Harald Schleicher und Klaus Hagen sind eine Notfall-Einsatztruppe ohne Alarm und Blaulicht. Sie wissen: Wenn das dumpfe Knarzen und das zerstörerische Krachen näherkommen, dann wühlt sich ein Schiff durch den gefrorenen Main-Donau-Kanal. Und das heißt für die Eisstoßer der Schleuse Hausen: ran an die Stangen und Schieber - Zeit für den nächsten Einsatz.

"Ohne die Eisstoßer müssten wir die Schleuse bei dieser Wetterlage schließen", sagt Klaus Ullrich vom Wasser- und Schifffahrtsamt Nürnberg (WSV), als gerade die "Calypso" durch die Schleuse fährt. "Sonst könnten die schweren Eisplatten vom Schleusentor herunterfallen und die Besatzung gefährden", erklärt der stellvertretende Leiter des Außenbezirks Neuses, der die Strecke von Bischberg im Kreis Bamberg bis Erlangen umfasst.


Schiffe drücken Eis in Schleuse

Benötigt werden die Eisstoßer bei Schiffen, die von Erlangen kommend abwärts fahren und in Hausen zwölf Meter nach unten geschleust werden. Sie schieben aufgerütteltes Eis vor sich her und drücken es in die Schleusenkammer. Einige Platten bleiben dabei am unteren Ausfahrtstor hängen. Um sie kümmern sich dann die beiden Wimmelbacher Harald Schleicher und Klaus Hagen und ihre Kollegen.

Sie arbeiten im Zweischicht-Betrieb. Von 6 bis 14 Uhr und von 14 bis 22 Uhr sorgen sie dafür, dass die Schleuse Hausen für die Kapitäne nicht zur Endstation wird auf ihrem Weg von der Donau in den Main.


Eisstärke wird täglich gemessen

Zuerst schlagen sie von oben die großen Brocken in die Tiefe. Anschließend geht der Kampf der Männer gegen das Eis von der Seite weiter. Von dort nehmen sie es mit ihren langen Werkzeugen bewaffnet mit einigen hartnäckigen Eisformationen auf.

"Wer sich traut, kann den Kanal trotz des tagelangen Dauerfrosts noch befahren", sagt der Eberner Klaus Ullrich, der die etwa 40 Kilometer Strecke von Bischberg bis Erlangen jeden früh ab 6 Uhr abfährt. Er misst an verschiedenen Punkten die Eisstärke und erstellt anhand der Werte einen Eisbericht, der online einsehbar ist. Ullrich: "Momentan sind wir etwa bei 30 Zentimetern. Ab 45, spätestens 50 Zentimetern ist Schluss."

Dann nämlich kämen auch die drei eingesetzten Eisbrecher-Schiffe - neben den Eisstoßern der zweite Winter-Service des Wasser- und Schiffahrtsamts - nicht mehr richtig durch. Die Folge: Die Schleusen des Außenbezirks Neuses in Bamberg, Strullendorf, Forchheim und Hausen würden dann geschlossen und das Befahren des Kanals wäre verboten.


Kapitäne mit Respekt vor dem Eis

Momentan jedoch ist die Ruhe auf dem Kanal weitgehend die freiwillige Entscheidung der Kapitäne. Lediglich für Schubverbände, die länger als 165 Meter sind, ist der Kanal bereits gesperrt. Trotzdem war die "Calypso" am Freitag das erste Schiff nach zwei Tagen ohne Talfahrt. "Und auch am Wochenende wird es ruhig werden", prognostizierte Ullrich.

Viele Kapitäne hätten Angst davor, ihre Schiffe zu beschädigen. Schließlich sei die Eisschicht auf dem Kanal, der eine geringere Fließgeschwindigkeit hat, meist dicker als auf Flüssen.

"Deshalb warten derzeit viele in den Häfen, zum Beispiel in Bamberg oder Nürnberg", sagt Ullrich. "Meist fahren nur die, die aufgrund ihrer Ladung unter großem Zeitdruck stehen", erklärt Klaus Ullrich, während sich das Schleusentor wieder schließt.

Für die Eisstoßer Harald Schleicher und Klaus Hagen ist der Einsatz jetzt beendet. Normalerweise sind sie Bauwerksinspektor bzw. Baggerfahrer, im Winter werden sie zu den heimlichen Helden des Kanals.


Abwechslung zum Beton

"Eine schöne Abwechslung", sagt Schleicher, der sich sonst um Schäden an Schleusen und Gebäuden kümmert. "Mal was anderes als den ganzen Tag Beton um sich herum."

Die "Calypso" setzt ihre Fahrt derweil fort. Die Besatzung, die auf dem Deck stehenden Autos - auch dank der Eisstoßer ist alles heil geblieben. Und das dumpfe Knarzen und das zerstörerische Krachen - es wird wieder leiser.