Es waren einmal weit über 2000 Marathonläufer. 19 Jahre später, am gestrigen Sonntag, waren es beim 19. Fränkische Schweiz-Marathon, gerade noch 240 Läufer, die sich für die klassische 42,195-Kilometer-Strecke meldeten. Die meisten der insgesamt 1500 Teilnehmer verteilten sich auf den Halbmarathon, den 10 000 Meter-Lauf, auf den Handbike- oder Skating-Marathon.

Erschwert wurde die Laufbegeisterung am Wochenende zudem durch das Wetter. Am Wegrand wurde viel über den "Grip" der Skater und deren Sturzgefahr philosophiert. In der Ortsmitte von Ebermannstadt, wo die Läufer, Biker und Skater ab 8.30 Uhr ins Rennen gingen, beklatschten nur wenige Hundert Zuschauer die Leistungen der Ausdauersportler.

Unter ihnen die Familie Rückel aus Dachsbach. Mama Rückel stand mit Emma und Johannes hinter dem Absperrgitter. Im Rucksack hatten sie Proviant für die nächsten Stunden mitgebracht. Die Kinder drückten ihrem Vater die Daumen: Helmut Rückel hat sich vorgenommen, in Ebermannstadt seine Marathonzeit von 3.45 auf 3.30 Stunden zu verbessern.

Weniger Geduld musste jene Hollfelderin mitbringen, die als "Fan meines Mannes" an der Strecke stand. Ihr Mann habe geplant, die 10 000 Meter in 49 Minuten zu laufen: "Er wollte unbedingt, dass ich dabei bin."

Ein anderer Zuschauer, aus Regensburg, war als Begleiter seiner Freundin in die Fränkische Schweiz gekommen. Zu ihrem ersten Marathon. In Regensburg gebe es zwar auch einen Lauf, "aber hier ist die Landschaft schöner", sagte der Regensburger. Er habe den Start seiner Freundin gesehen, in viereinhalb Stunden komme er wieder, währenddessen baue er das Zelt am Campingplatz ab und sehe sich die Stadt an.

Goldene 90er Jahre

Aber jene Zuschauer, die den Marathon als Sonntagsausflug nutzen, waren diesmal dünn gesät. Elisabeth Schwanda, die mit Jürgen Krause (beide vom TSV Ebermannstadt) den Einsatz von 25 Helfern an den Versorgungsstationen koordinierte, meinte: "Nach 19 Jahren ist ein bisschen die Luft raus."

Zum Fun-Sport seien noch viele bereit, aber: "Marathon laufen ist eine Herausforderung und das ist richtige Arbeit." Die große Marathon-Bewegung der 90er Jahre sei vorbei, beobachtet Schwanda. Bei den ersten Läufen durch die Fränkische Schweiz sei das halbe Teilnehmerfeld unter drei Stunden gelaufen. Heute sei das die Ausnahme. "Vielleicht sind es noch 30 Läufer insgesamt, die es unter drei Stunden schaffen."

Und weil der Ehrgeiz und die Zahl der Läufer nachgelassen habe - und weil die meisten Zuschauer Angehörige von Läufern seien, gebe es eben nicht mehr so viel Stimmung an der Strecke: "Früher waren am Ziel "Galerien voller Zuschauer", erinnerte sich Elisabeth Schwanda, die 18 der 19 Marathon-Veranstaltungen mitgestaltet hat.

Moderator Michael Cipura war dennoch schon vor dem Start zufrieden; weil auch bei diesem Marathon "rund 200 Finisher" zu erwarten seien. "Insgesamt sind es weniger Läufer, weil wir heuer keine bayerische Meisterschaft veranstalten."

Als dann die meisten Läufer die Ziellinie überquert hatten, gab Cipura die Termine der nächsten Läufe in der Region bekannt. "Das Lauf-Jahr kann Non-Stopp weitergehen", sagte Cipura. Für Elisabeth Schwanda ist diese große Konkurrenz an Veranstaltungen der wunde Punkt: "Es ist eine Inflation an Läufen geworden. Vielleicht müsste man auch den Fränkische Schweiz-Marathon einfach mal neu denken."

Zu der nachlassenden Marathon-Lauf-Freude äußerte sich auch Marco Diehl, eine Legende der Hobby-Läufer-Szene. Gestern belegte der 49-Jährige den sechsten Platz. "Leider war nicht so viel los an der Strecke", bedauerte Diehl.

180 Marathonläufe hat der Mann aus Oberursel schon auf dem Buckel - und den Fränkische Schweiz-Marathon gewonnen hat er auch schon, das war 2008. "Die Leute wollen sich nicht mehr quälen", sagte Diehl gestern, als er sich nach seinem 2.47-Stunden-Erfolg von einer Physiotherapeutin behandlen ließ. Das sei nicht nur in den Laufgruppen so, bemerkt Diehl. Auch wenn er bei Fahrrad-Touren dabei sei, nehme die Zahl der jungen Teilnehmer zu, die mit dem E-Bike kämen.