Der ägyptische Pfarrer Matta Shafik Ayoub kam auf seiner dreitägigen Reise durch das Erzbistum Bamberg auch nach Hausen. Der Gast des Hilfswerkes "missio" hielt nach einem feierlichen Gottesdienst mit dem Pfarrer Franz Noppenberger und dem Geistlichen Rat Michael Kramer in der Kirche St. Wolfgang einen Vortrag über die Christen im Land am Nil. "Ägypten - ein Land zwischen Angst und Hoffnung" betitelte er das von einer Dolmetscherin übersetzte Referat.

Der Geistliche berichtete von seiner Aufgabe im Bistum Assuit, wo er seit Jahresbeginn die diözesanen Entwicklungsbüros leitet. Schätzungen zufolge bekennen sich etwa zehn Prozent der über 82 Millionen Ägypter zum Christentum. Davon sind die meisten Orthodoxe Kopten, nur rund 165 000 Ägypter sind koptisch-katholisch, etwa 50 000 römisch-katholisch. Neben religiösen Konflikten leidet das Land besonders unter einer Wirtschaftskrise. Nach dem arabischen Frühling befindet sich Ägypten im Umbruch, viele Hoffnungen hätten sich nach der Revolution nicht erfüllt. Noch immer lebt jeder fünfte Ägypter unter der Armutsgrenze.

Liebe und Hoffnung weitergeben

Pfarrer Matta Shafik Ayoub konzentriert sich bei seiner Entwicklungsarbeit auf drei Punkte: die Förderung der Frauen, die Bildung und ein Gesundheitsprogramm. "Das soziale Engagement der Kirche ist für alle gleich, keiner ist ausgeschlossen", erklärte der Geistliche. Die Botschaft der Liebe und der Hoffnung weiterzugeben sei die wichtigste Arbeit vor Ort.

Anhand des schon Jahrhunderte alten Rituals der Beschneidung der Frauen machte der Geistliche deutlich, wie schwierig sich die Arbeit vor Ort gestaltet. Viel Aufklärungsarbeit sei nötig, wobei sexuelle Themen in Ägypten eigentlich ein Tabu seien. "Wir laden zu Ausflügen ein, um an die Großmütter heranzukommen, ein Vertrauen aufbauen können", erzählt der 42-jährige Priester. Denn die Großmütter sind in Ägypten die einflussreichsten Personen in der Familie, sie haben das Sagen.

"Wir haben eine Vision"

Dass Matta Shafik Ayoub ein Mann der Tat ist, zeigt auch sein umfangreiches Engagement im Bereich der Ökumene oder des Zusammenlebens mit anderen gesellschaftlichen Gruppen. "Ich vertraue und glaube an die ägyptische Zivilisation. Wir haben eine Vision, aber wir müssen noch abwarten. Zuerst müssen wir lernen, unser Land zu regieren. Wir müssen als eine Gemeinschaft zusammenarbeiten. Mag sein, dass die nächste Zeit hart für uns wird, aber wir werden es schaffen", sagt der Priester mit Blick auf die aktuellen gesellschaftspolitischen Umwälzungen in seiner Heimat.