Bamberg/ForchheimBeinahe wären einem 18-jährigen Mann aus Forchheim 1,3 Gramm Marihuana zum Verhängnis geworden. Hatte er die Drogen doch bei sich, während er unter Bewährung stand. Am Amtsgericht Bamberg schickte man den Geflüchteten aus Afghanistan freilich nicht hinter Gittern. Mit einer neunmonatigen Jugendstrafe zur Bewährung bekam er noch einmal eine Chance - vielleicht seine letzte.

Es ist ein Freitagabend im Juni kurz nach 22 Uhr. Zwei Polizisten einer Zivilstreife fällt auf der Adenauerbrücke ein junger Mann auf. Sie sind unterwegs, um die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes zu kontrollieren. Da Jugendliche unter 16 Jahren zu dieser Zeit nicht alleine unterwegs sein dürfen, halten sie den Nachtschwärmer routinemäßig an. "Er wurde sofort nervös", so einer der Beamten. Zudem habe er gerötete Augen gehabt. Die Polizisten kennen das aus Erfahrung: Rauschgiftkonsum. Als sie seine Bauchtasche durchsuchen wollen, versucht der junge Mann, sich zweier kleiner Päckchen zu entledigen. In Frischhaltefolie eingewickelt liegen insgesamt 1,3 Gramm Marihuana am Boden. Das zeigt ein chemischer Test.

Wie sich später herausstellt, hat er sich die geringe Menge Gras zum Selberrauchen bei einem Kumpel in Bamberg besorgt. "Er will aber nicht sagen, wo er es her hat, um keine Freunde mit reinzureißen", erklärte sein Verteidiger Andreas Dräger.

Dass es überhaupt zu einem Verfahren kam, lag an der wenig ruhmreichen Vergangenheit des jungen Mannes. Wegen Schwarzfahrens, unerlaubten Aufenthalts und Beleidigung hatte er schon die Justizbehörden in Ulm, Augsburg und Forchheim beschäftigt. Nach Forchheim war er vor zwei Jahren gekommen.

Zuletzt hatte ihn das Amtsgericht Bamberg wegen vorsätzlicher Körperverletzung in drei Fällen und Sachbeschädigung verurteilt. Dieses Verfahren wurde nun miteinbezogen. Der Angeklagte war als minderjähriger unbegleiteter Flüchtling nach Forchheim gekommen. In den für Jugendliche vorgesehenen Unterkünften im Don Bosco-Schülerheim und in der Friedrich von Schletz-Straße hatte er seiner Freundin mehr als einmal mit der Faust ins Gesicht geschlagen und sie leicht gewürgt. Die Gewalt gegen das ein Jahr ältere Mädchen hörte auch nicht auf, als sie im Mai 2019 von ihm ein Kind erwartete. Zudem beschmierte er seine Zimmertüre mit schwarzem Edding-Stift. Inzwischen sind die beiden zusammengezogen. Das gemeinsame Kind ist auf der Welt. Das war auch einer der Gründe für Staatsanwalt Patrick Keller, dem Angeklagten noch eine Chance zu geben. Geht es im Jugendstrafrecht doch nicht um Bestrafung, sondern um Erziehung und das Vermeiden neuerlicher Rückfälle.

Am Ende wurden neun Monate Jugendstrafe zur Bewährung verhängt. Er bekommt nun zwei Jahre lang einen Bewährungshelfer. Der soll ihm helfen, eine Arbeitsstelle, oder besser noch eine Ausbildung zu finden. Zudem darf der junge Mann keinerlei Rauschgift mehr konsumieren, was drei Mal im Jahr durch Haar- und Urin-Tests auch überprüft werden wird. Auch muss er an einem Anti-Gewalt-Training im Landratsamt Bamberg teilnehmen.