Schienen-Ersatzverkehr! Das klingt nach Umsteigen, Koffer schleppen, Verspätung, Ungemach. "Das können wir leider nicht vermeiden", bedauert Frank Kniestedt, bei der Bahn zuständig für den Bereich Kommunikation des Großprojektes "Ausbau der Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Ebensfeld".

Es gebe Arbeiten an der Strecke, die nicht immer "unter dem rollenden Rad" verrichtet werden könnten. Das sind Arbeiten an Weichen- und Brückenanlagen zwischen Fürth und Forchheim. Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt im Moment zwischen Eltersdorf und dem Bahnhof Erlangen. Hier steht zum Teil nur ein Gleis für alle Züge zur Verfügung. Von 26. Juni bis 13. Juli ist der Zugverkehr stark eingeschränkt.

Soll heißen: Zwischen Erlangen und Fürth fallen einige Züge komplett aus. Sie werden durch Busse ersetzt. Zum Leidwesen der Fahrgäste.
Christine (50), eine treue Bahnfahrerin hat mit dem Schienen-Ersatzverkehr schlechte Erfahrungen gemacht. "Die Busse sind viel zu klein für die Anzahl der Reisenden", klagt sie. Da mache die Fahrt keinen Spaß. "Wie das noch werden soll, weiß ich noch nicht, denn ich muss jeden Tag nach Nürnberg. Da steh' ich lieber eher auf und nehm' einen früheren Zug, falls das geht", meint die Berufspendlerin.

Jennifer (19) aus Weilersbach hat von einem Arbeitskollegen gehört, dass es auf der Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Forchheim zu Einschränkungen kommt. "Ich muss mich erst mal im Internet schlau machen, wann welche Züge fahren." Das Umsteigen ist ihr zu lästig. Deshalb will Jennifer bereits den Zug um 7.21 Uhr nehmen, obwohl sie erst um halb zehn zu arbeiten anfangen muss. Die Verzögerungen nerven sie, denn: "Der Fahrpreis ist der gleiche, ob mit oder ohne Einschränkung", kritisiert die Auszubildende, die auf den Zug angewiesen ist.

Gerda (75) fährt dagegen "nur alle heiligen Zeiten" mal mit dem Zug. Deshalb lässt sie sich überraschen, ob der Zug, den sie nach Nürnberg besteigt, durchfährt, oder ob sie zwischendurch auf den Bus umsteigen muss. "Ich nehm's gelassen", sagt die Seniorin.

Ulrich (68), der sich zu seiner Rente etwas dazuverdienen will, nimmt extra den Regionalexpress, von dem er weiß, dass der bis Nürnberg durchfährt. "Die Umsteigerei mach' ich nicht noch einmal mit", bekräftigt der Senior, der sich am Schalter erkundigt hatte, nachdem er aus der Zeitung vom Schienen-Ersatzverkehr erfahren hatte. Der Service sei aber nicht gerade umwerfend gewesen. "Da gibt's eine Broschüre, da können sie nachschauen", habe man ihm am Schalter erklärt.

Unübersichtlich?

Ulrich hat den Plan studiert und festgestellt, dass die Ankunftszeiten der Busse und die Abfahrtszeiten der Anschlusszüge nicht zusammenpassen. "Den normalen Anschlusszug erwische ich so gut wie nie, wenn ich den Bus nehmen muss", bedauert der Bahnfahrer. "Es wäre sinnvoller gewesen, die Zeiten der tatsächlichen Anschlusszüge farblich zu kennzeichnen. Das wäre übersichtlicher gewesen", findet Ulrich.

Auch Julia (29) ist skeptisch. Die Erlangerin arbeitet halbtags in Forchheim und steht mit ihrem Fahrrad am Bahnsteig. "Busse sind nichts für mich, denn da kann ich mein Fahrrad nicht mitnehmen", erklärt die Mutter, die vom Bahnhof Erlangen irgendwie nach Bruck kommen muss, um ihr Kind von der Tagesmutter abzuholen. "Normalerweise würde ich bis Bruck fahren. Jetzt muss ich in Erlangen aussteigen." Dann gehe es mit dem Rad weiter.

Noch völlig ungeklärt ist, wie die Bahn mit ihrem 9-Uhr-Ticket umgeht. "Wenn ich früher fahre, gilt meine Karte nicht, nehme ich einen späteren Zug, komme ich zu spät zur Arbeit. Ich bin gespannt, wie kooperativ die Bahn ist", fragt sich die Pendlerin.