug aber nicht zu tief (ein Fünftel bis ein Drittel des Durchmessers) und im richtigen Winkel (etwa 45 Grad) gesetzt? Gibt es eine Bruchstufe von drei Zentimetern (mindestens ein Zehntel des Durchmessers) und eine funktionsfähige Bruchleiste? Selbst wenn im Fallen (oder gar danach) nachgeschnitten wurde, entgeht das den Fachleuten nicht. Wurden Vorschriften verletzt, kann das nach einem Unfall rechtliche Folgen haben.
"Der Baum wird nicht umgesägt, er wird gekeilt", betont Tretter. Sitzt der Fällkerb, sticht ein Könner mit dem Schwert der Säge hinter und oberhalb (Bruchstufe) des Kerbs durch den Stamm. So bleibt gegenüber dem Fällkerb noch ein Sicherheitsband stehen. Jetzt werden ein bis zwei Fällkeile gesetzt. "Dann wird mit ausgestreckten Armen nur noch das Sicherheitsband schräg von oben durchtrennt", erklärt Peter Tretter. So wird die größtmögliche Sicherheit für den Sägenführer gewährt.
Bäume, die unter Spannung stehen oder eine besondere Gewichtsverlagerung in der Krone haben oder das Arbeiten an übereinander gestürzten Stämmen - etwa nach einem Sturm, bergen besondere Gefahren. Hobby-Holzfäller sollten von so etwas die Finger lassen, sind sich die Profis einig.
Große Forstbetriebe wie die der Bayerischen Staatsforsten führen zusätzlich zur Sicherheitsunterweisung auch immer wieder Rettungsübungen durch. Dafür wurden Anlaufpunkte für Rettungskräfte festgelegt, an denen sie bei Bedarf von Waldarbeitern abgeholt und zum Unfallort geführt werden. "Solche Punkte haben wir für den Stadtwald auch eingerichtet", bestätigt Gerhard Reh, der Leiter des Neustadter Bauhofs.