Warum? Das ist die Frage, die sich die Neunkirchner Bürger stellen, wenn sie nur vier Wochen nach Betriebsübernahme vor der geschlossenen Tür bei der Metzgerei Pawlik stehen.

Die Metzgerei sei geschlossen und werde es wohl auch bleiben. Pawlik habe den Pachtvertrag aufgelöst, wie Bürgermeister Heinz Richter aus einem Gespräch mit Hans Gundel weiß. "Es ist traurig", gesteht Bürgermeister Richter. "Es wäre wieder eine einheimische Metzgerei gewesen. Wir hätten nie gedacht, dass nach vier Wochen wieder geschlossen ist", bedauert er diese Entscheidung.

Gründe bleiben geheim

Die ihm in dem vertraulichen Gespräch genannten Gründe wolle er nicht öffentlich machen. Auch sind weder Hans Gundel noch Marco Pawlik bereit, sich über die Hintergründe der Entscheidung zu äußern.

Pawlik war Hans Gundels Nachfolger und die Leute waren froh, dass mit dem bekannten Dormitzer das traditionelle Handwerksgeschäft weitergeführt wurde. Und vor allem Gundels Spezialität: die Bratwürste. "Es war für mich eine Erleichterung, als die Nachricht über die Nachfolgeregelung mit Pawlik kam, da es lange unklar war, wie und ob es weiter gehen würde. Dass es jetzt so schnell gehen würde mit der Schließung, kommt unerwartet", sagt Andrej Novak, dessen Familie seit 42 Jahren dort eingekauft hat. "Ich finde es befremdlich, dass unter der Nummer der Metzgerei, die noch funktioniert, nicht einmal ein Anrufbeantworter über die Lage informiert", sagt er.

Zu hohe Auflagen, da eine Geschäftsübergabe wie eine Neueröffnung zählt, waren Gerüchte, die im Ort erzählt wurden. Seitens des Landratsamtes sei jedoch bis auf Kleinigkeiten nichts beanstandet worden, sagt Pressesprecherin Kathrin Schürr auf FT-Anfrage. Da keine Gründe genannt werden, können die Bürger nur Vermutungen anstellen und diese sind auf mögliche Umsatzeinbußen und Rationalisierungsmaßnahmen durch Corona bezogen. "Für uns ist es einfach nur schade, dass es jetzt keinen "Metzger" mit umfangreichem Angebot im eigentlichen Sinne in Neunkirchen mehr gibt und das bei über 8 000 Einwohnern", sagt Andreas Pfister, dessen Familie ebenfalls zu den Kunden zählte. Durch die Metzgerei "Zur Seku" bleibe noch eine Metzgerei, allerdings mit verständlicherweise geringerem Angebot.

Es bricht ein Stück Identität weg

Die Supermärkte, Hofläden und der Bauernmarkt sichern zwar die Nahversorgung. "Das ändert aber nichts daran, dass mit einer eigenen Metzgerei auch ein Stück Identifikation verloren geht", betont ein anderer Kunde. Bleibt die Hoffnung, dass ein Nachfolger gesucht und bald gefunden wird. "Besonders die Bratwürste würde ich vermissen und natürlich die Schnitzel mit Kartoffelsalat", fügt Novak an und spricht damit ebenfalls die Gedanken vieler Bürger aus.