Stephan Herbert Fuchs

Wegen des mutmaßlichen brutalen Überfalls von Mitgliedern des Motorradclubs "Grave Diggers" aus dem Raum Bayreuth/Wunsiedel auf den Präsidenten der Motorradfreunde "Free Easy Riders Gold City" 2010 in Goldkronach sollen sogar Mitglieder der "Grave Diggers" aus Protest den Zusammenschluss verlassen haben. Das hat das Gericht am vierten Verhandlungstag gegen sechs Mitglieder der "Grave Diggers" wegen versuchten Totschlags anklingen lassen.


Einsilbiger Zeuge

Ein 43-jähriger Mann, Mitglied der "Grave Diggers", bestritt dies allerdings vehement. Die betreffenden Personen seien aus Zeitmangel ausgetreten, so der recht einsilbige Zeuge, der von den Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen den beiden Vereinigungen lang nichts mitbekommen haben will. Auch von der Hetze gegen den Präsidenten der "Free Easy Riders Gold City" und dem anschließenden brutalen Überfall will er erst später erfahren haben.
Am vierten Verhandlungstag kamen erstmals Zweifel darüber auf, ob der Überfall auf das Vereinsheim in Goldkronach wirklich so schwerwiegend war. Bisher war immer wieder von einem brutalen Rollkommando die Rede, das Opfer wäre um Haaresbreite zu Tode geprügelt worden, so hieß es.
Nun tauchte ein Zeuge auf, der am Tatabend von dem angeblichen Opfer angerufen worden sein will. Er habe ihm von dem Überfall berichtet und die angeklagten Mitglieder der "Grave Diggers" beschuldigt. Das könne nicht sein, die betreffenden Personen seien doch alle da, sagte der Zeuge und meinte damit das Motorradtreffen, das an jenem Abend auf seinem Anwesen in einem Thiersteiner Ortsteil stattgefunden habe.


Opfer scherzte und lachte

Während der Zeuge damals wenige Monate nach der Tat bei einer polizeilichen Vernehmung aussagte, dass zwei der Angeklagten bei seiner Party in Thierstein und nicht bei dem Überfall in Goldkronach gewesen seien, hatte er nun für alle fünf Angeklagten (der sechste will weder am Tatort in Goldkronach, noch auf dem Treffen in Thierstein, sondern zuhause gewesen sein) ein Alibi.
Auch wenige Tage nach dem Vorfall sei er dem angeblichen Opfer begegnet und habe den heute 52-Jährigen scherzend, lachend und scheinbar bester Dinge in einem Verbrauchermarkt angetroffen. "Für mich ist es nicht so rübergekommen, als wenn da was Dramatisches gewesen wäre", sagte der Zeuge.
Das würde dazu passen, dass der Bruch eines Halswirbels des Opfers erst einige Monate nach der Tat festgestellt wurde.
Für den behandelnden Arzt lag es allerdings trotzdem auf der Hand, dass die schwere Verletzung ganz klar eine Folge der tätlichen Auseinandersetzung war.
Von den sechs Angeklagten haben bislang fünf keine Angaben zur Tat gemacht. Der sechste will am fraglichen Abend zusammen mit seiner Lebensgefährtin bei seinen Eltern gewesen sein.
Die Verhandlung wird fortgesetzt. Mit Spannnung wird in diesen Tagen ein DNA-Gutachten über die Jacke ("Kutte") des Opfers erwartet, aus dem hervorgeht, ob Spuren der Angeklagten darauf zu finden sind.