"Hol mal Pütz und Feudel, da ging was daneben", hört man den Smutje aus der Kombüse schimpfen. Nachdem klar Schiff gemacht wurde, ertönt der wichtigste Ruf für Seeleute: "Backen und banken!"

Alle Mitglieder der Marinekameradschaft Forchheim setzen sich an den Tisch, jetzt gibt es etwas zu essen. Und zur guten Unterhaltung singt gleich der Shantychor "Regnitzmöven".

Marine? Shanty? Forchheim? Ja, das geht. Gleich bei der Schleuse in Forchheim befindet sich das Heim der Marinekameradschaft: direkt in der freien Natur, nahe am Wasser.


Sturmsichere Tische

Schon am Tor sieht man den Spielplatz mit Jolle und merkt, dass sich hier See-, aber auch Familien- und Kameradschaftsbegeisterte aufhalten. Alles hat einen maritimen Charakter. Die Tische sind sturmsicher befestigt, außerdem sind Seemannsknoten zu bewundern. Im Inneren des Marineheims trifft man fränkische Seebären, die gerade Karten spielen.

"Wir wollen Kameradschaft pflegen und maritimes Kulturgut an die Leute bringen", erklärt Vorsitzender Hans Gerhard Braun. Außerdem weiß er zu berichten, dass die Seemannssprache die älteste Fachsprache der Welt ist. "Pütz ist der Eimer, Feudel der Lappen und der Smutje in der Kombüse ist der Koch in der Küche."

Wie Hans Gerhard Braun ist auch Ehrenvorsitzender Gerd Bischof aus Forchheim selbst einige Jahre zur See gefahren. "Da macht man viel mit, aber man lernt auch viel und sieht viel von der Welt", erinnert sich Bischof. Denn das Leben an Bord verlange viel Toleranz. Und für die Arbeit brauche man Konzentration. "Das ist Lebensschule. Das hilft im Leben weiter", so Bischof.

Zur See gehören auch die eher traurigen Shantys. Lieder, die von Sehnsucht erzählen und im Takt der Arbeit erklingen. "Unser Shantychor wurde 1967 gegründet und hat heute 23 Mitglieder inklusive vier Musiker", berichtet Braun. Wöchentlich wird gesungen. Über das Jahr hat der Chor etwa 15 öffentliche Auftritte. "Das Highlight dieses Jahres war der Auftritt beim größten internationalen Shanty-Festival in Travemünde", sagt Braun stolz. Der Chor war begeistert von den Schiffen, die vor ihren Augen auf der Trave entlanggezogen sind.


Labskaus im Marineheim

Auch sonst ist viel geboten bei der Marinekameradschaft. "Wir haben regelmäßige Frühschoppen und Bordabende, wir haben den Tag des Meeres, das Hafenfest, einen Familientag sowie Spiele- und Kartelabende", zählt Bau auf. Mit der Gemeinde wird der "Advent im Hof" organisiert, oder der Chor tritt im Altenheim auf. "Oder wir basteln an unseren Modellbooten, die voll funktionstüchtig sind", ergänzt Jugendwart Peter Schulte. Beim Tag des Meeres kocht der Smutje in der Kombüse des Marineheims Labskaus, friesischen Fleischtopf oder Brathering mit Kartoffeln.

Bei der Ausstellung über ein maritimes Thema sollen die Gäste über die Seefahrt informiert werden. Man kann die Modellboote bewundern, dem Shantychor lauschen oder Hafenrundfahrten unternehmen. "Wir sind eine Marinefamilie und unsere Veranstaltungen sind ebenfalls für die Familie", erklärt Braun.

Man wolle nicht nur maritimes Kulturgut vermitteln, sondern sich auch um den Lebensraum "Meer" kümmern, wirft Peter Schulte ein. Zum Beispiel werden auch Vorträge wie "Zukünftiges Leben auf dem Meer" oder über "Antriebstechniken in der Schifffahrt" angeboten.

Und es darf der Glaube und Aberglaube in der Seefahrt nicht fehlen. "Der Pumuckel vom Meister Eder ist einem Klabautermann nachempfunden", erzählt der Vereinsvorsitzende. Wenn ein Klabautermann von Bord gehe, sei das Schiff im Übrigen dem Tod geweiht.

Und Schulte ergänzt: "Auch die Kaventsmänner, die riesigen Wellen, kommen aus der Seemannssprache." Wer sich für maritimes Leben und Kameradschaft interessiert, ist in diesem Verein wirklich bestens aufgehoben.