Mit wachsender Sorge hat Klaus Backer, Leiter des Ordnungsamtes, am Sonntag das Heraufziehen der Gewitterfront beobachtet. Für die Nacht zum Montag war der Durchzug einer Kaltfront mit zum Teil heftigen Gewittern angekündigt. Das Problem dabei: "Niemand wusste, wann und wo die Gewitter zuschlagen würden."

Deshalb saß der Chef des Ordnungsamtes am Computer und studierte die Unwetter-Modelle. Eine Vorhersage ging von Gewittern im nördlichen Steigerwald aus, die erst gegen Mitternacht Forchheim erreichen sollten. Die andere kündigte heftige Gewitter in einem Streifen von Gunzenhausen bis Hersbruck an.

"Ich saß an drei Telefonen gleichzeitig, ließ mich über die Wetter-Situation informieren", berichtet Klaus Backer. Die Polizei in Bad Windsheim und Neustadt/Aisch meldete "Land unter." "Das kommt auf euch zu", warnten die Ordnungshüter.
Auch die Rettungsleitstelle in Bamberg hatte keine beruhigendere Nachrichten für Backer. "Ihr müsst euch auf ein Unwetter einstellen", hieß es dort bereits gegen 18.30 Uhr.

Gebannt verfolgte Backer die weitere Entwicklung der Wetterprognosen. Als dann nach 19 Uhr der Wind auffrischte, die dunklen Wolken immer näher kamen und im Wetterbericht von Windböen über 120 km/h die Rede war, zog Backer die Notbremse. Über Sirenen und Lautsprecherdurchsagen wurden die Festbesucher gewarnt, dass ein Aufenthalt auf dem Annafestgelände zu gefährlich sei. Backer gab die Anweisung, das Festgelände zu räumen.

Alles wird dicht gemacht

Die Schausteller machten ihre Geschäfte dicht, die Wirte beendeten den Ausschank und die Security überwachte den Abmarsch der Festbesucher. An den Zugängen sorgte der Ordnungsdienst dafür, dass niemand mehr Richtung Kellerwald pilgerte. Die Platzmeisterin Sigrid Mauser war ihrerseits im Kellerwald unterwegs, um die Schließung der Keller, der Schau- und Fahrgeschäfte sowie der Imbissbuden zu überwachen. "Es lief alles reibungslos, es gab keine Probleme", zieht Mauser ihr Resümee. "Aber ich war froh, als ich endlich aus dem Kellerwald draußen war. Ich habe mich selber nicht mehr wohl gefühlt", räumt die Platzwartin ein.

Dieses Handeln stellt keiner der Schausteller in Frage, auch wenn der eine oder andere noch zugewartet hätte. "Ich versteh' dich", bekräftigt Marco Lützelberger in Richtung von Klaus Backer. "Die Sicherheit muss einfach Vorrang haben." Eine Bitte hat er aber dennoch. Er fände es gut, wenn die Sicherheitskräfte nicht von sich aus auf die Hilfskräfte an den Ständen zugehen würden, sondern nach dem Chef verlangen würden. Der sei schließlich verantwortlich, dass die Anordnungen auch durchgesetzt werden.

Da die große Unwetterkatastrophe ausgeblieben ist, wirbt Klaus Backer am Montag bei den Schaustellern und Wirten um Verständnis. "Die Festbesucher wiegten sich in Sicherheit. Die konnten wir nicht mehr gewährleisten", beteuert Backer. Als "Beweis" zeigt er den Wirten und Schaustellern das Foto einer dunklen Wolke über dem Kellerwald, die sich zu einem kleinen Tornado weiter zu entwickeln scheint. "Da musste ich handeln" erklärt Backer.