Zurückgestellt hat der Wirtschaftsausschuss des Bayerischen Landtags gestern Vormittag den Antrag des Forchheimer Abgeordneten Thorsten Glauber (Freie Wähler), der darauf abzielt, den S-Bahn-Haltepunkt Forchheim-Nord sofort in das Planfeststellungsverfahren für den viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke aufzunehmen, der im Jahr 2017 beginnen soll.

Dies klingt nach einer schlechten Nachricht, ist aber eher eine gute: Es geht nun um eine verlässliche Prognose für die Fahrgastzahlen, die dort zu erwarten sind. Überschreiten sie die magische Grenze von 1000 Ein- und Aussteigern an einem durchschnittlichen Werktag, so ist die Voraussetzung für die Finanzierung des Haltepunkts durch den Bund gegeben. In diesem Fall, so wurde gestern im Landtag deutlich, besteht der politische Wille, die Station von vornherein in der Planung festzuschreiben.

Klar ist bisher aber auch, dass sich die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) - die Leistungen der Bahn bestellt, zu 100 Prozent dem Freistaat gehört und dem Wirtschaftsministerium angegliedert ist - den Haltepunkt nicht will. Er würde eine Spreizung der Gleise erfordern, denn der ICE soll in diesem Abschnitt auf den beiden Außengleisen fahren, während die S-Bahn die Innengleise nutzt. Also müsste zwischen diesen Platz geschaffen werden für einen Bahnsteig mit Zugang.

Unterschiedliche Prognosen

Stadt und Landkreis Forchheim wollen diesen Haltepunkt ebenso wie der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN). Sie prognostizieren die Zahl der täglichen Ein- und Aussteiger, auch wegen des benachbarten Schulzentrums, auf über 1300 und liegen damit deutlich über dem für eine Finanzierung nach dem Bundesschienenwegebaugesetz erforderlichen Wert.

Die BEG hingegen hat diese Zahl auf 550 abgesenkt, ohne dies näher zu begründen. Ein solcher Wert aber wäre das Aus für den Haltepunkt. Zudem, so Thorsten Glauber gestern, hat die BEG erklärt, dass sie keinen Anlass für weitere Verhandlungen in dieser Angelegenheit sieht.

Das soll sich nun ändern. Einhellig drängte der Ausschuss, der sich im Juli erneut mit dem Forchheimer Anliegen befassen will, gestern darauf, dass die BEG rasch Gespräche mit Stadt, Landkreis und VGN aufnimmt, um die Nutzer-Zahlen zu verifizieren und so zu einer verlässlichen Prognose zu gelangen. Das Argument des Wirtschaftsministeriums, dass der Abschlag auf die in Forchheim ermittelten Zahlen deshalb vorgenommen wurde, weil sich solche Prognosen in der Vergangenheit als zu hoch gegriffen erwiesen hatten und dies zur Rückzahlung von Bundesmitteln führte, ließen die Abgeordneten nicht gelten.

Heftige Kritik

Der Nürnberger Thomas Beyer (SPD) sagte dies gestern so: "Es ist erhebliche Kritik nötig an der BEG. Die sitzen da und machen Planspiele, anstatt sich die örtlichen Gegebenheiten anzuschauen."

Der Forchheimer CSU-MdL Eduard Nöth sah sich "auf der Zielgeraden" seines Engagements für den Haltepunkt: "Wir können die BEG nicht verpflichten, die ermittelten Zahlen zu übernehmen. Aber wir können sie verpflichten, unverzüglich die Gespräche mit der Stadt, den Landkreis und dem Verkehrsverbund zu führen."