Als Fußballer war Alexander Ruf kein Kind von Traurigkeit. Oft ärgerte er sich mit den Schiedsrichtern herum und durfte hin und wieder auch mal vorzeitig unter die Dusche. Nach seiner aktiven Laufbahn hat er sich nun entschlossen, selbst als Referee auf dem Platz zu stehen, und bereut diese Entscheidung bislang nicht - mit den Tricks der Fußballer ist er ja bestens vertraut.

Ruf hat das Fußballspielen in seinem Wohnort Dormitz begonnen. Allerdings gibt es dort auch einen Tennisverein, weswegen er mit 15 Jahren die Fußballschuhe erst einmal beiseite legte und in den nächsten Jahren den Tennisschläger in die Hand nahm. Erst mit der Volljährigkeit fing Ruf wieder mit dem Fußballspielen an, schon bald danach wurde der höherklassige TSV Neunkirchen auf das Talent aufmerksam. Mit 19 Jahren wechselte er an den Brandbach, wo Trainer Enzo Penna tätig war und die Mannschaft in der Bezirksoberliga trainierte.


Nach seinem ersten Jahr beim TSV, wo er mit der Neunkirchner Legende Stephan "Stupfl" Kramer zusammenspielen durfte, schoss der Verein jedoch ein paar Mark weniger in die Mannschaft. Penna wurde von Wolfgang Beierlorzer beerbt, der Verein setzte nach dem Abgang der bezahlten Spieler auf die jungen Nachwuchstalente. Der Abstieg aus der Bezirksoberliga war die Folge, Ruf ging nach zwei Spielzeiten wieder zum FC Dormitz zurück.
Nach zwei Jahren beim FC rief jedoch erneut der TSV Neunkirchen an, Ruf packte unter Trainer Ingijad "Guido" Salihovic den Aufstieg in die Bezirksliga mit an. Nach zwei Spielzeiten war erneut der FC Dormitz das neue Zuhause des Mittelfeldspielers, wieder zwei Jahre später ging es ein drittes Mal zurück zum TSV Neunkirchen. "Das hat sich halt immer so ergeben", sagt Ruf. Abermals kickte der körperlich robuste Spieler mit den Brandbachkickern in der Bezirksliga. Vom Spielgerät war er kaum zu trennen. Seinen robusten Körper konnte er gut reinstellen, was ihn als Anspielstation für seine Mitspieler unabdingbar machte. "Läuferisch war ich nie der Stärkste", sagt Ruf über sich selbst: "Mit dem Rücken zum Tor war ich aber ein Prellbock und hab den Ball nicht mehr hergegeben."

Davon durfte ein Jahr später auch die DJK Weingarts profitieren, wo er eine Saison in der Bezirksliga dranhängte, hier meist auf der Position des Liberos. Erst danach schloss er seine Laufbahn langsam ab, spielte noch eine halbe Saison beim SV Hetzles und ging danach in die Alt-Herren-SG des SV Kleinsendelbach und des SV Neunkirchen.


Kurze Trainerlaufbahn

Ein kurzes Intermezzo gab es für Ruf nach seiner aktiven Karriere als Trainer des SC Happurg. Allein der Fahrtweg war ein großer Aufwand, am Ende der Saison stieg der Verein auch noch ab. "Die Leute dort waren voll in Ordnung", sagt Ruf: "Aber mit dem Kapitel Trainer habe ich danach schnell abgeschlossen. Vor allem, weil ich keine Zeit mehr dafür habe."

Mit seinem Kumpel "Utzi" saß Ruf später einmal beisammen, sie diskutierten das Schiedsrichterwesen. Kurzerhand meldete sich der ehemalige Fußballer zu einem Neulingslehrgang und wurde Schiedsrichter. Der Fußballer pfeift seitdem für den TSV Neunkirchen in der Schiedsrichtergruppe Forchheim. "Ich habe nicht so viel Zeit dafür und pfeife vielleicht 20 Spiele im Jahr", sagt der Neu-Schiri, der bis zur Kreisklasse die Pfeife im Mund hat. Spaß macht dem Unparteiischen sein neues Hobby auf jeden Fall. "Je höher umso schöner. In der Kreisklasse hast du ein flottes Spiel und für beide Mannschaften geht es um was. In der B-Klasse ist es ja schon fast so, dass beide Mannschaften vorher erstmal ein Bier miteinander trinken."

Ruf wurde auch deswegen Schiedsrichter, weil er es besser machen wollte als die Unparteiischen zu seiner aktiven Zeit. "Ich mache das, weil mich früher die Schiris immer aufgeregt haben. Die haben teilweise Karten wegen Meckerns verteilt, aber das Klopfen zugelassen."

Aus diesem Grund pflegt Ruf als Referee einen anderen Stil. "Grundsätzlich gebe ich keine Karten wegen Meckerns, wenn es sich im Rahmen hält", erklärt der inzwischen 37-Jährige und ignoriert solche Dinge meist. "Wenn die Erziehung mancher junger Spieler allerdings zu wünschen übrig lässt und sie sich gegenseitig mit Ausdrücken beschimpfen, dann greife ich natürlich schon ein. Und dann gibt es aus erzieherischen Gründen auch mal ein Rote Karte."

Als Fußballer war Ruf selbst mit allen Wassern gewaschen und weiß jetzt natürlich, mit welchen Tricks ihn die Spieler zu überlisten versuchen. "Ich kenne die Tricks, schließlich habe ich die früher ja selbst alle angewendet." Insofern sieht er einen Vorteil darin, dass er vor seiner Schirilaufbahn selbst als Kicker auf dem Platz stand: "Wenn ich hier im Spielkreis pfeife, bin ich ja kein unbeschriebenes Blatt." Nicht wenige Zuschauer kennen Ruf noch als Spieler. Als solcher hat er sich ein dickes Fell aufgebaut und reagiert nicht gereizt, wenn von den Zuschauerrängen mal ein Spruch kommt. "Da stehe ich drüber." Eines ist auf jeden Fall gleich geblieben. Der läuferische Einsatz hat sich bei ihm auch als Schiedsrichter nicht gesteigert. Der Mittelkreis ist sein Revier. Nicht umsonst sagt er mit einem Schmunzeln: "Ich bin als Schiri eher der Schmidt-Kunreuth-Typ."