Nur wenig Zeit verbringt Helga Deinhardt in ihrem Büro. Die 54-Jährige ist Pastoralreferentin, ein vielschichtiger Beruf, der vor 40 Jahren eingeführt wurde. Bis spät abends ist sie unterwegs in den Pfarreien Kirchehrenbach, Leutenbach, Pinzberg, Weilersbach, Weingarts und Wiesenthau.

"Die Firmlinge in diesen Pfarreien kennen mich alle", sagt Helga Deinhardt. Die Kommunionkinder eher nicht, denn Helga leitet sie die Firmkatechese. Zu Anfangszeiten des Berufes waren die Referenten in nur einer Pfarrei in verschiedenen Pastoralfeldern eingesetzt.

Unverzichtbar geworden

Als Pfarrer Michael Gehret, Pinzberg, 2008 zum Priester geweiht wurde, gab es längst Pastoralreferenten. "Ohne sie könnten wir nicht mehr arbeiten", gibt Gehret zu. Der Wortgottesdienst, den die Referenten einmal im Monat halten würde ohne sie entfallen.

Pastoralreferenten sind notwendig, weil das Aufgabenfeld der Seelsorge sehr vielfältig geworden ist. Durch den Zusammenschluss von Pfarreien zu Seelsorgebereichen schaffen die Seelsorger ihre Arbeit allein nicht mehr.
Der Unterschied zum Pfarrer liegt darin, dass der Sakramente spenden darf und an das Zölibat gebunden ist. Ansonsten haben Pastoralreferent und Priester dieselbe Ausbildung.

In ihrer Heimatdiözese Trier lernte Helga Deinhardt schon vor dem Abitur bei ihrer Arbeit in der Landjugendbewegung und bei Berufsveranstaltungen Pastoralreferenten kennen. Eine Chance, als Frau in der Kirche aktikv zu sein. Helga Deinhardt studierte Theologie und Pädagogik, denn mit Menschen zu arbeiten, war ihr schon immer ein Bedürfnis.

In drei Dekanaten unterwegs

Nach einem Jahr als Pastoralassistentin in der Forchheimer Pfarrei Don Bosco, wurde sie als Diözesanvorsitzende ins erzbischöfliche Jugendamt Bamberg gewählt, wo sie acht Jahre lang Jugendarbeit leistete. Anschließend war Deinhardt 15 Jahre Mitarbeiterin der Landvolkshochschule Feuerstein. Seit 2007 arbeitet sie als Pastoralreferentin und als Regionalreferentin. Unterwegs ist sie in den drei Dekanaten Ebermannstadt, Forchheim und Höchstadt. "Die praktische Gemeindearbeit ist mir wichtig. Auch Glaubensfragen zu diskutieren und Gespräche mit den Menschen zu führen, möchte ich nicht missen", sagt Helga Deinhardt.

Geringes Interesse an Gott und der Kirche kann die 54-jährige Katholikin nicht feststellen. Gerade bei den Wochenenden mit den Firmlingen kämen diese Glaubensfragen oft zur Sprache.

Neben der seelsorgerischen Jugendarbeit zählt das Frauenpastoral zu Deinhardts Aufgaben. Vor drei Jahren initiierte sie ein Frauenfrühstück in verschiedenen Gemeinden, suchte Frauen, die hier mitwirken. Nach dem gemeinsamen Frühstück hören die Frauen Vorträge zu Themen wie dem "befreienden Umgang mit Fehlern." Im Mittelpunkt des nächsten Frauenfrühstücks in Pinzberg steht der Jakobsweg.

Sorgen der Menschen aushalten

Wegen der vielfältigen Aufgaben hält Helga Deinhardt momentan keinen Religionsunterricht. Dafür bildet sie Männer und Frauen aus, die Besuchsdienst in Krankenhäusern leisten. "Wie verhalte ich mich, wenn ich in ein Krankenzimmer gehe? Wie spreche ich mit Kranken, die vielleicht bald sterben müssen? All diese Fragen werden in den Seminaren aufgearbeitet.

"Die Fragen nach Krankheit und Tod, die Sorgen der Leute auszuhalten, gehöre zu den schwierigsten Aufgaben", sagt Deinhardt über ihren Beruf, den sie immer wieder wählen würde. Auch wenn manchmal kaum Zeit für ihre Hobbys, ins Kino gehen, die Sauna oder Reisen bleibt.