Bereits in der vorherigen Stadtratssitzung hatten die Freien Wähler ihren Parteikollegen und ehemaligen Gräfenberger Bürgermeister Werner Wolf für den Rechnungsprüfungsausschuss nominiert. Ob das rechtlich erlaubt sei, wollte schon damals Hans Derbfuß (CSU) wissen.

"Es ist erlaubt, dass der ehemalige und sogar dass der amtierende erste Bürgermeister dem Rechnungsprüfungsausschuss angehört", erläuterte Wolfs Nachfolger Hans-Jürgen Nekolla (SPD) die gesetzlichen Grundlagen. "Ich finde das politisch unhygienisch. Es hat einen faden Beigeschmack", klagte dagegen Heiko Kracker (GBL). Er wollte sich nicht an den Gedanken gewöhnen, dass Wolf dem Ausschuss angehört, der unter anderem Rechnungen prüft, die Wolf in seiner Zeit als Bürgermeister zu verantworten hat. Es sollte nicht sein, dass ein Bürgermeister sich selbst prüft.


Keine persönliche Sache

Ins gleiche Horn stieß Matthias Striebich (Grüne). Er wolle das allerdings nicht als Misstrauen gegen die Person Wolfs gedeutet wissen. Wolf selbst teilt die vorgebrachten Bedenken offenbar nicht: "Ich blicke in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit", sagte er.

Denn der Rechnungsprüfungsausschuss prüfe nicht nur Rechnungen, die ein oder zwei Jahre zurück liegen, sondern immer auch Aktuelles. Vorgeschlagen wurde Wolf von seiner Fraktion nicht nur, weil er jetzt mehr Zeit habe, an den Ausschusssitzungen teilzunehmen. Sondern vor allem, weil er Einblick in den Haushalt habe.
Die Rechnungen aus Wolfs Amtszeit könnte immer auch sein Vertreter prüfen, hieß es aus Reihen der FW.

Nekolla schmiedet Kompromiss

"Ich möchte meine eigenen Rechnungen nicht prüfen. Aber es geht nicht, dass ich deshalb die gesamte Aufgabe aufgebe", stellte Wolf klar.

Bürgermeister Nekolla versuchte zu vermitteln. Er bot deshalb zur Beschlussfassung den Kompromiss an, dass Werner Wolf dann für den Rechnungsprüfungsausschuss benannt wird, wenn die Freien Wähler zusichern, dass Wolfs Vertreter geschickt werde, sollten alte Rechnungen zu prüfen sein. Allein Heiko Kracker, Matthias Striebich und Jürgen Theiler stimmten diesem Kompromiss nicht zu.
Die Vorsitzenden für den Gräfenberger Rechnungsprüfungsausschuss sind Matthias Ebenhack (CSU), dessen Vertreter Lars Laufer, Antje Rammen-see (SPD) und deren Vertreterin Regine Bleckmann sowie Werner Wolf (FW) und dessen Vertreter Konrad Hofmann.