Mama hier, Mama da. "Heute ist ganz ein normaler Tag", sagt Susanne Hausdorf und schmeißt im Eiltempo den Mixer an. Im Hintergrund hüpfen K2 und K3 durch das Wohnzimmer. "Heute gibt es Rohrnudeln", sagt die 36-jährige Familien-Bloggerin und drückt auf den Knopf. "Kind Nummer 1 ist in einer halben Stunde aus der Schule", sagt die Mutter von drei Mädchen im Alter zwischen vier und neun Jahren. Das Kürzel "K" hat sie den Kindern verpasst, damit die Kleinen in ihrem Blog "ichlebejetzt.com" anonym bleiben können.

"Am Nachmittag müssen wir zum Arzt." K1 habe sich an der Hand verletzt. "Mein Mann kommt deshalb extra früher nach Hause", erzählt die Bloggerin und schabt eilig den Teig aus der Rührschüssel. "Mama, kannst du noch einen Kuchen machen?", fragt Kind Nr. 2, das demnächst acht Jahre alt wird und später noch eine Freundin zum Spielen erwartet. Die Mama nickt und schnappt sich den kleinen Tablet-Computer, den sie beim Kochen immer auf die Arbeitsplatte legt. "Wo ist das Rezept für den schnellen Schokokuchen?"

Die Bloggerin wischt mit dem Finger über den Bildschirm. "Ah hier!" Über den "Brownie-Quickie" hat sie auch schon einmal geschrieben. Damals als sie noch auf Wordpress unterwegs war und noch nicht ihre eigene Homepage gehostet hat. Vor vier Jahren hatte sie auch noch nicht die Lampen und den guten Fotoapparat, den sie von ihrem Mann (Beruf: Informatiker) zuletzt bekommen hat.


Schnauze voll von Mutter-Kind-Kursen


"Nach dem zweiten Kind hatte ich einfach die Schnauze voll von Mutter-Kind-Kursen und Windelwechsel-Gesprächen." Eines schönen Tages habe sie einfach angefangen, Rezepte aufzuschreiben, die der Familie besonders gut geschmeckt haben. Quasi über Nacht ist Susanne zwischen Kindern, Haushalt und Mann zur Bloggerin geworden. Die bessere Hälfte habe in der Anfangszeit schon darunter leiden müssen, wenn die andere Hälfte im Büro am Computer saß. Auch beim Bloggen ist aller Anfang schwer. Aber zum Glück habe sie nicht aufgegeben und sei drangeblieben. "Bloggen ist eine gute Möglichkeit, um Kontakt zu anderen zu bekommen." Schließlich wohne sie in Zirndorf und nicht in Berlin. Dort müssten die Mamis einfach nur auf die Straße gehen, um sich über das Frau und Muttersein auszutauschen. Andere Meinungen zu bekommen und Gleichgesinnte zu treffen - darum gehe es ihr beim Bloggen.

"Außerdem macht es mir Spaß, mein Essen zu fotografieren und dazu Texte schreiben", sagt sie und schiebt die Rohrnudeln in den Ofen. Ihr Mann habe die Bloggerei am Anfang "komisch" gefunden. Ein ernsten Hintergrund hat die Sache trotzdem. "Kinder mögen keine Experimente in der Küche." K1 bis K3 seien da keine Ausnahme. Total konservativ, wenn es ums Essen geht, alle drei. Wenn ein Gericht funktioniert, schreibt sie es auf, macht ein Foto und stellt es auf ihre Homepage. So bleibt das gelungene Menü immer griffbereit und lange Kindergesichter beim Essen die Ausnahme.

Mit jedem Kindergeburtstag seien freilich neue Themen dazugekommen. Heute schreibt Hausdorf viel über Nachhaltigkeit. "In was für einer Welt möchte ich leben?", hat sie sich neulich gefragt und folgende Antwort darauf in ihrem Blog gefunden. "Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Gerade auch seit ich Kinder habe. Schaue ich mich um, sehe ich Krieg, Flucht und Gewalt in der Welt. Zoome ich ein bisschen näher heran entdecke ich viel Neid, Ärger und Missgunst. Aber auch Trauer, Krankheit und Tod. Als Eltern sagt man ja oft: ,Wenn die Kinder mal größer sind, dann ...`, doch was ist, wenn es irgendwann kein dann mehr gibt?"


Rezepte bringen die meisten Klicks

Den meisten Traffic bekomme sie aber noch über die Rezeptekiste. Momentan denkt sie darüber nach, wieder arbeiten zu gehen. Der Blog könnte der Linguistin beim Wiedereinstieg in den Beruf helfen, glaubt sie. Vom Blog leben könne sie nicht. Schließlich wolle sie ihre Glaubwürdigkeit behalten und keine Schleichwerbung im großen Stil machen. Ein bisschen Promotion à la Tupper-Party sei ok. Alles andere ist tabu. Besonders ihren Bekanntheitsgrad will sie mit ihrem Blog stärken. Ein paar Euro könne sie freilich über Sponsoren und Werbebanner für die Familienkasse dazuverdienen.

Selbstverständlich gibt es Beispiele von Bloggern, die es im wahrsten Sinne des Wortes geschafft haben. Susanne Hausdorf will weiter dazulernen, um es vielleicht auch einmal zu schaffen und ganz groß herauszukommen. Deshalb veranstaltet sie eine Familien-Blogger-Konferenz am 23. April in Nürnberg. Dabei werden Blogger über Themen wie "Wie mache ich eine Welle im Internet?" sprechen. In anderen Vorträgen wird über Markenaufbau unter der Überschrift "Ich bin eine Marke" referiert. Zahlreiche Sponsoren unterstützen die Veranstaltung, die sich an alle bloggende Eltern wendet.