• BSAL: Die heimliche Pandemie unter den Lurchen
  • Feuersalamander trifft der verheerende Hautpilz besonders hart
  • Wie geht es nun weiter mit unseren Lurchen, nachdem der Pilz letztes Jahr erstmalig in Franken entdeckt wurde

Der Pilz stammt ursprünglich aus Asien und wurde über Handelswege bei uns in Europa eingeschleppt. Da unsere einheimischen Tiere von Natur aus niemals mit so einem exotischen Pilz in Berührung kommen würden, besitzen sie keinerlei Abwehrkräfte gegen den todbringenden Krankheitserreger. Ganz ähnlich wie wir Menschen und das Coronavirus. Der Pilz frisst sich in die Haut der Tiere und macht diese porös und trocken, sodass die Salamander elendiglich vertrocknen und ersticken. Die stets feuchte Haut der Amphibien ist nämlich für die Tiere, neben der Lunge, ein wichtiges Atmungsorgan.

Pilznachweis an einem verstorbenen Tier in Ebrach

Letztes Jahr wurde der tödliche Salamanderfresser-Pilz erstmalig in Bayern, in Ebrach, nachgewiesen. Da es in der Gegend ein großes Feuersalamander-Vorkommen gibt, ist dieser erschreckende Fund natürlich besonders schlimm. Ist der tödliche Hautpilz erst einmal da, überträgt er sich in der Regel recht schnell von einem Tier auf das andere. Die befallenen Feuersalamander sterben meist sehr zügig daran.

Die Population der im Steigerwald lebenden Feuersalamander wird seit dem Fund durch Monitoring überwacht. Dazu werden alle Bürger aufgerufen, krank aussehende oder tot gefundene Feuersalamander bei bestimmten Ansprechpartnern, beispielsweise unter der E-Mail-Adresse salamander@mfn.berlin und oder Naturkundemuseum Berlin, zu melden.

Eine Fotodokumentation der Tiere kann bei der Verschleppung des Hautpilzes hilfreich sein. Jeder Feuersalamander hat ein ganz individuelles Fleckenmuster, ähnlich unserer Fingerabdrücke, die ihn in seiner Identität einzigartig machen und ihn ganz leicht wieder als das gleiche Tier identifizierbar machen. So kann man zum Beispiel feststellen, wie weit die standorttreuen Tiere umherwandern und mit welchen anderen Feuersalamandern sie Kontakt hatten.

Wie der Nürnberger Tiergarten befallene Salamander rettet

Der Nürnberger Tiergarten startete nach dem Fund in Ebrach eine Rettungsaktion mit großem Erfolg für die pilzerkrankten Feuersalamander. Die infizierten Tiere konnten nach der Behandlung den Nürnberger Tiergarten genesen verlassen, während in der Natur die Sterberate bei fast 100 Prozent liegt.

Für die Behandlung wurden die gefundenen, erkrankten Tiere einzeln in sterile Behälter gesetzt. Dort wurden sie mehrere Wochen, so lange wie nötig, bei über 25 C° gehalten. Die für die Feuersalamander eigentlich unerträglich hohe Temperatur bringt die Tiere dazu, sich zu häuten. Mit der alten Haut wurde der schlimme Pilz erfolgreich abgestreift.

Die Tiere wurden während der Prozedur täglich gewogen und vermessen, um den Gesundheitszustand zu kontrollieren und dokumentieren zu können. Auch wurde während des Vorgangs auf strengste Hygiene geachtet. Alle behandelten Feuersalamander waren am Ende, nach einer weiteren 12-tägigen Quarantäne, zu 100 Prozent genesen. Nach der erfolgreichen Behandlung wurden die Tiere an weitere zoologische Einrichtungen und sachkundige Privathalter im Rahmen von "Citizen Conservation" vermittelt.

Was kann ich tun, um zu helfen?

Jeder einzelne von uns, der den Wald liebt und respektiert, kann helfen, die Verschleppung des Salamander-fressenden Hautpilzes einzudämmen.

Dazu sollten wir auf keinen Fall die Waldwege verlassen. Sporen des Pilzes können in unseren Schuhprofilen kleben. Somit sollten wir kein Risiko eingehen und den Pilz nicht unnötig von einem zum anderen Ort tragen. Das Gleiche gilt übrigens für Biker oder Autofahrer, die im Wald unterwegs sind. Der Pilz kann genauso in den Reifenprofilen hängen und verschleppt werden. Ist man als Wanderer oder Biker oft und gerne in unterschiedlichen Wäldern unterwegs, ist es ratsam, seine Schuhe oder Reifen vor dem nächsten Waldbesuch zu desinfizieren.

Hunde, die gerne im Wald frei laufen oder in Waldbächen baden, können genauso ein Multiplikator des Pilzes sein. Auch unachtsame Angler können den Pilz von Gewässer zu Gewässer übertragen. Zusätzlicher Druck auf die Feuersalamander-Populationen bringt natürlich auch die Zerstörung ihres Lebensraumes und die zunehmende jährliche Trockenheit, einhergehend mit der Klimaerwärmung.

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