Majestätisch ragt die alte Burg über den Dächern Hiltpoltsteins. Die Scheinwerferanlagen, die dieses markante Bauwerk und Wahrzeichen des Markts künftig noch besser ins rechte Licht rücken sollen, werden gerade gefertigt.

Dennoch hat der Burgherr momentan seinen Bau gestoppt, denn er kann sein Vorhaben nicht umsetzen, wie er es geplant hat. "Die Erschließung ist nicht gesichert", sagt Uwe Andersen. Am Burghof wohnen noch zwei Familien, denen ebenfalls je ein Viertel des Innenhofs gehört. Auch die Gemeinde hat dort Interessen zu vertreten, ist doch ein Teil des Zugangs in ihrem Besitz. So führt auch der öffentliche Wanderweg dort entlang.
In einem Brief an die Gemeinderäte informierte Andersen diese nun über die Vorgeschichte, schilderte den aktuellen Stand und drückte auch sein Bedauern über die jetzige Situation aus.

Geplatzte Leitungen und Rohre

Nahezu komplett hat Andersen die Burg bisher renovieren lassen. Fast eine halbe Million Euro hat er nach eigenen Angaben in das Projekt fließen lassen. Erst vor eineinhalb Jahren hatte er die denkmalgeschützte Burg ersteigert.

Es ist nicht seine erste Burg, auch nicht das erste denkmalgeschützte Gebäude, aus dem er etwas machen möchte. "Ich empfinde mich als Arzt für schwerkranke historische Gebäude", sagt Andersen. 20 Jahre war die Burg in Hiltpoltstein leer gestanden. Die Wasserleitungen und Heizungsrohre waren gefroren und aufgeplatzt. Komplett erneuert hat Andersen diese Leitungen und die Heizung. Auch die kleine Familienkapelle war bis zur Hälfte mit Schutt gefüllt. Die Putzschäden mussten erneuert werden. Den 700 Quadratmetern Wohnfläche gab er ein neues Gesicht und passte die Möbel dem ritterlichen Ambiente an.

Sein ursprüngliches Vorhaben, die Burg selbst zu nutzen, und das ebenfalls ersteigerte Rentamtsschloss - das gelbe Gebäude im Schlosshof - als Ferienwohnungen zu vermieten, hat er inzwischen gekippt. Er sah sich dazu gezwungen, weil sich kaufrechtlich an der Burg Veränderungen ergeben hätten. Für die Ferienwohnungen hätte ein Haus am Schlosshof abgerissen werden sollen, um den historischen Blick herzustellen. Eine Kaufzusage hatte er per Handschlag, auch ein Notartermin war laut Andersen vereinbart.

Pläne mit bekannten Sängern

Dann allerdings hat ein Gemeinderat das betreffende Haus kauft, weshalb Andersen ein alternatives Konzept für die Burg ausarbeitete: eine "Event-Burg" für Hochzeiten, Tagungen und Schulungen.

Zwölf Arbeitsplätze wären dabei laut Andersen entstanden. Im Rosengarten hat er bereits neue Rosen. Dort gab es schon vor seiner Zeit kulturelle Veranstaltungen, organisiert vom Freundeskreis der Burg. Sängerinnen, die bereits in der Met, der Skala oder Semper Oper auftraten, wollte er für Auftritte im Rosengarten gewinnen. Oder für den Schlosshof, wo ebenfalls Veranstaltungen stiegen. Toiletten wollte er dort bauen.

Doch es gibt ein Problem: Für die Umwandlung in eine "Event-Burg" benötigt Andersen eine Umnutzungsgenehmigung. Diese Baugenehmigung hat ihrerseits aber eine gesicherte Erschließung zur Voraussetzung. Außerdem erfordern die Veranstaltungen im Rosengarten einen zweiten Fluchtweg, der über einen Privatteil eines anderen Anwohners führen würde. Entsprechende Verhandlungen, die der Burgherr mit der betreffenden Familie geführt hat, scheiterten.

Alles in allem zerschellte seine Pläne von der "Event-Burg" an den herrschenden Eigentumsverhältnissen: an denen der Zufahrten und des Burghofs, der dem Burgherren nicht allein gehört. Uwe Andersen gehört lediglich die Zufahrt unter dem Rentamtsschloss zum Schlosshof.

Verständnis für Bedenken

Die geplante Umgestaltung des Schlosshofs - er möchte unter anderem eine Grünfläche anlegen - sieht Andersen ebenfalls gefährdet. Er rechnet sich nicht aus, die Zustimmung der anderen Besitzer zu erhalten. "Ich kann die Bedenken verstehen", sagt er. Denn natürlich könne es bei einer "Event-Burg" auch einmal lauter zugehen.
Auch die geplante Tiefgarage, für die er vom Denkmalschutz eine Genehmigung hatte, scheiterte am Ende. Den Parkplatz vor dem Re-ntamtsschloss legte der Burgherr so an, dass durch eine Mineralbetonschüttung Autos dort auch bei Regen parken können. Der vordere Bereich des Parkplatzes gehört ihm. Allerdings überbaute Andersen für die Parkplätze ein Stück Gemeindegrund, was auch moniert wurde. "Ich werde die Befestigung auf Gemeindegrund wie gewünscht zurückbauen", beschwichtigte Andersen in seinem Brief an die Gemeinderäte.
Insgesamt bedauert der Burgherr die gegenwärtige Situation. Bürgermeisterin Gisela Bauer (BfH) betont, dass die Gemeinde einen Vertrag anstrebe; in dem soll alles geregelt sein, vor allem der Zugang zur Kirche und des öffentlichen Wanderwegs durch den Burghof. "Das wollen wir in einem Zuge regeln und die Gemeinde hat diesen Vertrag auch vorbereitet. Ansonsten sind wir zu allem bereit und warten auf den Burgherrn", sagt Bauer.
Der Burgherr allerdings hat schon eine neue Idee im Kopf: "Ich will in die höherwertige Vermietung gehen." Wer gern einmal Burgherr wäre, kann bald die komplette Burg mieten.