In Kunreuth und Weingarts ist Ökumene nicht nur ein windelweiches Wort ohne Substanz. Ökumene ist dort gelebter Alltag. Das führt so weit, dass die evangelische Kirchengemeinde aus Kunreuth und die katholische Gemeinde aus Weingarts zusammen Pfarrfest feiern. Immer im Wechsel, einmal in Weingarts, dann wieder in Kunreuth.

Die damaligen Pfarrer Zwanziger und Pfarrer Alfred Beißer hoben diese Idee aus der Taufe. Beißer predigte jetzt in Kunreuth zum Thema "Wissen allein genügt nicht". Glaube sei immer auch Suchen und Hoffen.
Musikalisch drückte dem Gottesdienst der Chor "Singende Herzen" seinen Stempel auf. Die Mädchen boten den Besuchern deutsches und ukrainisches Liedgut. Die Sängerinnen sind zwischen zehn und 14 Jahren alt und gehören dem "Deutschen Verein" aus dem ukrainischen Mukatschewo an. Dort hatten sich vor rund 250 Jahren
ihre Vorfahren, die Schönborn-
franken, angesiedelt.

Die jungen Sängerinnen folgten einer Einladung der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) in die Erzdiözese Bamberg. Oberfranken hat mit der Region eine Partnerschaft geschlossen, die auf die auf eine Idee des Röttenbachers Adam Bucher zurückgeht, der Vorsitzende der KLB Bayern, ist. Im Jahr 1998 nahm das ganze konkrete Formen an, 2001 folgte die Besiegelung der Freundschaft. In gewissen Abständen folgten seitdem Besuche und Gegenbesuche.


Deutsche Traditionen bewahren


Das Ganze lebt wesentlich vom Engagement Einzelner. So betreut Vroni Kaul wieder einmal die Gruppe der Besucher aufopferungsvoll auf Schritt und Tritt, öffnet Türen zu notwendigen Sponsoren.
Als Abschiedsgeschenk übergab sie beim Gemeindefest Süßigkeiten, die eine Forchheimer Firma spendierte. Die Mädchen waren tags zuvor bereits beim Chorkonzert in der Aula der Schule von Mittelehrenbach aufgetreten und begeisterten mit ihren perfekt vorgetragenen Liedern und Tänzen. "Wir wollen, dass unsere Kinder und Enkelkinder diese schönen deutschen Lieder singen und bewahren", hat die Vorsitzende des deutschen Kulturvereins Mukatschewo, Magdalena Hudak, dort betont.

Die Verbindung nach Mukatschewo ist offensichtlich bei der KLB in guten Händen. "Die schwierige politische Lage zwischen der Europäischen Union und der Ukraine ist nicht zu unseren Gunsten", meinte der zuständige geschäftsführende Referent der KLB in Bamberg, Daniel Alt.

Allerdings lasse sich dagegen von Kirche zu Kirche eine wunderbare, verlässliche Partnerschaft pflegen. Das sei sicher ein sehr interessantes Betätigungsfeld mit großer Faszination und Begeisterung, das aber eine intensive Pflege und individuelle Förderung bedürfe.

Die Kunreuther waren im Übrigen gute Gastgeber mit einem vielfältigen Programm für die Kinder rund um die Lukaskirche. Sie verwöhnten ihre Nachbarn und Gäste. Pfarrer Michael Müller arbeitet seit einem Jahr in Kunreuth und schätzt das Pfarrfest schon jetzt: "Hier geschieht eine gute ökumenische Verbindung."